Stipendiat David Schomberg stellt ab 13. Mai in der Künstlerstätte Heiligenrode aus

Vom Kochlöffel über die Teekanne bis zum Bettbezug

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Blick in eine Ecke des Ateliers, das David Schomberg mit seinen Werken erobert hat. Der Künstler wollte nicht auf das Foto. Er wende sich damit „gegen den Voyeurismus in der Gesellschaft, den ich nicht vertrete“. Der Kontakt über seine Kunst reiche ihm. 

Stuhr - Von Andreas Hapke. David Schomberg ist ein Naturbursche. „Ich habe einen Hang zum Öko-Fuzzi“, sagt er über sich selbst. Insofern hätte er kaum ein besseres Umfeld für sein Stipendium erwischen können als die Idylle der Künstlerstätte Heiligenberg. Die Ergebnisse seines Schaffens sind dort ab Sonnabend, 13. Mai, unter dem Titel „Altes Geläut“ zu sehen. Die Vernissage beginnt um 15 Uhr.

„Natur ist der Ursprung von Gestalten. Sie ist mir wichtig, und hier ist sie besonders schön“, sagt Schomberg. So schön, dass sie auf verschiedene Art und Weise Eingang in seine Kunst gefunden hat. Der 29-Jährige hat zum Beispiel einen zusammenklappbaren Stuhl aus Heiligenroder Eichenholz geschaffen und einen Kochlöffel aus Buchenholz geschnitzt. Seinem dreijährigen Sohn hat er eine Laterne für den Heiligenroder St.-Martins-Lauf gebastelt. Das ist eine Menge Identifikation für jemanden, der nur einen überschaubaren Zeitraum an einem Ort verbringt.

Bald zehn Monate hat der in Verl bei Bielefeld aufgewachsene Künstler inzwischen als Stipendiat der Gemeinde Stuhr verbracht. In dieser Zeit sei einiges passiert, sagt Schomberg. Er habe gemalt und gebaut – im Wesentlichen, um sich einzurichten und sich den Raum, das Atelier, anzueignen. „Wie kann man hier leben? Was braucht man?“ Diese Fragen standen laut Schomberg im Mittelpunkt. Lösungen für eigene Probleme finden, so beschreibt er seine generelle Herangehensweise.

Kleine Kunst entsteht zwischendurch

Wer sich im Atelier umschaut, sieht hier ein Regal, dort eine Teekanne. In einer Ecke des Raums hat Schomberg aneinander geklebte Din-A-3-Bögen mit Symbolen aufgehängt. Der Künstler spricht von „Schlenkern. Die mache ich zwischendurch, als Übung für die Hand, um locker zu werden und Formen auszuprobieren“.

Sogar Bettzeug hat der Stipendiat entworfen, Sonne und Regen sind darauf abgebildet. Die Natur taucht also nicht nur als Material auf, sondern auch als Motiv. Der Stoff belegt zudem, dass sich Schomberg in der Art seiner Kunst keine Grenzen setzt, auch wenn er sich im Kern als Maler sieht. „Das wurde mir mal so gesagt, und das kann ich akzeptieren.“ Seinen Bildern sieht man allerdings an, dass er dafür nicht allzu lange vor der Leinwand stand. Wer zuviel Zeit vor einem Bild verbringe, „verdenke“ sich, erklärt Schomberg, der sich gegen den achtlosen Konsum wendet. Wenn er aber einen Tisch für draußen mit dem Holz eines alten Bootes zimmert, ist nicht etwa Kritik Triebfeder seines Schaffens. „Ich gehe von der positiven Seite an meine Werke heran“, sagt er.

Der Künstler kommt aus einer kreativen Familie. Sein Opa habe „geschnitzt und gewerkelt“, seine Mutter fotografiert, und auch seine Schwester sei Künstlerin. Deshalb haben nicht nur seine Werke den Raum erobert. Eine Holzschatulle mit ausgeklügeltem Verschluss seines Opas und ein Bild seiner Schwester sind dort ebenfalls präsent.

Schomberg ist dankbar für die Möglichkeiten, die ihm das Stipendium geboten hat und noch bietet. „Ich habe Zeit, Geld und Raum. Also alles, was ein Künstler benötigt“, sagt er. Im Anschluss an seine Zeit in Heiligenrode möchte er in Hannover ein Künstlerkollektiv gründen. „Einen Verein mit Leuten, die ihr Studium beendet haben oder es gerade beenden.“

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