Klassischer Tanz Bharata Natyam im MGH

Klein-Indien in Brinkum

Sri Ranjani Gunaratnam erzeugt mit kleinen Zimbeln, sogenannten Tala, einen hellklingenden Rhythmus – der Takt zu dem ihre Schülerin Petra Sindermann die Grundschritte des klassischen indischen Tanzes Bharata Natyam ausführt. Foto: Luka Spahr
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Sri Ranjani Gunaratnam erzeugt mit kleinen Zimbeln, sogenannten Tala, einen hellklingenden Rhythmus – der Takt zu dem ihre Schülerin Petra Sindermann die Grundschritte des klassischen indischen Tanzes Bharata Natyam ausführt.

Brinkum - Mit 14 Jahren packte Sri Ranjani Gunaratnam ihre Sachen, verließ das elterliche Haus und ging nach Indien, um das Tanzen zu lernen. Fünf Jahre Tanzstudium später zog sie zurück in ihre Heimat Sri Lanka. Heute wohnt Gunaratnam in Bremen.

Obwohl ihr Alter und ihre Krankheit das Tanzen nicht mehr zulassen, gibt sie ihr Wissen an zahlreiche Schüler weiter – ohne Geld dafür zu verlangen. Sri Ranjani Gunaratnam geht es darum, ihre große Leidenschaft an die nächste Generation weiterzugeben.

Geblieben ist der 65-Jährigen heute allerdings nur noch eine Schülerin. Petra Sindermann, 41 Jahre alt, Oldenburgerin, lernte Gunaratnam 2011 kennen. Die beiden vereinte damals ihr Hobby. Während Sindermann seit vielen Jahren orientalische Tänze einstudiert und auch selber einige Schüler hat, tanzte Gunaratnam mit dem klassischen indischen Tanz Bharata Natyam einen Stil, den Sindermann bisher nicht kannte. Petra Sindermann, damals noch eine Lilienthalerin, wurde daraufhin Gunaratnams Schülerin – wie viele andere aus der Region ebenfalls.

Dann, vor etwa eineinhalb Jahren, gab es einen großen Einschnitt in der kleinen Tanzschule. Die Allgemeine Berufsbildende Schule in Kattenturm benötigte die Räume selber und kündigte sie den Tänzerinnen und Tänzern. Seitdem ist nicht viel passiert. Traditionelle Tanzgewänder verstaubten in Schränken, ehemals Tanz-Interessiere widmeten sich anderen Hobbys.

Jetzt steht ein Neuanfang an. Im Mehrgenerationenhaus Brinkum haben Gunaratnam und ihre einzig verbliebene Schülerin ein neues Zuhause gefunden. Jeden ersten und dritten Samstag im Monat soll sich die Backstube des Hauses in ein indisches Tanz-Parkett verwandeln.

Rumms, Kling-Kling-Kling, Rumms schallt es durch den Flur bis in die Kita Löffelchen im Obergeschoss. Während Sri Ranjani Gunaratnam mit mal ernstem mal freudestrahlendem Gesichtsausdruck indische Mantras wiederholt, tönen abwechselnd ein helles Klingen und ein lautes Fußstapfen durch die Backstube. Mit kleinen Zimbeln, traditionellen Beckeninstrumenten, erzeugt die Tanzlehrerin den Takt, der ihrer Schülerin als Rhythmus für die Grundschritte dient.

Petra Sindermann winkelt die Beine an, streckt die Arme aus – Anspannung bis in die kleinsten Fingerspitzen. Das ist anstrengend. Nach rund einer Minute stoppt das Kling und das letzte Rumms ertönt. Sindermann ist schon alleine von der kurzen Demonstration erschöpft.

Während die orientalischen Tänze sehr weich seien, sei der Tempeltanz Bharata Natyam sehr schnell und kräftig. Es sei schon ein „sehr hoher Anspruch“ bei dem viel Konzentration erforderlich sei, so Sindermann. Dann gesteht sie lachend: „Das kann man auch lebenslang lernen.“

Sri Ranjani Gunaratnam steht lächelnd daneben und strahlt eine beinahe unerschütterliche Ruhe aus. Sie wirkt zufrieden mit Sindermanns kleiner Kostprobe.

Anders als Gunaratnam hat Sindermann keine Prüfung in dem klassischen Tanz abgelegt. Für sie sei es ein Hobby, berichtet die Oldenburgerin. Sie hofft, dass die Tanzgruppe wieder größer wird und wächst. Ob groß, ob klein, ob jung ob alt, ob Mann ob Frau, ob erfahren oder unerfahren – jeder sei willkommen, so die Tänzerinnen.

Vielleicht hilft eine kleine Analogie, um die Zurückhaltung beim indischen Tanz zu überwinden: Es ist im Grunde wie Ballett. Mit Bollywood hat der Tanz wenig zu tun.

Tanz-Kurse

Ab dem 7. September jeden ersten und dritten Samstag im Monat von 16 bis 18 Uhr in der Backstube des MGH. Keine Kosten, keine Anmeldung erforderlich.

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