Stipendiatin Amina Brotz arbeitet ortsbezogen

Die Kunst des Archivierens

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Diese Installationsansicht „material“ ist bis 19. März in der Kunsthalle Bremen zu sehen.

Heiligenrode - Von Andreas Hapke. Amina Brotz befindet sich auf der Zielgeraden ihres Stipendiums in Heiligenrode. In knapp drei Monaten steht die Vernissage ihrer Ausstellung in der Künstlerstätte an. Was dann zu sehen ist? Das weiß die Künstlerin nach eigener Auskunft selbst noch nicht so genau. Darüber gibt auch ein Besuch in ihrem Atelier keinen Aufschluss. Es ist leergeräumt. Mit Ausnahme ihres Werkzeugs befindet sich zurzeit alles in der Kunsthalle Bremen, wo sich die Stipendiatin an der Schau „Fokus junge Kunst“ beteiligt.

Auf 36 Sockeln und in vier Vitrinen präsentiert Amina Brotz dort Werke und Materialien, wobei die Trennung dazwischen aufgehoben ist. Was ist Werk, was Material? Diese Unterscheidung trifft sie nicht. Die Bremerin hat zwar Gruppen gebildet, indem sie die Arbeiten ihrer Musterschülerausstellung in der Weserburg 2017 in einer Vitrine untergebracht sowie Sockel mit Schachteln, Rahmen, Notizen, Heften, bemalten und unbemalten Leinwänden bestückt hat. Doch nach Angaben der Künstlerin sind das keine einzelnen Werke. Vielmehr möchte sie die Installation „material“ als Gesamtwerk verstanden wissen. Nicht das Fertige, sondern das Prozesshafte will sie dabei hervorheben.

Amina Brotz spricht von einer „subjektiven Form von Archivierung“. Die Vorarbeit dafür hat sie in Heiligenrode geleistet. „Mal alles an einen Ort bringen und es sortieren“ – unter anderem das habe sie an dem Stipendium gereizt. Damit habe sie sich auch den ganzen Herbst über beschäftigt, bis es Ende November an den Aufbau der Präsentation in der Kunsthalle ging.

Sortieren und Archivieren

Amina Brotz arbeitet mit unterschiedlichen Materialien und Techniken. Sie habe schon viel gemalt, gezeichnet, gebildhauert. „Ich habe eine Idee, und davon ausgehend versuche ich immer, die Technik zu finden, die meine Fragestellung am besten klären kann.“

In letzter Zeit scheinen ihr Installationen die richtige Antwort zu sein, wobei ihr die Eigenheiten des jeweiligen Raumes wichtig sind. In Lemgo etwa hat sie ihre private Büchersammlung ausgestellt – in dem Stockwerk unterhalb der Bibliothek, deren Grundriss sie für ihre Rauminstallation aufgenommen hat. Auch das hat etwas von Sortieren und Archivieren.

„Aneignung von archivarischen Systemen“

Überhaupt hat ihr bisheriger Werdegang viel mit der „Aneignung von archivarischen Systemen“ zu tun, wie die Künstlerin es selbst bezeichnet. Schon ihre Diplomarbeit weist in diese Richtung. „Ich habe die unterschiedlichen Farbschichten meiner Atelierwand abgelöst und das dokumentiert“, sagt sie. Ein Gestell mit Farbstücken ist auch in der Kunsthalle zu sehen.

Amina Brotz in ihrem Heiligenroder Atelier.

Wahrscheinlich werde sie auch in der Künstlerstätte eine Rauminstallation auf die Beine stellen, überlegt Amina Brotz. Doch „ob das, was ich in Heiligenrode zeige, in Form eines Archivs zu sehen ist, das weiß ich noch nicht.“

Zwischen Atelier und Ausstellungsraum

Einige Bücher und Bilder aus Bremen sollen zwar dabei sein. Auf keinen Fall aber werde sie die Präsentation aus der Kunsthalle einfach auf Heiligenrode übertragen. Das gehe allein deshalb nicht, weil sie ihre Bilder zum Teil verschenken wolle an Leute, die schon immer Interesse daran gehabt hätten. Zudem arbeite sie immer ortsbezogen, betont sie. Zurzeit laufe sie zwischen Atelier und Ausstellungsraum hin und her, messe mal hier, mal dort etwas aus. Denn auch in Heiligenrode gebe es Eigenheiten, die sie einbeziehen wolle, etwa die Treppen in der Mitte des Raums oder der Kachelofen, der Wohnhauscharakter versprühe. „Ich stelle gerade konzeptionelle Überlegungen an, aber es kommt noch Material dazu.“

Und zwischendurch bleibt immer mal Zeit für einen Blick aus dem Atelier. „Ich hatte hier einen richtigen Sommer mit Aufenthalten auf dem Steg. Und ich habe einen richtigen Winter.“ Den schätze sie fast noch mehr, denn: „Es gibt keine Blätter, die die Sicht verstellen.“

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