Junger Brinkumer fühlt sich diskriminiert

Kein deutscher Pass, kein Anhänger

Ein Anhänger ist an ein Auto gekoppelt
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Nicht für jeden zu haben: ein Anhänger. Symbolfoto: dpa

Eigentlich wollte er nur seinen Eltern helfen, Grünabfälle aus dem Garten zu entsorgen. Doch der Versuch, einen Anhänger zu mieten, bleibt dem Mann aus Brinkum in unangenehmer Erinnerung.

  • Mann aus Belgien lebt seit fast 30 Jahren im Ort.
  • Tankstelle weist EU-Bürger ab.
  • Was der Vermieter dazu sagt...

Stuhr - Er stammt aus dem EU-Nachbarland Belgien, lebt seit knapp 30 Jahren in Brinkum, hat dort seine gesamte Schulzeit verbracht und Sport betrieben. Als sich der berufstätige, hoch qualifizierte junge Mann (sein Name ist der Redaktion bekannt) Anfang dieser Woche einen Anhänger an einer örtlichen Tankstelle leihen wollte, habe er eine Abfuhr kassiert.

An Ausländer würden keine verliehen, habe er zu hören bekommen, berichtet und der Brinkumer ist entsetzt. „Das klingt wie eine Geschichte aus der Vergangenheit, ist aber sehr gegenwärtig“, sagt er und fühlt sich diskriminiert.

Keine Anhänger für Jahrzehnte vor Ort lebende EU-Ausländer

Er benötigte den Anhänger seinen Angaben zufolge, um aus dem Garten der Eltern Grünabfälle wegzubringen. Die Familie habe den gewünschten Trailer vormittags telefonisch reserviert. Als sie ihn am Nachmittag an der Tankstelle abholen wollte, habe eine Angestellte nach dem Ausweis gefragt. So weit, so gut. Die böse Überraschung folgte, als Eltern und Sohn mitgeteilt bekamen, dass sie als Ausländer keinen Anhänger leihen könnten, auch nicht als EU-Bürger, die seit Jahrzehnten in der Gemeinde leben. Die Familie mochte kaum glauben, was sie da gerade gehört hatte und bat die Angestellte, noch einmal bei ihrem Chef nachzufragen. Das habe die Frau auch getan, berichtet der junge Mann aus Brinkum. Doch die Antwort lautete: Nein.

„Nach 28 Jahren in Brinkum bin ich nun auch einer nationalistischen Diskriminierung nach Rasse und Herkunft ausgesetzt worden“, ärgert sich der Betroffene. „Ich halte es für meine Pflicht als Bürger, auf eine solche Diskriminierung aufmerksam zu machen, wenn mir die Anmietung eines Anhängers verweigert wurde, weil dieser nur an Deutsche vermietet werden kann.“

Pächter trifft Entscheidung „aufgrund schlechter Erfahrungen“

Der Tankstellenpächter hält sich auf Nachfrage der Kreiszeitung bedeckt und möchte sich nicht eingehend zu dem Vorfall äußern. Er bestätigt aber, dass er „aufgrund schlechter Erfahrungen“ tatsächlich keine Hänger an Personen ohne deutschen Pass ausleihe. Mehrere Trailer seien ihm in der Vergangenheit abhandengekommen oder stark beschädigt worden. Stammten die Kunden aus dem Ausland, habe er kaum eine Handhabe, den Schaden ersetzt zu bekommen, argumentiert der Vermieter.

Der Brinkumer ist am Ende aber doch noch an einen Hänger gekommen. Ein Kumpel mit deutschem Pass habe ihn ausgeliehen – und wohlbehalten zurückgebracht.

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