27. Oldtimerschau in der Brinkumer „City“ großer Erfolg / E-Mobilität „alter Hut“

Knutschkugeln, Brezelfenster und Leukoplastbomber

Lothar Meyer aus Melchiorshausen mit seinem Adler Trumph Junior Cabrio mit Buhne-Karosserie, Baujahr 1936. - Fotos: Jantje Ehlers

Brinkum - Von Heiner Büntemeyer. Schon lange vor dem offiziellen Beginn der 27. Norddeutschen Oldtimerschau am Sonntagmorgen hatten zahlreiche Besitzer ihre chromblitzenden Schätze am Straßenrand und auf Parkplätzen in der Brinkumer „City“ abgestellt. Auch die Zahl der Besucher, die bei herrlichem Wetter an den Oldtimern entlangschlenderten, näherte sich neuen Höchstmarken.

Chef-Organisator Peter Bruns strahlte. Er hatte jahrelang im Organisationsteam mitgearbeitet und leitete in diesem Jahr erstmals die Schau. Er hatte sich dafür eingesetzt, die Ausstellung wieder in den Ortskern zu holen und sah sich bestätigt.

Erstmals kooperierte die veranstaltende Brinkumer Interessengemeinschaft (Big) mit dem Energieversorger Avacon, der in einer Sonderschau über „Geschichte und Zukunft der Elektromobilität“ informierte. Dabei ergaben sich sehr interessante Überschneidungen. So war einer der ältesten Oldtimer der Schau, ein 11 PS starker „Bergmann“, ein Elektrofahrzeug der ehemaligen „Reichspost“. Die Besucher erfuhren, dass der Elektroantrieb keine Erfindung der Neuzeit ist, sondern in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg sehr verbreitet gewesen war, als das Benzin noch in Apotheken gekauft und die Motoren mühsam angekurbelt werden mussten. Der Fahrer eines E-Autos hate damals nur einen Schalter umzulegen brauchen.

Avacon-Kommunalreferent Hermann Karnebogen und Anett Johanson informierten außerdem über die Förderung, die der Stromversorger beim Kauf eines E-Fahrzeugs gewährt. Auch unabhängig von der kürzlich beschlossenen Förderung durch die Bundesregierung schießt die Avacon 2020 Euro für jedes E-Auto dazu, wenn der Halter über eine eigene Fotovoltaikanlage verfügt.

Autohäuser aus Weyhe und Stuhr zeigten entlang der Bassumer Straße zahlreiche E-Modelle und informierten über technische Details und Finanzierungsmöglichkeiten.

Im Mittelpunkt standen jedoch die Oldtimer, die Bürgermeister Niels Thomsen bei der offiziellen Eröffnung als „optische Erinnerungen“ bezeichnete. Er dankte Peter Bruns und dem Orgateam für die Vorbereitung der Ausstellung und wünschte den Teilnehmern interessante „Bezingespräche“.

Diese ergaben sich sofort, wenn man mit den Oldtimerbesitzern ins Gespräch kam, denn an vielen dieser betagten Relikte aus den Anfangsjahren der Automobilität hängen individuelle persönliche Erinnerungen. Stefanie Sütterlins erstes Auto war eine rote „Ente“, Carsten Pätzold hatte den Goliath GV 800 A mit Pritsche aus dem Jahr 1952 gleich nach seiner Ausbildung restauriert, wobei das „V“ im Namen für „vier Räder“ steht. Denn bis dahin waren drei Räder das charakteristische Markenzeichen der Bremer Goliaths gewesen.

Ein Fahrer versuchte vorsichtig seinen DKW 1000 „de luxe“ in eine Parknische zu steuern. „Um den zu fahren, braucht man Abi“, schimpfte er über den „Saxomat“, der zwar die Kupplung ersetzt, aber viel Geschick bei der Gasdosierung verlangt.

Heike und Uwe Haferkamp waren mit dem „Sambabus“, einem gepflegten VW T1 vorgefahren, und Wolfgang Weyand präsentierte seinen „Morgan-Three-Wheeler“ mit außen liegendem Motor. Der Platz würde nicht reichen, um die zahlreichen interessanten Modelle aufzuzählen, die am Sonntag präsentiert wurden. Einige wie der Ford mit dem „Offenhaus“-Motor, dessen Tür noch durch ein Bügelschloss gesichert wird, oder der Citroën 11 CV-Traction-Avant, der an alte Schwarz-Weiß-Filme mit Jean Gabin und Alain Delon erinnerte, waren immer wieder Objekt der fotografischen Begierde der Fans.

27. Oldtimerschau der Brinkumer IG

Sie standen neben dem prolligen Cadillac „Sedan de Ville“ mit Heckflosse, 8-Zylinder-Motor mit sechs Litern Hubraum und 365 PS, der kleinen BMW-Isetta-„Knutschkugel“, dem Lloyd-Alexander-„Leukoplastbomber“, dem Opel Olympia und sehr vielen liebevoll gepflegten Käfern mit und ohne Brezelfenster. Der angekündigte ehemalige Dienstwagen von Bürgermeister Wilhelm Kaisen hatte den Weg bis Brinkum leider nicht geschafft. Stattdessen wurden die Besucher beim Big-Info-Stand von einem zeitlos schönen Mercedes A 220-Cabrio aus dem Jahr 1954 begrüßt.

Begleitet wurde die Schau durch einen Flohmarkt, Kinderbelustigungen, verkaufsoffenen Geschäften, Imbiss- und Getränkebuden und viel Live-Musik.

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