Corona-Verordnungen

Gastronomen sehen ihre Existenz aufgrund ausbleibender Gäste in Gefahr

Weniger Büfetts.
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Weniger Büfetts: Gaststätten in der Gemeinde bieten derzeit kaum noch große Theken an.

Die Corona-Maßnahmen der Politik belasten mehr und mehr die Gastronomien in der Gemeinde Stuhr. Ausbleibende Gäste, wegbrechende Umsätze und ein kaum planbares Verordnungs-Hickhack sorgen für Verdruss in der Branche. Was die fortlaufende Winterruhe für die Stuhrer Unternehmer bedeutet.

Stuhr – Die fortlaufenden Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern fordern Kollateralschäden in der Gastronomie. Das betrifft auch die Gaststätten und Schnellimbisse in der Gemeinde Stuhr. Erst gestern meldete das Bundesamt für Statistik im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 zehn Prozent weniger sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in der Gastro und 20 Prozent weniger Koch-Azubis. Die Kreiszeitung hat sich in der Branche in Stuhr umgehört.

„Corona macht alles kaputt“, sagt beispielsweise der Betreiber des asiatischen Büfett-Restaurants Dschingis Khan. Wenn er weiterhin keine Miete zahlen könne, wisse er nicht, wie lange er das Geschäft noch halten kann. Es kämen wegen Corona schlicht zu wenig Kunden, beklagt er. Zwischen Dienstag und Donnerstag böte er daher kein Büfett mehr an. Montag sei Ruhetag. Zwar soll am Wochenende wieder die große Theke öffnen, doch wie es danach weitergeht, wisse er nicht.

Ab heute gelte für alle Gäste des Dschingis Khan die 2G-plus-Regel. Bisher konnten die Betreiber wählen. Bei 100-Prozent-Auslastung der Sitzfläche eines Restaurants gelte 2G plus, bei 70 Prozent Auslastung reiche 2G. Für reine Abhol- und Mitnahme-Gaststätten entfalle eine Überprüfung der Gäste.

Zwar können die Leute weiterhin zum Kohlessen kommen, doch ohne Musik und Tanz.

Carsten Meyer, Inhaber des Restaurants Meyerhof-Heiligenrode

Insgesamt seien die Verordnungen eine riesige Belastung, findet auch Thomas Holscher, Inhaber des Mackenstedter Imbiss an der Harpstedter Straße. Bei ihm galt gestern noch die 2G-Regel für Gäste sowie eine Auslastungs-Begrenzung auf 70 Prozent der Speisefläche. Doch das sei im Grunde egal, denn „so viel kommen eh nicht“, sagt der Betreiber und spricht von einem „gewaltigen Schwund an Besuchern“. Ein Büfett biete er schon länger nicht mehr an. Über die Feiertage versuchte er es kurzzeitig wieder – schwierig. Problematisch sei zudem, dass seine Minijobber weg seien. „Die haben sich etwas anderes gesucht“, so Holscher. Ob die wiederkommen würden? Fraglich.

Für die Zukunft wünscht sich der Imbiss-Betreiber, dass die Politik „gute Entscheidungen trifft“ und diese frühzeitig bekannt gibt. Kommt nun verpflichtend die 2G-plus-Regel für alle? Holscher wusste das am Freitagmittag noch nicht. Lediglich, dass die Corona-Verordnung für die Gastronomie am heutigen Samstag angepasst werden soll, sei im Vorfeld angekündigt worden.

Mehr als nötig, das setzt hingegen die Gaststätte Meyerhof-Heiligenrode in Stuhr um. „Wir hätten auch nur 2G machen können, aber das wollten wir nicht“, sagt Gaststätten-Betreiber Carsten Meyer. Für die Sicherheit der Gäste vor dem Coronavirus gelte dort bereits seit den Feiertagen um Weihnachten und Neujahr die 2G-plus-Regel im Haus. Das bedeutet, alle Gäste müssen geimpft oder genesen sein und zusätzlich einen aktuellen und negativen Coronatest vorzeigen. Den Schnelltest gebe es sogar beim Restaurantbesuch. Meyer fährt laut eigener Aussage gut mit dem Prozedere: „Das haben wir groß angekündigt und die Gäste nehmen das auch gut auf.“

Doch auch seine Gaststätte an der Heiligenroder Straße leidet unter den aktuellen Corona-Regeln. „Der ganze Januar ist kaputtgegangen“, sagt er. Allein für den ersten Monat des neuen Jahres rechnet Meyer mit 80 Prozent weniger Einnahmen. Grund sei, dass die Gaststätte keine Tanzveranstaltungen und Kohlfahrten anbieten dürfe. Schweren Herzens hätten er und seine Mitarbeiter auch noch sämtliche Kohlfahrten für den Februar absagen müssen. „Zwar können die Leute weiterhin zum Kohlessen kommen“, stellt Meyer klar, „doch ohne Musik und Tanz“.

Statistikamt: fast ein Viertel weniger Jobs

Deutschlandweit ist derweil fast jeder vierte Job in der Gastronomiebranche während der Pandemie verloren gegangen. Das ergibt sich aus Berechnungen des Statistischen Bundesamtes. Demnach arbeiteten in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres 23,4 Prozent weniger Menschen in der Branche als im gleichen Zeitraum 2019.

Laut Angaben der Dehoga (Deutschen Hotel- und Gaststättenverband) blicken rund 75 Prozent der Verbandsmitglieder in Niedersachsen verhalten bis pessimistisch in die Zukunft. Ein Hauptgrund seien für 80 Prozent die Einschränkungen durch Corona-Verordnungen. Von 769 Unternehmen in Niedersachsen sehen sich laut Selbstauskunft sogar 54,1 Prozent in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht.

Heute soll in Niedersachsen laut Gerüchten eine aktualisierte Corona-Verordnung veröffentlicht werden. Die sogenannte Weihnachtsruhe soll fortan Winterruhe heißen und vorerst bis 5. Februar gelten. Zudem soll eine neue „Hotspot-Regelung“ dazukommen. Das berichtet Tanja Bittaye vom Sekretariat der Hauptgeschäftsstelle der Dehoga in Hannover, jedoch „alles ohne Gewähr“.

Dehoga-Umfrage zu Herausforderungen in der Gastronomie

Die Dehoga (Deutsche Hotel- und Gaststätttenverband) hat im Januar eine Umfrage veröffentlicht, mit welchen Herausforderungen sich Unternehmen im Gastgewerbe konfrontiert sehen (Mehrfachnennung möglich):

80 Prozent: Einschränkungen durch Verordnungen

67 Prozent: keine Veranstaltungen

55 Prozent: fehlende Nachfrage

38 Prozent: keine ausreichenden Hilfen

32 Prozent: Mitarbeiterbindung

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