Wo Kollege Roboter Arbeitsplätze schafft

WS Kunststoff-Service in Stuhr erhält Industrie-4.0-Award

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Bürgermeister Niels Thomsen (von links) und Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier gratulieren Jörg Naffin und Wassim Saeidi zum Industrie-4.0-Award. 

Stuhr - Von Julia Kreykenbohm. Der Mitarbeiter verbindet die beiden Teile des Smart-Tür-Außengriffs und greift in die rote Box mit den Schrauben – da blinkt vor seinem Auge auf: „Falsche Box! Nimm die Grüne!“ Der Mitarbeiter halluziniert nicht etwa, er trägt eine Datenbrille, die seine Arbeitsschritte überwacht und ihn vor Fehlern warnt.

Was für manch einen wie Science Fiction klingt, ist bei WS Kunststoff-Service in Stuhr Arbeitsalltag. Die intelligente Vernetzung von Mensch und Computer fällt unter das Stichwort Industrie 4.0 und wird dort gelebt, wie Geschäftsführer Wassim Saeidi erklärt. Dafür ist das Unternehmen mit dem Industrie-4.0-Award ausgezeichnet worden und steht in einer Reihe mit Firmen wie John Deere, Siemens, Robert Bosch oder Continental.

Nachdem Google einen Bericht über sie veröffentlicht und das ZDF einen Beitrag gedreht hat, hätten sie viel Aufmerksamkeit erfahren und seien angeschrieben worden, ob sie sich nicht für den Preis bewerben wollten. WS Kunststoff füllte den Bogen aus, ein Beratungsteam kam nach Stuhr – und nun steht die Trophäe in dem 40 Mann starken Unternehmen, das seit 2011 in der Gemeinde angesiedelt ist.

Leichtroboter gehen den Mitarbeitern zur Hand

Für Saeidi ist es ein Preis der Wertschätzung nach einem langen Weg, der steinig begann. „In den Unternehmen, in denen ich vorher gearbeitet habe, wurden meine Ideen als ,neumodischer Kram’ nicht angenommen. Darum habe ich mich selbstständig gemacht.“

Neben den Datenbrillen gehen Leichtroboter den Mitarbeitern des Montagebetriebs zur Hand, dessen Aufträge aus dem maritimen Bereich, der Autoindustrie oder dem Handel kommen. Die Umgebung ist komplett vernetzt, jede Station mit Sensoren ausgestattet. Eine Mitarbeiter-App hilft den Arbeitnehmern, ihren Job zu planen, und speichert ihre Daten, was für den Steuerberater eine Erleichterung ist. Und sie meldet, wenn die Leute mal wieder zur Schulung müssten. „Durch Industrie 4.0 machen wir Digitales fühlbar“, so Saeidi.

Lob von der Datenbrille

„Uns ist aber wichtig, dass trotz der modernen Technik, der Mensch mit seinem Potenzial im Mittelpunkt steht und sich wohlfühlt“, betont Jörg Naffin vom Vertrieb. Er soll unterstützt, nicht verdrängt, Arbeitsabläufe sollen optimiert werden. „Entgegen der allgemeinen Befürchtung kann man durch Digitalisierung Arbeitsplätze schaffen. Die Technik ermöglicht es uns, Projekte anzunehmen, für die wir Leute brauchen.“ 

Selbst die Datenbrille ist nicht bloß strenger Überwacher, sondern kann auch mal freundlich loben. „Wenn alle Arbeitsläufe korrekt abgewickelt wurden, gibt's ein lachendes Smiley“, erzählt Saeidi schmunzelnd. Da freue sich schließlich jeder drüber.

„Wer zu eng getaktet ist, kann nicht denken“

Kollege Roboter hat die Aufgabe, die monotone Arbeit zu übernehmen, damit die Menschen mehr Zeit für Kreativität haben, denn „wer zu eng getaktet ist, kann nicht denken. Der funktioniert nur noch“, sagt Naffin. Und die Chefs wollen kreative Mitarbeiter, die Ideen einbringen.

Darüber hinaus bietet WS Kunststoff auch Beratungen für andere Unternehmen an und schulen sie in der Industrie 4.0.

Um die Vielfältigkeit des Unternehmens zu betonen, soll 2018 auch der Name geändert werden. Dann wird aus WS Kunststoff WS System. „Es ist bemerkenswert, dass der Mensch trotz all der technischen Möglichkeiten im Fokus bleibt“, sagt Stuhrs Bürgermeister Niels Thomsen, der mit Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier vorbeischaut, um Glückwünsche, eine Flasche Sekt und die Flagge der Gemeinde zu überbringen. Damit jeder weiß: Was hier geschaffen wird, ist „made in Stuhr“.

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