Win-Region fördert zusammenhängende Naturflächen

Konzept will Biotope in Stuhr verbinden: Mehr Komfort für Eisvogel und Feldhase

Ein Mann steht mit Stadtplan an einer Wiese.
+
Der Stuhrer Umweltbeauftragte Marc Plitzko an der Straße Am Bruchdamm, wo ein Teich als Trittbrettbiotop entstehen soll.

Was die Gemeinde Stuhr mit einem Teich Am Bruchdamm schon im Kleinen plant, nämlich eine Verbindung zwischen zwei Biotopen, plant die Win-Region mit ihrer Biotopverbundkonzeption im Großen. Fünf Kommunen sind beteiligt. Bei der Umsetzung spielt die Verfügbarkeit der Flächen eine große Rolle.

Stuhr – Den Tieren ermöglichen, leichter von Lebensraum zu Lebensraum zu gelangen: Das ist das Ziel der Biotopverbundkonzeption in der Win-Region. Für die fünf beteiligten Gemeinden treibt das Oldenburger Büro NWP gerade die Planungen voran. „Die Konzeption liefert nur den fachlichen Rahmen, es ist kein eigenes Umsetzungsinstrumentarium. Sie ist unverbindlich und muss mit Leben gefüllt werden“, betonte NWP-Mitarbeiterin Elisabeth Ferus am Donnerstagabend im Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt.

In Stuhr dürften die Initiatoren offene Türen einrennen. Denn unabhängig von dem gemeinsamen Vorhaben hat die Kommune längst eigene Bestrebungen unternommen, vorhandene Biotope zu vernetzen und so einer Ver-inselung von Populationen entgegenzuwirken. Am Bruchdamm etwa plant die Gemeinde einen Teich als Zwischenstopp für wandernde und fliegende Tiere, ein sogenanntes Trittbrettbiotop (wir berichteten). Für die Win-Region „sind wir noch dabei, konkrete Vorschläge zu erarbeiten“, sagte Ferus.

Ihrer Auskunft nach stammen die infrage kommenden Kernflächen unter anderem aus dem Landesraumordnungsprogramm von 2017. Darin seien erstmals Vorranggebiete für einen Biotopverbund ausgewiesen. Die damit einhergehende Planungsaufgabe habe der Landkreis zwar noch nicht umgesetzt, doch er habe diese zumindest erkannt, sagte Ferus. „Wir erarbeiten die Konzeption in Abstimmung mit dem Kreis.“

Hauptaugenmerk auf Vernetzungskorridoren

Ihre Ausgleichsflächen, Naturschutzgebiete, Blühstreifen und Biotope hat die Gemeinde an NWP übermittelt, so wie die anderen Kommunen auch. Das Büro legt sein Hauptaugenmerk nun auf die sogenannten Vernetzungskorridore. „Rein fachlich wären solche Bereiche ideal“, so Stuhrs Umweltbeauftragter Marc Plitzko. Bei der Umsetzung spiele aber die Verfügbarkeit von Flächen eine große Rolle.

Ein Beispiel: Zwischen dem Klosterbach und dem Stuhrgraben könnte der Ortsteil Blocken eine Vernetzung gewährleisten. Laut Plitzko gibt es dort viele Flächen mit Aufwertungspotenzial. Etwas weiter südlich böte sich derweil eine Verbindung zwischen dem Klosterbachtal und dem Stuhrgraben an. Im Sprachgebrauch des Planungsbüros würde das jeweils heißen: Die beiden Fließgewässer als Kernflächen werden durch einen Vernetzungskorridor Offenland miteinander verknüpft. Dies wäre auch zwischen dem Stuhrgraben und dem Hombach – von Seckenhausen nach Neukrug – der Fall. Die Konzeption zieht auch die Aufwertung von „Offenland“ um das Waldgebiet Dünser Bach/Steller Heide/Wilsbacher Moor/Varreler Bäke in Erwägung.

