Moordeicher kandidiert auf SPD-Liste

Neuling in der Politik: Kevin Ansorge will Sprachrohr für die Stuhrer Jugend sein

Kevin Ansorge sitzt vor einem Teich in Stuhr-Moordeich.
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Hält die Zeit für politisches Engagement für gekommen: Kevin Ansorge.

Der 18-jährige Moordeicher Kevin Ansorge kandidiert bei den Kommunalwahlen am 12. September auf der Liste der SPD für den Rat der Gemeinde Stuhr. Er wolle ein Sprachrohr für die Jugend sein, sagt Ansorge. Erst im März war er dem SPD-Ortsverein beigetreten, „weil es gepasst hat“.

Moordeich – Abi 2022, Kommunalpolitik 2021? Theoretisch ist diese außergewöhnliche Abfolge in der Vita von Kevin Ansorge möglich, auch wenn er auf der SPD-Liste für die Kommunalwahlen am 12. September einen der hinteren Plätze erwischt hat. Ansorge ist nicht nur der jüngste Bewerber der Sozialdemokraten, sondern mit seinen 18 Jahren der jüngste Kandidat überhaupt im Rennen um ein Ratsmandat.

Das wirft Fragen auf, zum Beispiel diese: Warum möchte sich jemand in einem Alter in der Kommunalpolitik engagieren, in dem Gleichaltrige lieber feiern gehen? Um das zu verstehen, muss man vier Jahre zurückgehen. Seinerzeit gab ein Zeitungsartikel über Mildred Scheel, Gründerin der Deutschen Krebshilfe, den Anstoß für das politische Interesse Ansorges. 13 oder 14 Jahre alt sei er gewesen, als er über ihren Kampf gegen die heimtückische Krankheit gelesen habe. „So etwas zu bewegen, das hat mich sehr beeindruckt“, erzählt Ansorge. Auch, weil er von einer Halbseitenlähmung betroffen sei.

In dem Artikel sei er auf den Bundespräsidenten Walter Scheel gestoßen und habe begonnen, die deutschen Staatsoberhäupter und Bundeskanzler auswendig zu lernen. Welche Parteien gibt es? Welche Jugendorganisationen? Sein Interesse war nun endgültig geweckt. Doch dann habe er gemerkt: Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt, aktiv zu werden.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt habe er sich auch im Frühjahr wieder gestellt. Diesmal lautete seine Antwort aber: Wenn nicht jetzt, wann dann? „Ich wollte den Einstieg nicht noch einmal verschieben.“ Im März trat er der SPD bei, weil „es gepasst hat. Ich war bei mehreren Sitzungen und habe mit den Vorsitzenden Dennis True gesprochen. Bei der SPD steht das Soziale im Mittelpunkt, da konnte ich mich sofort einbringen.“

Er wolle eine „junge Perspektive“ reinbringen, „ein Sprachrohr für die Jugend“ sein. „Für den Nachwuchs fehlen Aufenthalts- und Freizeitmöglichkeiten. Nicht Bolzplätze oder Sportanlagen. Eher ein Jugendcafé, wo man sich austauschen kann, wo Projekte und Veranstaltungen ins Leben gerufen werden. Auch als Anlaufstelle für Beratungen.“ Vorhandene Jugendtreffs würden sich hauptsächlich an 15- bis 16-Jährige richten.

Der ÖPNV Richtung Bremen und Delmenhorst müsse (noch) bessere Anbindungen bekommen, findet Ansorge. Er wünscht sich mehr Umweltprojekte wie „Stuhr räumt auf“ und einen Ausbau der Radwege.

In der Frage Stadtvilla oder Einfamilienhaus setzt er auf Augenmaß, denn: „Stadtvilla neben Einfamilienhaus passt nicht.“ Er hält es falsch, immer mehr Fläche zu versiegeln, und spricht sich für Lückenbebauung aus. Den ländlichen Charakter Stuhrs wolle er beibehalten. „Damit bin ich groß geworden.“

„Am wichtigsten ist mir das persönliche Gespräch“

Im Rat würde er sich hauptsächlich um die Jugend kümmern, etwa im Schulausschuss oder im Ausschuss für Jugend, Freizeit und Kultur. Vor allem bei Investitionen möchte er wissen, „ob die Jugendlichen das auch wollen“. Er begrüße Anträge von Schülern im Gemeinderat, auch ein Jugendparlament. „Es müssen ja nicht gleich 30 Leute kommen. Wir können klein anfangen und schauen, wie sich das entwickelt.“

Um es wirklich in das Kommunalparlament zu schaffen, „muss die Partei was tun, und ich muss was tun.“ Sich als Politiker zu verkaufen, daran müsse er sich erst noch gewöhnen. Anlässlich der Wahl habe er sich einen Instagram-Account zugelegt, „obwohl ich da eigentlich wenig mache. Am wichtigsten ist mir das persönliche Gespräch, das liegt mir mehr.“

Sein Vorbild ist der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt. „Es hat mich sehr beeindruckt, dass er immer die Ruhe bewahrt hat“, sagt Ansorge. Er finde es wichtig, „seine Linie zu behalten und zu versuchen, das umzusetzen, wofür man in die Partei gegangen ist, auch wenn man dafür einen langen Atem benötigt“. Schmidt sei ihm sogar schon im dritten Schuljahr begegnet. Seinerzeit habe er ein kleines Referat über die Sturmflut in Hamburg gehalten, die Schmidt als Innenminister des Stadtstaates meisterte.

In seiner Freizeit interessiert sich Ansorge für das Sportschießen im Schützenverein Stuhr und für die Landwirtschaft, speziell für Traktoren. Er ist ehrenamtlicher Teamer der Varreler und Stuhrer Konfirmanden.

Von seinen Mitschülern erhalte er eher Respekt und Zuspruch, berichtet Ansorge. Erst kürzlich hätten ihm Freude auf einer Geburtstagsfeier geraten, mehr Werbung für sich zu machen. Sein Opa, glaubt er, wäre sogar stolz auf ihn gewesen. „Man sagt, dass ich mein politisches Interesse von ihm habe.“

Von Andreas Hapke

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