Kieselsteine und Luftballons

Heiligenroder Kindergarten: Hannelore Bölts geht in die passive  Altersteilzeit

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Hannelore Bölts inmitten ihrer Schmetterlingsgruppe. Mit auf dem Bild: ihre Nachfolgerin Michaela Schrader (hinten, 2.v.l.) und die bisherige Kollegin Sonja Röpke (hinten, l.). 

Heiligenrode - Von Andreas Hapke. Einen grandiosen Abschied haben die Sprösslinge des Heiligenroder Kindergartens gestern Vormittag „ihrer“ Hannelore bereitet, die nach fast 45 Jahren als Erzieherin in die passive Phase der Altersteilzeit wechselt. Während des Stücks „Ich schenk’ dir einen Regenbogen“ etwa erhielt Hannelore Bölts allerlei Geschenke. Von der liebevoll gebastelten Wolke über Kieselsteine und Luftballons bis hin zum selbst gebackenen Kuchen war alles dabei, was das Lied hergibt.

Zuvor hatte ihre Schmetterlingsgruppe bereits ein Buch überreicht. Da müsse ihr Mann wohl mit einem Transporter vorbeikommen, unkte eine Kollegin. Abends stand noch die Feier im Rathaus an, für die Kiga-Leiterin Irene Barowski ein weiteres Präsent ankündigte.

So wird Hannelore Bölts ihren Ruhestand reichlich beschenkt und mit vielen Erinnerungen antreten. Erinnerungen auch an Zeiten, in denen sie bereits die Eltern vieler aktueller Sprösslinge betreut hatte. „Gott sei Dank noch nicht die Omas, denn dann wäre ich wirklich alt“, sagt die 62-Jährige und lacht.

Seit 1973 im Dienst

Ihren Dienst als Kinderpflegerin hat Hannelore Bölts zeitgleich mit der Eröffnung der Heiligenroder Einrichtung im Jahr 1973 begonnen, damals als Praktikantin und mit 20 statt mit 25 Kindern pro Gruppe. „Frau Bölts kennt die Anfänge des Kindergartens als reine Halbtagseinrichtung noch“, heißt es in einer Mitteilung der Gemeinde. Sie habe aber auch Zeiten erlebt, sagt Bölts, „da hatten wir drei Nachmittagsgruppen“, also zwei mehr als heute. „Wir hatten so viel Personal, dass wir Mitarbeiterbesprechungen im Müllerwohnhaus abgehalten haben. Der Kiga in Groß Mackenstedt musste auch gebaut werden, weil wir voll waren. Das Einzugsgebiet war einfach zu groß.“

Mit 16 Jahren habe sie sich nicht vorstellen können, ihr gesamtes Arbeitsleben in Heiligenrode zu verbringen. Heute ist sie froh, dass es so gekommen ist. „Das Schönste an dem Kiga ist, dass wir mitten in der Natur sind“, sagt sie. Es sei immer ihr Anliegen gewesen, „den Kindern zu zeigen, was Natur ist, und ihnen den Kontakt dazu zu ermöglichen“. Mit ihr haben schon frühere Generationen jeden Käfer kennengelernt und die Baumrinden befühlt.

„Kinder brauchen heute mehr Bewegung“

Nicht ein Mal habe sie in einer anderen Kita aushelfen müssen – aus heutiger Sicht ein Luxus. Ihre einzige Auszeit geht auf die Geburt ihres Sohnes im Jahr 1982 zurück. Zweieinhalb Jahre später stieg sie als Betreuerin eines Spielkreises wieder ein.

Nicht nur die Strukturen der Betreuung, sondern der Nachwuchs selbst hat sich laut Hannelore Bölts verändert: „Kinder brauchen heute mehr Bewegung, mehr Platz, mehr Aufmerksamkeit. Das hängt auch damit zusammen, dass oft beide Eltern berufstätig sind.“ Ihr sei es immer sehr wichtig gewesen, genau hinzuhören, was die Kurzen sagen. „Wenn ich mitbekommen habe, dass die Mama Geburtstag hat, habe ich mit dem Kind etwas gebastelt.“

Handarbeit, Nordic Walking und Reisen

Vom allerorts beklagten Fachkräftemangel sei auch die Heiligenroder Einrichtung nicht verschont geblieben. „Es gab auch hier Phasen, da haben wir kein Personal bekommen, weil Stellen nicht besetzt wurden“, erzählt Hannelore Bölts. „Ich hätte nie gedacht, dass wir als Erzieherinnen mal in die Lage kommen, dass wir uns den Job aussuchen können.“

Ihre Freizeit möchte die Erzieherin a.D. mit Handarbeit, Nordic Walking und Reisen innerhalb Deutschlands verbringen. „Die einzelnen Bundesländer kenne ich noch nicht so gut.“ Traurig über den Abschied von der Kita sei sie nicht: „Ich komme ja aus dem Ort und kann die Kinder immer besuchen.“

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