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Klosterbach in Stuhr: Hochwasserschutz stockt seit mehr als 20 Jahren

Ein idyllischer Flusslauf unter einer hölzernen Brücke.
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Der Klosterbach in Stuhr ist 1998 über die Ufer getreten und hat für erhebliche Überschwemmungen in Wohngebieten gesorgt. Infolgedessen hat sich eine Interessengemeinschaft gegründet, die sich seitdem für den Hochwasserschutz in der Region einsetzt.

Stuhr – Klosterbach? Hochwasserschutz? Da war doch was. Seit Ende vergangenen Jahres ist es still geworden um das geplante Bauvorhaben am Flusslauf zwischen Bassum-Neuenkirchen und Bremen-Strom, der ab Stuhr Varreler Bäke heißt. Wieder einmal, muss man dazu sagen. Seitdem der Klosterbach 1998 bei einem Hochwasser über die Ufer getreten ist und unter anderem in Stuhr zahlreiche Grundstücke unter Wasser gesetzt hat, gibt es Bemühungen, den Fluss wetterfest zu machen – bislang allerdings ausschließlich auf dem Papier.

„Da hat sich leider eigentlich gar nichts getan“, sagt Joachim Döpkens. Er hat damals, kurz nach dem verheerenden Wolkenbruch, mit einigen anderen Betroffenen die Interessengemeinschaft Hochwasserschutz in Stuhr gegründet. Seit über 20 Jahren begleitet er nun schon die theoretischen Arbeiten am Klosterbach – jetzt scheint der Vereinsvorsitzende jedoch kurz selbst den Überblick verloren zu haben. Er glaube, aktuell hake es am Erörterungstermin zur Fertigstellung des Planfeststellungsbeschlusses – Corona mache Treffen eben unmöglich. „Das kann man wirklich niemandem in die Schuhe schieben.“

Matthias Stöver zeigt sich am Telefon selbst ziemlich betroffen von den Verzögerungen durch Corona. Er ist Geschäftsführer des federführenden Ochtumverbands – und er bestätigt Döpkens Kenntnisstand über den Fortschritt des Hochwasserschutz-Projekts.

In den vergangenen Monaten habe sein Verband rund 60 Einwände und Fragen von Anwohnern bearbeitet. Diese seien – meist zur Zufriedenheit der Personen – in die Planungsunterlagen eingeflossen, so Stöver. Jetzt liege das überarbeitete Papier wieder beim Landkreis als Planfeststellungsbehörde, der – so will es das Gesetz – die Einwender bei einem Erörterungstermin nochmal um ihre Einschätzung bitten muss. Und genau daran hakt es jetzt.

Denn einen genauen Erörterungstermin für das Planfeststellungsverfahren gebe es nach Auskunft des Landkreises Diepholz noch nicht. „In diese Richtung ist noch nichts terminiert“, sagt Dieter Schmidt, Fachdienstleiter Umwelt und Straße stellvertretend für die Untere Wasserbehörde des Landkreises auf Nachfrage. „Wir sind auf einem guten Weg, aber noch ist nichts spruchreif“, ergänzt er.

Währenddessen legt der Ochtumverband allerdings nicht die Füße hoch. Wer Deiche vergrößern und Flussläufe erweitern will, der braucht auch Grundstücke dafür. Per Vertrag hat der Ochtumverband die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) in Verden mit dem Grunderwerb beauftragt – 14 Hektar habe diese bereits in der Tasche, berichtet der Geschäftsführer. Ein Großteil davon direkt am Klosterbach, der Rest etwas abseits als mögliche Tauschfläche.

Jetzt fehlt also nur noch der Beschluss und los rollen die Bagger, oder? Zu früh gefreut. Das Wichtigste fehlt noch: Geld. Ganze 1,3 Millionen Euro habe die Gemeinde Stuhr schon für den Grunderwerb vorgeschossen, so Stöver. Der Hochwasserschutz koste jedoch laut den aktuellsten Planunterlagen (ohne Berücksichtigung der zurzeit stark steigenden Baustoff-Preise) rund 16 Millionen Euro. Diese Lücke soll vor allem das Land Niedersachsen füllen. Über die Förderrichtlinie Hochwasserschutz im Binnenland könne man 70 bis 80 Prozent der Kosten für das Vorhaben decken, so Stöver – auch rückwirkend. Die Gemeinde Stuhr bekommt ihren Vorschuss also wieder.

Wenn das Geld schließlich da ist, kann es losgehen. Das Planungsbüro Ingenieur-Dienst-Nord aus Oyten beschäftigt sich bereits damit, wie man Deiche und Flussläufe besser gegen Hochwasserlagen absichern kann.

Währenddessen denkt der Ochtumverband schon in die Zukunft – und versucht sich an der Quadratur des Kreises. Als „sehr differenziert“ bezeichnet der Chef des Verbands die Folgen des Klimawandels. Auf der einen Seite: heftiger Starkregen. Auf der anderen Seite: wochenlange Dürren. Die Deiche sollen den Wassermassen standhalten, gleichzeitig soll das kostbare Nass nicht gleich in die Nordsee abfließen, sondern für Trockenperioden in der Region bleiben.

Um komplexen Herausforderungen wie diesen zu begegnen, hat sich der Ochtumverband mit den Anrainern des Klosterbachs in einer Hochwasserpartnerschaft zusammengetan – Stöver nennt sie eine „Solidargemeinschaft für Gewässer“. Mit an Bord, in Fließrichtung: Neuenkirchen, Bassum, Kirchseelte, Stuhr, Delmenhorst und der Bremische Deichverband am linken Weserufer.

Während in Delmenhorst laut Stöver bereits nennenswerte Deiche vorhandenen seien, die bei Bedarf nur vergrößert werden müssten, sehe die Lage im Raum Stuhr derzeit noch anders aus. Für die Gemeinde steht vor allem ein Punkt auf der To-do-Liste des Ochtumverbands: Siedlungshochwasserschutz – damit Joachim Döpkens und seine Mitstreiter nicht bald schon wieder „Land unter“ melden müssen.

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