Zentrum mit Weltraumstation

Kita-Kids planen den Stuhrer Ortskern: Modell des Moordeicher St.-Paulus-Kindergartens

Kita-Kinder mit Leiterin Juliane Gehlmann (l.) und Bürgermeister Stephan Korte (hinten r.) stehen um ein Modell des Stuhrer Ortkerns herum.
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Im Ratssaal unterbreiten die Kita-Kinder mit Leiterin Juliane Gehlmann (l.) ihre Vorstellungen für den Stuhrer Ortskern. Bürgermeister Stephan Korte (hinten r.) hört aufmerksam zu.

Der Ortskern Stuhr bekommt ein Mega-Haus, in dem alles erlaubt ist und eine Weltraumstation. Diese und weitere Ideen haben die Schukis des St.-Paulus-Kindergartens in Moordeich im Stuhrer Rathaus als Modell vorgestellt.

Stuhr – Beim Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (Isek) für den Stuhrer Ortskern wird Bürgerbeteiligung großgeschrieben. Das ist auch beim katholischen Kindergarten der St.-Paulus-Gemeinde in Moordeich angekommen. Dessen Schuki-Gruppe – allesamt Sprösslinge, die nach den Sommerferien die Grundschule besuchen – hat so ihre eigenen Vorstellungen davon, wie der Ortskern Stuhr künftig auszusehen hat. Das entsprechende Modell hat der Nachwuchs am Mittwochvormittag im Ratssaal präsentiert.

Die Schukis sind ein Teil der Sonnengruppe, deren Jahresthema diesmal „Wie leben wir hier in Stuhr?“ lautete. „Und wo bekommt man Informationen dazu?“, fragte die Kita-Leiterin Juliane Gehlmann und lieferte die Antwort gleich hinterher: „Natürlich im Rathaus.“ Bei der Durchsicht einer dort erhaltenen Broschüre stellten die Beteiligten fest: Es gibt zwar verschiedene Angebote für kleine Bewohner. Doch der Ansatz „Von Kindern für Kinder“ kommt bislang nicht vor. Also haben die Moordeicher Schukis das in fünf Kleingruppen selbst in die Hand genommen.

Eines steht fest: Sollten ihre Ideen mit in die Planungen einfließen, dann legt das Zentrum mächtig an Aufenthaltsqualität zu, wenn auch hauptsächlich für die ganz kleinen Stuhrer.

Der sechsjährige Luca etwa hat ein Mega-Haus gebaut, „in dem man alles machen kann, was man will“. Wo gebastelt und gemalt werden kann, wann immer man dazu und womit man Lust hat. Das Ganze in Gesellschaft von Dinosauriern und in der Nähe einer Weltraumstation mit Rakete.

Jacob und Matti, fünf und sechs Jahre alt, wünschen sich ein Heuhotel. Möglicherweise hängt das mit der coronabedingt ausgefallenen Übernachtung im Heuhotel in Engeln (Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen) zusammen. „Wir haben festgestellt, dass es in ganz Stuhr kein Heuhotel gibt“, sagte Gehlmann. Der Betrieb eines Bauernhofs mit echtem Fendt-Trecker gehört ebenfalls zum Konzept von Jacob und Matti. Dokumentiert ist das mit vielen Fotos, die Matti auf dem Hof von Landwirt Lars Nordbruch geschossen hat.

Die Dokumentation der Vorschläge zählte zu den Aufgaben der Kinder im Homeschooling.

Für Sophia und Sophie (beide 6) würde ein Mitmach-Zirkus die Attraktivität des Stuhrer Ortskerns steigern. „Sophia hat zu Hause schon Akrobatik und Zauberei geübt“, sagte Gehlmann.

Eine Pferdekoppel mit Hindernissen darf ebenso wenig fehlen wie ein Abenteuerspielplatz, den die Sprösslinge dem Spielplatz am Königshof in Moordeich nachempfunden haben. Während es das riesige Piratenschiff auch dort gibt, träumen die Kinder im Stuhrer Ortskern zusätzlich von einem Matschspielplatz mit viel Wasser und von einer großen Kugelbahn.

Cedric (6) möchte nicht auf eine Dauerbaustelle mit großen Baufahrzeugen verzichten – „wo Kinder einen Baggerführerschein unter Anleitung von Erwachsenen machen können“, wie Gehlmann erklärte.

„Baustellen werden wir hier in den nächsten Jahren genug haben“, sagte Bürgermeister Stephan Korte. Doch auch sonst erkannte er „viel Übereinstimmung“ zwischen den Vorstellungen der Kinder und denen der Stadtplaner. „Ich finde auch, dass hier viel mehr los sein müsste.“ Zuerst müssten die vielen Parkplätze im Umkreis des Rathauses weg, um Raum für die Vorhaben zu schaffen. Das Feuerwehrhaus, dessen Abriss im Gespräch ist, würde er gerne behalten, „weil man da viele Dinge veranstalten kann“. Warum nicht ein Mega-Haus oder ein Heuhotel dort entstehen lassen? Insgesamt sah der Bürgermeister „super Ideen“ und zeigte sich begeistert darüber, „mit wie viel Mühe und Akribie“ die Kinder zu Werke gegangen waren.

Wie viel Arbeit wirklich hinter dem Projekt steckte, verdeutlichte Leiterin Gehlmann: Die Sprösslinge hätten wie die großen Schulkinder im Homeschooling gearbeitet. „Jeden Donnerstag haben sie Post mit ihren Aufgaben bekommen und ihre Arbeiten zurückgeschickt.“ Sie sei ein analoger Mensch, weshalb die Umsetzung nicht digital erfolgt sei.

Begleitet hat das Projekt die frischgebackene Abiturientin der KGS Brinkum und künftige Kunststudentin (Lehramt) Angelina Beckmann, die auch ein Praktikum in der Kita gemacht hatte. Sie gestaltet zurzeit ein Comic über das Kindergartenjahr der Schukis und möchte es ihnen zum Abschied schenken.

Vom Projekt möchte Abiturientin Angelina Beckmann einen Comic gestalten und es den Kindern schenken.

„Total klasse“ findet Stadtplanerin Ayse Gül Önder das Engagement der Einrichtung. „Ganz sensationell, dass die Kita von sich aus darauf kommt. Mit Isek haben wir die Möglichkeit, das aufzunehmen.“ Sie verweist auf die geplante Liste von Maßnahmen, in die bereits „neue Spiel- und Bewegungsangebote für unterschiedliche Altersgruppen vom Kleinkind über das Kind bis hin zum Jugendlichen“ auftauchen. Ob die auch einen Mitmach-Zirkus, ein Heuhotel oder ein Mega-Haus beinhaltet, wird man sehen.

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