Rückzahlung von Bundeshilfen

Kosmetikerin Isabel Lohmann klagt über Corona-Verordnungen

Kosmetikerin Isabel Lohmann.
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Hadert mit der Situation: Kosmetikerin Isabel Lohmann aus Stuhr vor ihrem Salon.

Stuhr – Die Weihnachtszeit ist vorbei, das entschleunigte Leben nimmt wieder Fahrt auf. Doch auch Sorgen und Ängste, die über die Feiertage in den Hintergrund gerückt sind, kommen wieder zum Vorschein. Sorgen und Ängste, die auch im kommenden Jahr wieder eng mit der Corona-Pandemie verknüpft sein werden. Gerade Selbstständige leiden darunter. So auch Isabel Lohmann aus Stuhr.

„Bei mir ist das sogar noch Meckern auf hohem Niveau“, stellt Isabel Lohmann klar – obwohl sich die Wimpern-Stylistin 2016 mit ihrem Salon BellaLashes selbstständig gemacht hat. Als freie Trainerin habe Isabel Lohmann viel Kontakt zu jungen Vertreterinnen ihrer Zunft, und sieht sich „mit vielen Ängsten konfrontiert. Viele Kleinstunternehmen und Solo-Selbstständige sind da einem sehr hohen Druck ausgesetzt“, sagt die Kosmetikerin.

Doch damit wolle sie nicht sagen, dass sie nicht auch mit Problemen zu kämpfen hat. Im Gegenteil, denn auch für Isabell Lohmann steht der nächste Lockdown in den Startlöchern. Dabei haben sie bereits die ersten Corona-Maßnahmen im Frühjahr 2020 hart getroffen, berichtet sie. „Ich hatte damals vier Angestellte, denen musste ich kündigen.“ Seitdem hat sie auch nicht wieder eingestellt. „Für mich ist das der sicherere Weg“, sagt sie, „denn dann habe ich nur Verantwortung für mich und nicht auch noch Mitarbeitern gegenüber. Denen muss ich ja schließlich Löhne zahlen“.

Stattdessen vermietet sie ihren Salon nun an Freie Kosmetikerinnen. So trage jeder für sich selbst Verantwortung – und den Kundinnen gegenüber. Und auch für die sei die Situation, betont Lohmann, nicht leicht: „Die Kundinnen sind sehr, sehr ängstlich.“

Gerade die Branchen, für die sich im Laufe der Pandemie der Begriff „körpernahe Dienstleistungen“ etabliert hat, haben in den Augen der Stuhrerin einen schweren Stand. „Wir waren mit die Letzten, die nach den Lockdowns wieder öffnen durften. Nur Restaurants waren noch später dran – aber die haben ja außer Haus verkauft.“ Das sei in ihrer Branche nicht möglich.

Wir waren mit die Letzten, die nach den Lockdowns wieder öffnen durften.

Isabel Lohmann

Gerade im Fall der Stuhrer Wimpern-Stylistin zeigten sich langfristige Probleme. „Hier sind regelmäßige Termine notwendig. Nach einer längeren Pause fängt man mit der Behandlung wieder bei null an.“ Isabel Lohmann gibt zu, dass gestylte Wimpern zwar einen Luxus darstellten – der aber vielen Kundinnen besonders wichtig sei: „Manche gehen ohne gestylte Wimpern nicht vor die Tür.“

Hinzu komme auch in Zeiten, in denen Isabel Lohmann ihren Salon öffnen darf, die Sache mit den Corona-Regelungen. So sei eine „nicht unerhebliche“ Anzahl ihrer Kundinnen nicht geimpft gewesen. Diese konnten in Zeiten von 2G und 2G plus nicht bedient werden. Immerhin: „Es gibt Kundinnen, die haben sich impfen lassen, damit sie wieder herkommen durften“, erklärt die 35-Jährige. Seit Mitte Dezember darf sie wieder nach 3G behandeln. Doch die Kundinnen, von denen der größte Teil Stammkundschaft ist, hält sich trotzdem zurück. Fraglich sei für sie, wie lange ihre Kundinnen das ständige Hin und Her noch mitmachen würden.

Und ein weiteres Problem rollt auf viele Unternehmer zu. Schon während des ersten Lockdowns sagte die damalige Regierung den von den Maßnahmen betroffenen Betrieben Corona-Hilfen zu. Die seien auch bei Isabel Lohmann schnell und unkompliziert angekommen. Doch Ende Februar soll sie diese zurückzahlen. „Das ist ein enormer Druck von außen“, schüttelt sie mit dem Kopf. Viele ihrer Schülerinnen, die diese Hilfen in Anspruch genommen haben, seien verzweifelt. Denn es stehen Existenzen auf dem Spiel. Für die 35-Jährige sei die Situation „noch machbar“.

Viele ihrer Kundinnen seien deswegen überrascht, sagt sie. „Die wissen nicht, dass wir das auch zurückzahlen müssen.“ Als Selbstständiger sei nicht zu planen, „wann in welchem Monat Umsatz gemacht wird“. Isabel Lohmann spricht von „hohen Verlusten im Geschäftsjahr“, denn: „Im Lockdown verdienen wir kein Geld.“

Dabei sieht die Stuhrerin ihren Berufszweig nicht als Pandemie-Treiber. Schon vor Corona habe sie mit Maske und Hygienekonzept gearbeitet. Von Kolleginnen, in deren Salons es zu Infektionen gekommen ist, wisse sie nichts. „Dadurch, dass wir immer eine Eins-zu-eins-Betreuung haben, ist bei uns die Nachvollziehbarkeit von Infektionen gut gegeben“, erklärt Isabel Lohmann. Sie schüttelt den Kopf, wenn sie daran denkt, dass anderswo Zehntausende Menschen in Fußballstadien zusammenkommen.

Sie erhebt Vorwürfe an die Politik und verknüpft diese mit einer Bitte: „Man fühlt sich nicht ernst genommen. Für mich ist wichtig, dass man transparent ist.“ Das sei durch die ständig wechselnden Corona-Verordnungen nicht gegeben. Sie verweist auf die letzten Lockdowns, die kurzfristig immer wieder verlängert wurden. Daher gehe sie auch im Falle eines weiteren Lockdowns vom Schlimmsten aus: „Ich weiß mittlerweile, dass es länger als vier Wochen dauern wird.“ Das bereitet ihr Magenschmerzen.

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