„Wollen hier was aufbauen“

Die neuen „Kids mit Pfiff“: Chor aus Stuhr-Heiligenrode als Teil einer Jugend-Musikszene

Zwei Mädchen und zwei Jungen im Heiligenroder Gemeindehaus.
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In Zweiergruppen haben die „Kids mit Pfiff“ die Probe absolviert. Der Chor zählt zurzeit zwei Mädchen und sechs Jungen.

Die Kirchengemeinde Heiligenrode hat einen neuen Kinderchor: die Gruppe „Kids mit Pfiff“ für Mädchen und Jungen von acht bis zwölf Jahren. Geleitet wird sie von Alexander Schuhmann, der in der Gemeinde schon den SMS-Chor betreut. Die „Kids mit Pfiff“ sind als Teil einer Nachwuchs-Musikszene gedacht.

Heiligenrode – Eigentlich war es nicht der Tag von Alexander Schuhmann. Erst die Verspätung wegen des Staus auf der Bundesstraße 75 bei Huchting, und dann fliegt während der Probe im Heiligenroder Gemeindehaus noch der Notenständer vom E-Piano. Doch der neue Leiter der „Kids mit Pfiff“ nimmt es mit Humor. Lamentieren ist nicht sein Ding.

Seit fast fünf Jahren gibt es unter dem Dach der Kirchengemeinde Heiligenrode die „Kids mit Pfiff“. Die Gruppe unter Schuhmanns Leitung aber ist neu. Pastorin Tabea Rösler spricht von einer lockeren, offenen Runde – offen für alle acht- bis zwölfjährigen Mädchen und Jungen. Vier Mal erst hat sie sich im Gemeindehaus getroffen, um zwei Lieder für die öffentliche Vorstellung am Samstag, 18. Dezember, in der Kirche einzustudieren. Mehr sollen es auch nicht werden. „So kann ich besser abtasten, wo die Stärken der Kinder liegen“, erklärt der seit 2014 ausgebildete Chorleiter. Künftig werde er sich bei der Auswahl der Lieder an den Sprösslingen orientieren, „was die selbst mögen“.

Einige von ihnen sind bereits mit Instrumenten vertraut – wie Elia, der Schlagzeug spielt; oder Theodor, der nach eigener Auskunft seit einem Jahr Klavier lernt und von Schuhmann nur Theo genannt wird. Auf dessen Einwand, er heiße Theodor, entgegnet Schuhmann: „Die dritte Silbe musst du dir verdienen.“ Solche Scharmützel sind eingepreist, wenn man mit Schuhmann arbeitet.

Anstellung ist unbefristet

Bei den Kindern kommt das an. Dass Schuhmann es „in kürzester Zeit geschafft, die Kinder zu mobilisieren“ (Rösler), hängt auch mit seiner locker-lustigen Art zusammen. Schon früher hat der 27-Jährige mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Seine Anstellung in Heiligenrode ist unbefristet.

Die Probe startet mit „Von hier an blind“, was schon ganz gut klappt. Doch besser geht immer. „Ich möchte, dass jeder von euch in den Raum reinsingt“, sagt Schuhmann. Und wenig später: „Ihr müsst alle aufeinander hören, nicht jeder für sich singen, denn dann klingt das am Ende auch so.“

Dann geht der Leiter zum zweiten Lied über, „Rolling in the Deep“ von Adele. Es ist ungleich anspruchsvoller, was Sprache und Stimmlage angeht. „Schaut, wo ihr den Ton trefft, und legt euch darauf fest. Sonst wird’s ein Jodelfest“, rät Schuhmann. Und was die englische Aussprache angeht: „Singt einfach Deps statt Depth. Die Leute im Publikum können nicht so gut Englisch, dass die das hören.“

Er dirigiert den singenden Nachwuchs: Alexander Schuhmann.

Ihm selbst sei auch nicht wichtig, dass jedes Wort stimmt, sagt Schuhmann. „Die Kinder sollen sich ausprobieren, aus sich rausgehen. Das ist wegen Corona oft zu kurz gekommen. Sie sollen ihre Energie rauslassen, und das geht in einer fremden Sprache manchmal besser“, so die Erfahrung Schuhmanns, der seit geraumer Zeit auch den SMS-Chor leitet. Dadurch ist Rösler überhaupt erst auf ihn aufmerksam geworden. Schon bei der ersten Probe waren beide von der weiteren Zusammenarbeit überzeugt. „Das war ganz toll“, sagt Tabea Rösler.

Der kreative Gedanke sei ihm wichtiger, als auf die künstlerische Perfektion zu achten, betont der Chorleiter. Er wolle die Motivation der Kinder aufrechterhalten. Fehler interessieren ihn nicht. „Das Gute bei Kindern ist, dass sie wieder aufstehen und weitermachen.“ Außerdem sei Geduld eine seiner Stärken. „Beim Musikmachen ist der Weg das Ziel.“

Für den Auftritt hat Schuhmann Freunde aus seiner Band eingeladen. Sie begleiten die beiden Lieder und spielen einige Stücke allein. „Damit die Kinder sehen, in welche Richtung das gehen könnte, wo sie hinstreben können“, begründet er. Sollte der Nachwuchs irgendwann mit eigener Band weitermachen, werde Theodor „definitiv mal das Klavierspiel übernehmen“, sagt Schuhmann.

„Das ist ein Zulauf, der ist Wahnsinn“

Mit Mareth, Mia und Elia sind drei „alte Hasen“ dabei, die altersbedingt aus der jüngeren „Kids mit Pfiff“-Gruppe ausgeschieden sind. Die Kleinen im Alter bis sieben Jahre singen seit den Herbstferien unter Leitung von Tabea Rösler. „Alle sind dabei, vom Krabbelkind bis zum Grundschüler“, sagt die Pastorin. 21 Mädchen und Jungen seien es insgesamt. „So viele Mitglieder hatten die ,Kids mit Pfiff’ noch nie. Das ist ein Zulauf, der ist Wahnsinn.“

Auch sie werden am 18. Dezember ihren Auftritt haben, mit dem Weihnachtsmusical „Kommt alle mit zum Weihnachtsstern“ von Mia Reinke. Sie sind um 15 Uhr an der Reihe, die Großen um 17.30 Uhr. „Wir hoffen, dass es uns die Verordnung der Landeskirche dann ermöglicht, beides als musikalische Gottesdienste zu veranstalten“, sagt Tabea Rösler vor dem Hintergrund pandemiebedingter Einschränkungen.

Schon bald möchte Schuhmann auch mit den Konfirmanden musizieren, ein Treffen mit ihnen hat es bereits gegeben. Doch damit nicht genug: Eine Gruppe für 14- bis 18-Jährige soll es ebenfalls mal geben, „in welcher Form auch immer. Wir wollen hier was aufbauen. Eine Jugend-Musikszene“, sagt er. Wie lange Tabea Rösler noch Teil dieser Szene sein wird, steht nicht fest. So lange, bis sich jemand finde, der zum Konzept passe, sagt sie. „Viel mit Bewegung und das für allle Altersgruppen – davon gehen wir nicht mehr ab.“

Von Andreas Hapke

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