„Da kommt die French Connection“

Eric Guinebert und Julien Jacquot sind als Streetworker in Stuhr unterwegs

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Julien Jacquot (vorne l.) und Eric Guinebert (r.) üben gemeinsam mit dem Kollegen Marcel Kotrc und vier Jugendlichen Lieder für ihr Projekt ein. Über gespendete Musikinstrumente, besonders schön wäre ein Keyboard, würden sich die Streetworker freuen.

Moordeich - Von Andreas Hapke. Wie heißt es doch so schön? Wo die Liebe hinfällt . . . Die Franzosen Eric Guinebert und Julien Jacquot haben ihr Glück in Bremen gefunden. Beide haben sie der Liebe wegen ihr Heimatland verlassen und sind in den Norden gezogen. Heute sind die Sozialpädagogen gemeinsam als Streetworker in der Gemeinde Stuhr unterwegs.

Als ob das nicht schon genug Parallelen wären, hatten Guinebert und Jacquot in Frankreich in demselben Heim für schwer erziehbare Jugendliche gearbeitet. Kennengelernt allerdings hatten sie sich dort nicht. Das ist erst später in der Hansestadt passiert. „Als ich erzählt habe, dass ich zu meiner Freundin ziehe, haben sie im Heim die Hände über den Kopf zusammengeschlagen“, erzählt Jacquot. „Was ist denn da in Bremen los?“, habe es geheißen. Erst da habe er erfahren, dass die Einrichtung mit Guinebert bereits einen Mitarbeiter aus demselben Grund verloren hatte. „Ein Kollege hat mir dann den Facebook-Kontakt von Eric gegeben.“ Dass ihre Frauen beide an der Bremer Uni beschäftigt sind, ist nur eine weitere zufällige Begebenheit.

Manchmal sagen die Jugendlichen bescheid, wo sie sind

Guinebert kam bereits vor fünf Jahren nach Deutschland, seit Anfang April vergangenen Jahres hat er eine Festanstellung als Streetworker in Stuhr. Zuvor hatte er diese Tätigkeit vertretungsweise ausgeübt – so wie es jetzt bei Julien Jacquot der Fall ist.

Gemeinsam suchen die beiden Jugendliche in der ganzen Gemeinde auf; in der Woche nachmittags und am frühen Abend, am Wochenende bis in den späten Abend hinein. „Da sind les Francais“ oder „Da kommt die French Connection“ heißt es, wenn Jacquot und Guinebert auftauchen. Laut Hans Schüler vom Team Jugend gibt es 35 bis 40 Plätze, wo sich der Nachwuchs aufhalten könnte. Manchmal sagen die Jugendlichen aber von sich aus, wo sie sind. „Zum Glück treffen wir immer sehr viele Jugendliche auf der Straße, fast jedes Wochenende sind neue dabei“, sagt Guinebert. Die meisten kämen aus Stuhr.

Lob für die gelungene Integration

Ihre jeweils 30 Wochenstunden teilen sich die beiden nach Bedarf ein. Wenn in den Jugendhäusern viel los ist, helfen sie auch dort aus. Freitagnachmittags trifft man sie grundsätzlich in den Einrichtungen an, zuerst im „No Moor“ in Moordeich, dann im Haus am Wall in Brinkum. „So haben wir bereits zu den Jugendlichen Kontakt. Das ist besser für den Fall, dass wir sie abends auf der Straße wiedersehen. Die meisten kennen uns dann schon“, erklären die beiden. Eine Einzelfallberatung im Büro am Neuen Weg 11 bieten sie ebenfalls an.

Laut Jacquot gibt es diverse Unterschiede in der Sozialarbeit zwischen Frankreich und Deutschland. Die Vernetzung von Schule und Jugendhäusern etwa kenne er aus seinem Heimatland nicht. Klasse findet er, wie die Deutschen die Flüchtlinge willkommen heißen. „Wir treffen viele jugendliche Migranten“, berichtet er. Die Gespräche liefen auf Deutsch, Englisch und Französisch.

Musik als Werkzeug

Bei allen Gemeinsamkeiten überrascht es kaum, dass sich beide Franzosen als Künstler verstehen. Während Guinebert durch seine Atelierarbeit bei der Kunstschule und sein Heiligenroder Graffiti-Projekt bekannt ist, spielt Jacquot Schlagzeug und Gitarre und schreibt Lieder. „Musik ist meine Leidenschaft“, sagt er. „Und mein Werkzeug, um mit Jugendlichen etwas zu bauen.“ Aus Frankreich hat er eine Idee mitgebracht, an der seit drei Wochen im „No Moor“ gefeilt wird. Gemeinsam mit Jugendlichen studieren die Sozialarbeiter dort ein Dutzend Lieder ein, die sie demnächst auf der Straße vortragen wollen. Die Bewohner können sich entweder selbst einen Song aus der Liste auswählen oder ihn jemandem schenken.

Schüler gefällt, wie die Franzosen ihre Kreativität mit den Jugendlichen ausleben. Mehr noch: „Sie sind einfach als Team klasse und ergänzen sich super“, findet er.

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