Ya’ Beppo findet mit Kunst zurück ins Leben / Ausstellungsbeginn mit gemeinsamen Singen

Komponieren mit Tönen, die niemand hört

Ya’ Beppo fand nach schwerer Krankheit Zuflucht in der Kunst: Ab Sonntag stellt er seine Werke aus. Foto:Jantje Ehlers

Brinkum - Von Bjarne Kommnick. Was einem Künstler widerfährt, beeinflusst seine Arbeit. Ya’ Beppo hat viel erlebt, zu erzählen und stellt die Kunst über fast alles andere und zwar aus gutem Grund: Durch seine kreative Arbeit fand der Seckenhausener nach schwerer Krankheit zurück ins Leben.

Am Sonntag, 10. November, gewährt der selbst ernannte Farbenverteiler mit einer Vernissage zu seiner neusten Ausstellung „Ein Künstlerleben“, einen Einblick in das, was ihn in seinem Leben so maßgeblich prägt und hilft: seine Kunst. Beginn ist um 15 Uhr im Mehr-Generationen-Haus, die Eröffnung der Vernissage übernimmt Thomas Schaumlöffel, Vorstandsvorsitzender und Träger der Einrichtung.

Im Gegensatz zu vielen anderen Kunstausstellungen beginnt die Vernissage eher unkonventionell. Neben Ya’ Beppos Leidenschaft zum Malen, ist Singen fester Bestandteil seines Lebens, deswegen möchte er beide Dinge miteinander verbinden. Dafür lädt er zum Start der Ausstellung zum gemeinsamen Singen für jedermann ein. Für Ya’ Beppo besteht zwischen dem einen und dem anderen ein großer Zusammenhang: „Beim Malen komponiere ich mit Tönen, die niemand hört.“ Für die Ausstellungseröffnung erhofft er sich, dass sich an den Liedern so viele wie möglich beteiligen: „Das schönste ist, wenn Leute vorher noch nie in größeren Gruppen gesungen haben und dann erkennbar wird, wie sie im Schutze der anderen Stimmen aufgehen und Spaß an der Sache gewinnen.“

Dass Ya’ Beppo nun mehr als 30 selbst gemalte Bilder ausstellt, war nicht immer selbstverständlich. Zwar hatte er für die Kunst bereits als kleiner Junge ein besonderes Interesse – am liebsten malte er Salamander –, verlor diesen Weg jedoch durch seinen Wunsch, Priester zu werden sowie durch seine anschließende Tätigkeit als Eisenbahner für die Bundesbahn aus den Augen. In 1982 kam dann wohl die schwerste Phase seines Lebens: Ya’ Beppo musste aufgrund von Magenkrebs und einem Adenokarzinom (Lymphdrüsenkrebs) operiert werden und startete eine Chemotherapie in der Universitätsklinik Essen. Sein Leben stand auf der Kippe und Ya’ Beppo beschreibt: „Mein neuer Alltag war von Arztbesuchen und Kuren geprägt, ich habe den Boden unter den Füßen verloren.“ Also brauchte es einen neuen Weg: „Und dann kam die Kunst. Natürlich kann mir das kein Arzt der Welt bestätigen, aber seitdem kehrte die Krankheit nie wieder zurück und ich stand mit zwei Füßen wieder im Leben und hatte enorm viel Freude daran.“

Auf die Frage nach seinen Wünschen und Lebenszielen liefert Ya’ Beppo eine schnelle Antwort: „Jeden Tag Malen, das ist das, was ich will und was mich glücklich macht.“ Er ergänzt: „Früher wusste ich nicht, dass es so ein Künstlerleben überhaupt gibt. Heute möchte ich nichts anderes mehr machen.“

Zur Umsetzung dieses Lebenswegs steht ihm seine Freundin Gisela Gustavus zur Seite. Die beiden lernten sich durch das Singen in der Reha-Klinik im Rahmen seiner Krankheitszeit kennen. Die erste Begegnung der beiden kam zustande, als der heute 73-jährige auf einer Bank saß und ein Lied sang. Seine heutige Lebensgefährtin setzte sich dazu und sang mit. Es schien wie Liebe auf das erste Hinhören und bis heute schwärmt Gisela Gustavus in den aller höchsten Tönen von ihrem Freund: „Jedes mal wenn ich ihn beim Arbeiten beobachte, bin ich erstaunt, wie viel Leidenschaft und Energie dahinter steckt. Beim Malen und Singen ist er voll in seinem Element, dabei unterstütze ich ihn gerne.“

All diese Einflüsse spiegeln sich laut Ya’ Beppo auch in der Ausstellung wieder: „Mittlerweile male ich eher abstrakt, das ist wie eine Therapie für mich.“

Besucher haben bis zum 29. Januar Zeit, die Werke des Künstlers zu sehen. Einige Exemplare sollen nach der Ausstellung zum Verkauf angeboten werden.

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