Wie auch immer: Wichtig ist, dass Biotopverbunde Laubfrosch, Eisvogel, Feldhase, Feldlerche, Mäusebussard, Rauchschwalbe, Hirschkäfer und Schwarzspecht ein komfortableres Leben ermöglichen. Zumindest sind dies die im Konzept genannten Ziel-Arten. Ferus: „Die wurden ausgewählt, um eine gewisse Öffentlichkeitswirksamkeit zu haben; um möglichst viele Leute einzubinden.“

Laut Ferus verstehen sich die Vernetzungskorridore als Suchräume, „nicht als vollflächig zu entwickelnde Biotopverbundachsen“. Um bei dem Beispiel Blocken zu bleiben: Der Ortsteil wird kein durchgängiges Biotop. Die Planerin sprach sich dafür aus, Siedlungsflächen mitzudenken, insbesondere in den nördlichen Kommunen im Speckgürtel Bremens, also auch in Stuhr. „Jeder, der Interesse hat, soll auch die Möglichkeit haben, in seinem Garten oder auf seinem Balkon seinen Beitrag zu leisten.“ Auch Gründächer regte Ferus an.

„Nur in Kooperation mit den Landwirten“

CDU-Ratsherr und Landwirt Lars Nordbruch sprach sich „komplett gegen das Konzept“ aus. Es wecke weitere Begehrlichkeiten auf landwirtschaftliche Nutzflächen. Als „sehr misslich“ bezeichnete es Nordbruch, dass die Betriebe nicht beteiligt worden seien. „Ich kenne keinen, der angeschrieben wurde.“ Es sei sinnvoll, Kompensationsmaßnahmen der Gemeinde in den Verbundflächen zu konzentrieren. Auch die SPD sprach sich in Person von Volker Barthel für die Bündelung von Ausgleichsmaßnahmen aus. Das passiere bereits, so Plitzko.

Zuvor hatte Ferus berichtet, dass die Datenabfrage die Landwirte berücksichtigt habe: „Sonst würden wir uns zuviel verbauen. Eine Umsetzung der Konzeption kann nur in Kooperation mit den Betrieben passieren. Stichwort Flächenverfügbarkeit.“

Der Stuhrer Naturschutzbund hingegen ist laut seinem Vorsitzenden Jörg Böttcher beteiligt worden. „Wir halten das Konzept für ein wichtiges Instrument, um den Erhalt der Arten und der Natur zu gewährleisten“, sagte er, sah aber „die Vielzahl wichtiger Verkehrsachsen“ als Problem. „Die stellen ein Bollwerk dar.“ Böttcher regte Wildtierbrücken an sowie eine Verbreiterung „unserer Gewässer unter der A1“.

Der Umgang mit bestehenden Landschaftszerschneidungen sei ein wichtiger Punkt, eine nachträgliche Optimierung von Verkehrsflächen aber schwierig, sagte Ferus – zumal Land oder Bund Straßenbaulastträger seien. Maßnahmen wie eine Grünbrücke über die Autobahn berücksichtige das Konzept deshalb nicht. Plitzko könnte sich eine Verbindung zwischen der größten Stuhrer Kernfläche, den Kladdinger Wiesen, in Richtung Leester Marsch vorstellen. Doch auch das dürfte wegen verkehrlicher Belange nicht leicht werden.

Seine Arbeit möchte NWP mit „der Maßnahmenkonzeption und der Überleitung zur Umsetzung“ fortführen, wie Ferus ankündigte.

Von Andreas Hapke

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Landkreis Diepholz: Großbrand ruiniert Scheune – 100 Einsatzkräfte nötig

Landkreis Diepholz: Großbrand ruiniert Scheune – 100 Einsatzkräfte nötig

Landkreis Diepholz: Großbrand ruiniert Scheune – 100 Einsatzkräfte nötig
Eröffnung des Gartenkultur-Musikfestivals 2021 auf dem Hohen Berg in Syke

Eröffnung des Gartenkultur-Musikfestivals 2021 auf dem Hohen Berg in Syke

Eröffnung des Gartenkultur-Musikfestivals 2021 auf dem Hohen Berg in Syke
Sachspenden für Flutopfer im Ahrtal: 8 700 Paar Handschuhe und mehr

Sachspenden für Flutopfer im Ahrtal: 8 700 Paar Handschuhe und mehr

Sachspenden für Flutopfer im Ahrtal: 8 700 Paar Handschuhe und mehr
Lehrer-Ehepaar Wilhelmi nimmt Abschied vom Gymnasium Sulingen

Lehrer-Ehepaar Wilhelmi nimmt Abschied vom Gymnasium Sulingen

Lehrer-Ehepaar Wilhelmi nimmt Abschied vom Gymnasium Sulingen

Kommentare