Vertraute Züge in Stein gemeißelt 

Kunstsommer im Ateliergarten

Anke Nesemann (rechts) zeigt Birgit Kannenberg-Otremba, was bei der Bearbeitung des Specksteins entscheidend ist. - Foto: Ehlers

Stuhr - Von Anke Seidel. Immer wieder lässt Birgit Kannenberg-Otremba den Blick wachsam über das Foto ihres Mannes schweifen – obwohl ihr dieses Gesicht mehr als vertraut ist. Dann greift sie zum Meißel, um die charakteristischen Gesichtszüge in Speckstein zu verewigen. Auf diese Weise den Stein zum Spiegel des Lebens zu formen, das ist für die Oldenburgerin eine Premiere. „Ich bin Anfängerin“, sagt sie lachend. „Ich muss noch sieben Jahre arbeiten und möchte dann ein schönes Hobby haben.“ Genau deshalb nimmt sie am Kunstsommer von Anke Nesemann im Heiligenroder Ortsteil Bürstel teil – sicher nicht zum letzten Mal: „Ich habe drei Kinder“, lacht die Oldenburgerin.

Im Garten der erfahrenen Stuhrer Künstlerin lässt Birgit Kannenberg-Otremba sich leiten, ohne sich anleiten zu lassen. So kann sie ihre ganz eigene künstlerische Handschrift entwickeln. Genau das ist es, was den Kunstsommer von Anke Nesemann prägt: Der Raum und die Zeit, die eigenen Fähigkeiten zu entdecken – mit professioneller Begleitung. Zum 15. Mal bietet die Bildhauerin ihren Kunstsommer. Die Zahl der Teilnehmer wechselt genauso wie die Materialien, die der Fantasie und dem ganz persönlichen Anspruch der Teilnehmer Gestalt verleihen.

Bei Jay Hosenfeldt aus Eystrup ist es ein Zypressenstamm, der später auf der heimischen Terrasse ein absoluter Blickfang werden soll: als Gallions-Skulptur. „Den Rohling habe ich mitgebracht“, blickt er auf den schlanken Stamm mit den selbst gefrästen „Locken“. Mit prüfendem Blick arbeitet der Eystruper aus dem Kopfende des Holzes ein Frauengesicht heraus.

Bei Jutta Scholz ist es eine Schlange in Stein – ein Opal-Serpentin, der einen ganz besonderen Charakter hat. Die Hobby-Künstlerin aus Groß Mackenstedt lässt sich von ihrer eigenen Fantasiewelt inspirieren. Die Vertreibung aus dem Paradies ist es, die sie auf ganz persönliche Weise reflektieren möchte. Und lässt sich selbst überraschen, was sich am Ende unter ihren Händen aus dem Stein herausschält.

Genauso konzentriert ist Marie-Louise Brandt aus Zeven bei der Sache. Sie arbeitet an Alabaster – ein Stein, dessen natürliche, meergrüne Kante an die Gischt von Wellen erinnert. Wen wundert es, dass sich die Zevenerin ein maritimes Motiv ausgesucht hat? Fisch und Meerjungfrau will sie aus dem Stein befreien. Wie andere Kunstsommer-Teilnehmer auch arbeitet sie an mehreren Projekten – ein Stück Moorholz mit zwei Motiven zum Beispiel: einem Vogelkopf auf der einen und einem Fisch auf der anderen Seite. „Das soll auf eine Metallstange“, berichtet sie über ein künstlerisches Windspiel der besonderen Art. Für die Zevenerin ist der Kunstsommer Urlaub im Wortsinn. Denn sie übernachtet bei Anke Nesemann.

Mit Holz arbeitet Marie-Louise Brandt schon länger. „Aber ich musste mal eine andere Handschrift kennenlernen“, blickt sie auf die Stuhrer Bildhauerin, bei der sie zum ersten Mal zu Gast ist.

Vier Tage lang haben die Teilnehmer an ihrer Wunschplastik, einem Relief oder anderem mehr gearbeitet. Grundsätzlich bietet Anke Nesemann an: „Wenn etwas nicht fertig geworden ist, können die Teilnehmer im offenen Atelier weiter daran arbeiten. Das ganze Jahr über.“

Sie selbst bereitet sich nach dem gestrigen Abschluss des Kunstsommers auf die Neuauflage 2018 vor – und wünscht sich viele Teilnehmer. Vertraute und neue, die sich auch für Malerei und Keramik entscheiden können.

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