Kubale: Räume und fester Ansprechpartner bei der Gemeinde Stuhr fehlen

Flüchtlingshelfer fordern mehr Rückendeckung

+
Wolfgang Kubale (links) und Joachim Busse fordern für ihr Engagement zugunsten der Flüchtlinge mehr Unterstützung von der Gemeinde. Vor allem Lager- und Aufenthaltsräume fehlten, ebenso wünschen sie sich einen festen Ansprechpartner, der seitens der Kommune die Arbeit der Ehrenamtlichen koordiniert.

Stuhr - Von Katrin Köster. Joachim Busse und Wolfgang Kubale sind frustriert. Die Männer engagieren sich seit gut einem Jahr für den Verein Flüchtlingshilfe Stuhr. Allerdings fühlen sie sich dabei von der Gemeinde allein gelassen.

Konkret fehlt es in ihren Augen vor allem an Räumen, einem festen Ansprechpartner für die Ehrenamtlichen sowie einem offiziellen Ausweis für die Helfer. „Wie wollen mit der Gemeinde zusammenarbeiten“, betonen beide. Aber: Derzeit hakt es beim Zusammenwirken laut Joachim Busse und Wolfgang Kubale an mehreren Ecken und Enden, weshalb sie ihrem Unmut Luft machen und auf mehr Unterstützung hoffen. Das Gespräch mit der Verwaltung sowie mit Bürgermeister Niels Thomsen hätten sie bereits gesucht, so Kubale. Doch bislang seien die Probleme nicht angegangen worden, monieren die Männer.

„So ist zum Beispiel nicht geklärt, ob die Helfer bei ihren Einsätzen versichert sind“, fasst Kubale eine Sorge zusammen. Bislang gehen er und seine Mitstreiter ohne ein amtliches Dokument los, um die derzeit 286 Flüchtlinge in Stuhr zu unterstützen. Kubale: „Wenn wir mit ihnen zum Arzt oder zu Behörden fahren und es passiert ein Unfall, was dann?“

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) definiert eine ehrenamtliche Tätigkeit „als einen Fall des Auftrags nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB)“. Nach §662 BGB verpflichte sich jemand durch die Annahme eines Auftrages, ein ihm übertragenes Rechtsgeschäft unentgeltlich zu besorgen, heißt es auf der Webseite des Ministeriums.

Der Auftrag ist also entscheidend: „So sind Personen gesetzlich unfallversichert, die sich in Vereinen oder Verbänden im Auftrag von Kommunen ehrenamtlich engagieren (§ 2 Abs. 1 Nr. 10a SGB VII).“ Laut BMAS reicht es, wenn der Auftrag mündlich erteilt wird, sicherer sei die Schriftform. In dieses Horn stoßen nun die Stuhrer, die sich eine eindeutige Absicherung wünschen, aber beispielsweise auch im Kontakt mit Flüchtlingen oder Spendenwilligen bei Rückfragen etwas in der Hand haben möchten.

In den Augen von Niels Thomsen ist die Rechtslage auch ohne Ausweis eindeutig: „Wer ehrenamtlich für die Gemeinde tätig ist und sie unterstützt, der ist versichert“, stellt er klar. Im Fall der Fälle werde die Kommune dafür sorgen, dass ehrenamtliche Helfer nicht alleine dastehen, versichert er.

Thomsen bestätigt, dass er mit den beiden Ehrenämtlern im Gespräch ist. Dem Wunsch nach einem Ausweis steht er indes nicht uneingeschränkt offen gegenüber: „Wir haben darüber gesprochen und die Ausweise sind auf dem Weg“, so der Gemeindechef. „Aber es stellt sich auch die Frage, für welche Legitimierung sie gebracht werden“, ergänzt er. „Wenn ich jemanden zum Arzt begleite oder einen Flohmarkt organisiere, brauche ich dafür wirklich einen Ausweis?“, fragt Thomsen. Gleichwohl wolle er sich nicht dagegen aussprechen und kann das Anliegen der Ehrenamtlichen nachvollziehen. „Aber wir möchten das gerne einheitlich lösen“, so Thomsen. Man schaue da auch darauf, wie das andere Kommunen im Kreis lösen.

