Kfz-Mechatronikerin Sina Westermann gewinnt Landeswettbewerb

Blaumann statt Designerkleid

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Sina Westermann an ihrem Arbeitsplatz: Die 23-Jährige ließ als Kfz-Mechatronikerin bei Wettbewerben auf Landes- und Bundesebene die männliche Konkurrenz hinter sich.

Stuhr/Emtinghausen - „Von wegen Männerdomäne“, sagt Sina Westermann und lacht. Die 23-Jährige hat allen Grund zur Freude. Sie ist die beste Junggesellin ihres Ausbildungsjahrgangs in ganz Niedersachsen. Sie absolvierte ihre Lehrzeit im Stuhrer Autohaus Herbst.

Weit über 1000 männliche Kollegen im ganzen Bundesland hat die Thedinghauserin, die jetzt in Emtinghausen wohnt, bei diversen Ausscheidungen hinter sich gelassen. Der Landes-Leistungswettbewerb der Kfz-Mechatroniker ging in Aurich über die Bühne. Auch bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin machte sie mit Platz sieben wieder auf sich aufmerksam. „Platz sieben von insgesamt über 22000 Kfz-Gesellen, und wieder das beste Mädchen – das ist schon eine reife Leistung“, sagt Mutter Corinna erfreut.

Dabei war die ganze Sache so nicht geplant. Sina Westermann wollte eigentlich nach Beendigung der Fachoberschule Designerin werden. „Doch ich habe keine Lehrstelle gefunden“, erzählt sie. Die Idee, sich umzuorientieren, kam ihr, als sie ihrem Freund, einem leidenschaftlichen Autoschrauber, über die Schulter schaute. Ich habe mich einfach blindlings beim Autohaus Herbst in Stuhr beworben“, erinnert sich Sina Westermann. „Es hat geklappt.“

Und weiter: „Vom ersten Moment an habe ich mich dort super wohl gefühlt. Auch die männlichen Mitarbeiter haben mich voll akzeptiert. An den etwas raueren Ton – hart aber herzlich – gewöhnt man sich schnell. Und wenn man gute Arbeit abliefert, akzeptieren auch die Kunden schnell, dass da eine Frau am Werk ist.“

Der Werkstattleiter Marc Böschen lobt die Eigeninitiative der 23-Jährigen: „Sie hat viel gelernt und geübt, aber sie bringt auch viel Talent mit.“ Sie war die erste weibliche Auszubildende in der Werkstatt des Autohauses. „aber eine besondere Behandlung hat sie deswegen nicht bekommen“, sagt Böschen und schmunzelt. „Sie ist wie jeder andere Lehrling mit den Gesellen mitgelaufen.“

Dass Sina Westermann vom ersten Tag an durch gute Leistungen glänzte, machte das Abenteuer „Autoschlosser“ natürlich nicht schwerer. Nach bestandener Gesellenprüfung (mit Auszeichnung), übernahm das VW-Autohaus die Thedinghauserin.

Auch der Handwerkskammer Braunschweig/Hannover blieben Sinas Qualitäten nicht verborgen. Diese schickte die frisch gebackene Gesellin als Vertreterin im Wettstreit gegen andere Handwerkskammern in die „Niedersachsen-Meisterschaft“ – ehe jetzt der Bundesentscheid in Berlin als Höhepunkt folgte. Dort mussten die Teilnehmer in mehreren Prüfungen versteckte Fehler an den Autos entdecken, Symptome richtig deuten und ihr Fachwissen vor Prüfern demonstrieren.

„Die Zeiten, in denen sich ein Kfz-Monteur regelmäßig den Blaumann einsaute, sind längst vorbei“, sagt Sina Westermann. „Natürlich wird man bei mechanischen Arbeiten auch mal dreckig. Aber meine Stärke ist die Elektronik-Diagnose und die Behebung von Elektronik-Problemen.“

Auf ihren Lorbeeren ausruhen will sich Sina Westermann nicht. „Dafür bin ich noch viel zu jung. Ich werde mich natürlich auf dem Kfz-Sektor weiterbilden und bin zuversichtlich, dass ich noch einige Herausforderungen meistern kann. Außerdem hoffe ich, dass auch andere Mädchen sich zutrauen, in Technik-Berufe einzusteigen. Es lohnt sich.“

sp/sb

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