Abschlussausstellung des Stipendiaten Jens Jochen Isensee ab 14. Mai

Der Künstler baut und gestaltet seine eigene Welt

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Der Braunschweiger Künstler Jens Jochen Isensee ist dabei, die Heiligenroder Ausstellungsräume zu bestücken.

Heiligenrode - Von Andreas Hapke. Brückentag? Nicht für Jens Jochen Isensee. Der aus Braunschweig stammende Künstler hatte auch am Freitag ordentlich zu tun. Schließlich neigt sich sein Stipendium in der Künstlerstätte Heiligenrode dem Ende zu – und damit wird auch die Zeit knapp, die ihm bleibt, um seine Abschlusspräsentation vorzubereiten. Zur Vernissage seiner Ausstellung „Im Kern der Dinge“ lädt der 34-Jährige für Samstag, 14. Mai, um 15 Uhr ein.

Die Einladungskarte ziert eine in zwei Hälften zerlegte Weltkugel, deren Innenleben Aufschluss auf das verwendete Material gibt: Isensee hat den Planeten Erde aus Pappe und Karton geschaffen. Das Kunstwerk steht damit symbolhaft für das Vorgehen des Künstlers: Er baut und gestaltet seine eigene Welt, und er tut dies bevorzugt mit Alltagsmaterialien wie Karton, Holz, Lack und Kunststoff. Auf diese Weise entstehen zum Beispiel Werkzeuge, Wappentiere und Trophäen. Es sind Objekte, die nach außen feste Körper bilden, „wuchtig in Anmutung und Masse“, wie Isensee es nennt. Innen jedoch sind sie hohl, und das aus gutem Grund: Man müsse sich immer fragen, was der Kern der Dinge sei. Der liege häufig unter Oberflächen und Formen, „die wir irrtümlich für die Grenzen der Wahrnehmung halten“.

In der Ausstellung sind auch größere Installationen zu sehen, etwa die in Heiligenrode entstandene Insel mit Lagerfeuer, Stühlen und Bänken.

„Die Idee von Nation“ hat Isensee ebenfalls in der Künstlerstätte umgesetzt. Es handelt sich um eine Trauerweide, an der lauter Bären in Deutschland-Farben hängen, jeweils mit der Aufschrift „Einig Vaterland“. Damit stellt der Künstler den Bezug zur aktuellen politischen Situation her: Menschen, die sich vom Staat nicht mitgenommen fühlen, klammern sich an den Nationalismus. Das wird auf Dauer nicht reichen. Die Bären, wie andere Blüten auch, werden irgendwann von der Weide abfallen.

Gleich einen ganzen Raum nimmt eine interaktive Videoprojektion ein. Dabei wirft ein Beamer eine Struktur an die Wand, die hervorzustehen scheint und die der Besucher selbst mittels seiner Hände verändern kann. Deren Position wird durch eine Kamera-Sensorik erfasst. Nach einer Weile soll sich diese individuell generierte Struktur wieder zersetzen und durch den nächsten Besucher neu entstehen. „Der Betrachter wird zum Gestalter“, sagt Isensee.

In einer weiteren Installation hat er die Zahnräder der Wassermühle in Heiligenrode eingearbeitet: Videos davon laufen im Inneren eines Objektes, das der Betrachter laut Isensee als Herz wahrnehmen könnte. Durch die Schlitze in der von Umzugkartons stammenden Pappe kann der Besucher die Filmchen sehen.

„Im Großen und Ganzen“ habe er erreicht, was er sich für sein Stipendium vorgenommen habe, lautet das Fazit von Isensee. „Es war interessant, mein Schaffen mal in der Laborsituation beobachten zu können, völlig unabgelenkt.“ Dadurch seien auch neue Ideen entstanden.

Bis zur Ausstellung fehle vor allem der Feinschliff für die ganzräumige Installation. „Die muss ich noch zu meiner Zufriedenheit abschließen“, sagt der Künstler. Die einführenden Worte zur Vernissage spricht Melanie Prost, eine Mitbewohnerin aus Isensees Braunschweiger Wohngemeinschaft.

Nach der Eröffnung ist die Ausstellung bis zum 5. Juni freitags und sonnabends von 15 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr zu sehen.

www.jensisensee.de

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