Klimawandel auf dem Friedhof

Mehr Sonne bedeutet viel gießen und Hitze mit Regen mehr schneiden

Obergärtner Michael Hoyer.
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Obergärtner Michael Hoyer präsentiert ein winterfestes Mustergrab samt Cotoneaster (Rote Beeren), Ilex Crenata (gelbgrün) und japanischer Azalee (dunkelgrün).

Auch Friedhofsgärtner müssen ihre Arbeit an das sich wandelnde Klima anpassen. Was es da so alles zu beachten gibt, berichtet Obergärtner Michael Hoyer.

Stuhr-Moordeich – Das sich verändernde Klima macht auch vor der Totenruhe keinen Halt. Michael Hoyer ist seit rund 30 Jahren bei der Friedhofsgärtnerei Winter angestellt. Der Chef kennt die Wetterbedingungen und muss sich von Jahr zu Jahr auf die wechselnden Umwelteinflüsse einstellen.

Der Obergärtner leitet das Friedhofsteam in Stuhr-Moordeich mit drei weiteren Mitarbeitern. Angestellt sind die Grabpfleger beim Unternehmen Winter, das im Jahr 1878 in Bremen-Walle gegründet wurde und sich in vierter Familien-Generation befindet. Die fünfte bereite sich derweil auf die Unternehmensführung vor, berichtet Hoyer.

Zu den Aufgaben der Friedhofsgärtnerei gehört unter anderem, Grabanlagen mit Kunden zu planen, zu bepflanzen und anschließend zu pflegen. Doch die Arbeit im Freien richte sich grundsätzlich nach dem Wetter. Und genau das schwankte in den vergangenen Jahren enorm.

„Wir können noch das gleiche pflanzen wie vor 10 oder 20 Jahren, aber man merkt schon, dass sich die Pflegearbeit verändert“, sagt Hoyer. In diesem Jahr habe es vergleichsweise viel geregnet, erzählt er. So mussten er und sein Team die Gräber während der gesamten Saison lediglich drei Mal bewässern. Die drei trockenen Jahre davor sah das völlig anders aus. Da mussten sie die Gräber-Bepflanzung in den Sommermonaten dreimal pro Woche wässern.

Die enorme Trockenheit hatte jedoch sogar einen Vorteil. Hoyer und seine Mannschaft mussten weniger oft die Bodendecker, also tief wachsende Pflanzen, verschneiden. In diesem Jahr war es andersrum: Mit dem Verschnitt kamen sie kaum hinterher, weil das Wetter so warm und feucht war.

Hoyer selbst liebt die Friedhofsgärtnerei. Das sei ein Zwischending zwischen Florist, Gärtner und Pflanzen. Auf die einjährige Grundschulung, in der unter anderem die Funktion der Osmose und die Fotosynthese bei unterschiedlichen Pflanzen erklärt werden, folge je eine Sparten-Spezialisierung.

Wichtig sei dabei die Beschaffenheit der Böden. Für manche Wünsche müssten in Grabanlagen teilweise ganz andere Erden eingebracht werden, damit die favorisierte Grabbepflanzung auch anwachse. Bei anderen Böden wiederum müsse Kalk gestreut werden, um den pH-Gehalt (lat.: pondus hydrogenii/Potenzial des Wasserstoffs) im Boden zu reduzieren. Dieser bestimmt den Säuregehalt, und der ist entscheidend für manche Vegetation.

Bei all der körperlichen Gartenarbeit seien der Einzug und der Fortschritt bei der Technik entlastende Hilfen. Hoyer und sein Team setzen beispielsweise auf Akku statt Benziner. So werden die Rückenblas-Geräte, so heißen industrielle Laubbläser, mittlerweile mit Strom angetrieben. Ein austauschbarer Akku versorgt auch die automatische Heckenschere mit Energie.

Michael Hoyer erinnert sich an Zeiten, als die Gräberpflege noch ganz anders war. Als er vor rund 37 Jahren – damals mit 17 Jahren – seine Lehre als Gärtner begann, bedeutet die Handarbeit mit der Heckenschere noch echte Knochenarbeit. „Damals haben wir stundenlang gebückt die Bodendecker mit der Handschere verschnitten“, sagt Hoyer. Mit der modernen Akku-Heckenschere hingegen, die heute rund zwei Stunden Strom liefert, „kann ein Profi richtig Masse schneiden“, sagt Hoyer.

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