Koordinatorenstelle für 2016 geplant

Den Blick auf die Nachbargemeinden haben auch Kubale und Busse gerichtet. Dort gebe es zum Teil feste Ansprechpartner für ehrenamtliche Helfer, was die Zusammenarbeit erheblich erleichtere.

„Wir haben bislang 50 Patenschaften vermittelt“, nennt Kubale ein Beispiel. Derzeit habe die Flüchtlingshilfe dieses Projekt aber auf Eis gelegt, da sie keine Informationen über die neu eingetroffenen bekomme. Die wiederum seien zur Vermittlung der Patenschaften unerlässlich. „Zunächst sind wir auf eigene Faust zu den Unterkünften gefahren und haben die Bewohner befragt“, berichtet Busse. Doch das sei für die Helfer nicht dauerhaft leistbar, betonen sie. Hier könnte ein Koordinator auf Gemeindeseite helfen.

Die für 2016 im Haushalt eingeplante Stelle begrüßen Kubale und Busse. Gleichzeitig hoffen sie aber auf zeitnahe Hilfe. Doch daraus wird wohl nichts: Wie Thomsen bestätigt, ist man im Rathaus an diesem Punkt noch dran, aber eben nicht vor 2016. Dass hier Personalbedarf besteht, sieht er ebenso. „Die Gestaltung der Stelle ist noch Thema bei uns. Es soll eine deutlich spürbare personelle Verstärkung geben“, betont Thomsen. Wie das konkret aussieht, schildert er nicht.

Auch in punkto Raumbedarf stimmt Thomsen Kubale und Busse zu. Eine kurzfristige Lösung hat er indes nicht zur Hand: „Die Kollegen suchen, fragen und fahren auch mit offenen Augen durch das Land“, so der Bürgermeister. Auch bei Angeboten von Maklern prüfe man, ob die Objekte geeignet und finanzierbar seien. Allerdings gebe es in der Gegend wenig entsprechende Leerstände, bedauert Thomsen.

Die Flüchtlingshilfe sucht gut erreichbare Räume in Stuhr, um Fahrräder einzulagern und ausgeben zu können. Ebenso für Kleidung und Möbel, sagen Kubale und Busse. Räume wie die in der ehemaligen Brinkumer „Fressnapf“-Filiale wären ideal, finden die Helfer. Zudem wünschen sie sich eine ebenso zentral gelegene Begegnungsstätte, in der sich die Flüchtlinge aufhalten und treffen können. Der Gemeindechef stößt hier in das selbe Horn und könnte sich das auch gut in Rathausnähe vorstellen. Daher bittet Thomsen die Bürger um Mithilfe: „Wer ein Objekt hat, melde sich bitte bei uns!“

Kontakt und Details:

Wer die Gemeinde und die Flüchtlingshilfe unterstützen möchte, kann sich beim Fachdienstleiter Liegenschaften melden: Jörg Grube ist erreichbar unter der Telefonnummer 0421/5695332. Wolfgang Kubale von der Flüchtlingshilfe Stuhr ist per E-Mail zu erreichen unter wolfgang@kubale.biz.

Weitere Infos gibt es online:

www.fluechtlingshilfe-stuhr.de

www.bmas.de

Mehr zum Thema:

Saarländer wählen neuen Landtag - Reicht es für Rot-Rot?

Saarländer wählen neuen Landtag - Reicht es für Rot-Rot?

Ferrari-Star Vettel triumphiert beim WM-Auftakt

Ferrari-Star Vettel triumphiert beim WM-Auftakt

London: Fast alle Festgenommenen wieder frei

London: Fast alle Festgenommenen wieder frei

Werk-Kunst Ausstellung im Verdener Rathaus

Werk-Kunst Ausstellung im Verdener Rathaus

Meistgelesene Artikel

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Sattelzug blockiert Lange Straße

Sattelzug blockiert Lange Straße

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Kommentare