Ausstellung von Gudrun Probst in Warwe

Kreuze, aus denen Leben herausbricht

Die Kreuze der Künstlerin Gudrun Probst zieren bis nach Weihnachten die Kapelle in Warwe. - Foto: Ehlers

Fahrenhorst - Von Andreas Hapke. Die Warwer Kapelle als Heimat des Fahrenhorster Mehrgenerationenhauses – eine besondere Verbindung, die sich in der Eröffnung der Ausstellung „Kreuz – Zeichen“ mit Werken der Bildhauerin und Keramikerin Gudrun Probst widerspiegelte: Die Vernissage war eingebettet in einen Gottesdienst zur Festwoche „500 Jahre Reformation“ der Kirchengemeinde Heiligenrode.

Zu sehen sind nun zahlreiche Kreuze, die Probst aus Ton und Naturmaterialien gefertigt hat. Letztere findet die in Kollmar (Schleswig-Holstein) lebende Künstlerin hauptsächlich während ihrer ausgedehnten Spaziergänge an der Elbe. Das können Scherben, Treibhölzer, Teile von Schiffen oder Stücke von Mooreichen sein. „Mooreichen können bis zu 4.000 Jahre alt werden. Geht man die zurück, landet man in der Zeit, als Abraham lebte“, rechnete Probst vor. Dieser Gedanke erfülle sie mit Ehrfurcht. Je mehr Fundstücke sie sammele, desto mehr Ideen entwickele sie.

Den Ton brennt die Künstlerin separat, dann fügt sie das Material hinzu. „Das ist handwerklich solide gemacht, mein Mann greift mir da manchmal unter die Arme“, sagte Probst. Die Arbeit tue ihr gut, sie sei ihr ein tiefes Bedürfnis. „Ich mag den Ton und finde es interessant, was zwischen ihm und den Fundstücken passiert.“ Die Formen ergänzten sich, wobei sich Holz anschmiege, während sich Eisen hineinschneide und -drücke. Das spiegelt sich in den Titeln der Werke wider: „Geschunden und gekrönt“ etwa ist aus Ton und Eisen entstanden. „Das Eisenteil wird in den Tonkörper getrieben“, heißt es auf einer Notiz an der Wand. Ganz anders das „Kreuz der Barmherzigkeit“, bestehend aus Ton mit Eichenholz und so einladend, „als wollte uns das Kreuz in seine Arme schließen“. Weitere Objekte tragen Namen wie „Gezeitenstrom“ (Ton mit Ziegeln), „Himmels Herrlichkeit“ (Ton mit Holz“) oder „Tod, wo ist dein Stachel“ (Ton mit Eisen).

Gudrun Probst weiß schon mit zehn Jahren, dass sie Bildhauerin werden möchte – fasziniert davon, was man alles aus Fensterkit formen kann. Eine Lehre als Musterzeichnerin und ein Studium an der Werkkunstschule in Münster sind Stationen ihrer Ausbildung. Während der 22 Jahre, die sie in Oyten lebt, freundet sie sich mit einer Keramikstudentin in Bremen an. Die beiden experimentieren mit Strukturen, erste Werke Probsts entstehen. Sie fertigt Schiffe, Schnecken, Hörner und mehr, doch das Kreuz bezeichnet sie als ihr „Lieblingsthema“. Der Symbolgehalt sei ihr sehr wichtig. Als Christin befinde sie sich immer auf der Suche, schwanke zwischen Zweifel und Glaube. „Ich mache mir viele Gedanken während der Arbeit.“

Das über dem Altar hängende Kreuz in der Warwer Kapelle „wird jetzt von weiteren Kreuzen assistiert“, hatte Pastor Marc Heinemeyer eingangs gesagt. Die Werke der Künstlerin würden aus sich selbst heraus sprechen. Das Leben breche aus den Kreuzen wie ein Keim aus einer Blume. „Leben lässt sich nicht einschließen oder wegsperren“, fuhr Heinemeyer fort. Kreuze stünden zwar für den Tod, aber es bleibe ein Lebensüberschuss.

Die Dauer der Ausstellung ist noch nicht terminiert. Die Werke sollen aber bis nach Weihnachten zu sehen sein.

Mehr zum Thema:

Istanbul: 38 Tote und viele Verletzte

Istanbul: 38 Tote und viele Verletzte

Luftangriffe vertreiben IS wieder aus Palmyra

Luftangriffe vertreiben IS wieder aus Palmyra

Terror in Istanbul: Zahl der Todesopfer steigt auf 38

Terror in Istanbul: Zahl der Todesopfer steigt auf 38

Bereits sieben Tote nach Zug-Inferno in Bulgarien

Bereits sieben Tote nach Zug-Inferno in Bulgarien

Meistgelesene Artikel

Auch Sitzen kann eine körperliche Belastung sein

Auch Sitzen kann eine körperliche Belastung sein

Betrunken in den Vorgarten

Betrunken in den Vorgarten

Sirenenalarm in Kirchweyhe - Mülleimer fängt Feuer

Sirenenalarm in Kirchweyhe - Mülleimer fängt Feuer

Kommentare