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Kahlschlag in Stuhr: Stürme haben dem Fahrenhorster Wald arg zugesetzt

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Von: Andreas Hapke

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Neue Nistkästen müssen her: Revierförster Heinz-Dieter Tegtmeier (2.v.l) mit (v.l.) Monika Stöhr, Bernd Helmerichs, Rita Wolff und Gerd Hoppe.
Neue Nistkästen müssen her: Revierförster Heinz-Dieter Tegtmeier (2.v.l) mit (v.l.) Monika Stöhr, Bernd Helmerichs, Rita Wolff und Gerd Hoppe. © Jantje Ehlers

Die Fichte ist die große Verliererin der Stürme in den vergangenen Wochen. Auch im Fahrenhorster Wald sind viele Bäume umgestürzt. Noch ein Problem: Viele Nistkästen sind dabei zerstört worden. Der Nabu ist bereits aktiv und ersetzt die Vogel-Wohnungen.

Fahrenhorst – Dass die Mitglieder der Ortsgruppe Stuhr des Naturschutzbunds (Nabu) am Donnerstagvormittag ausgerückt sind, um Nistkästen aufzuhängen, war so nicht vorgesehen. Doch die jüngsten Stürme haben dem Fahrenhorster Wald arg zugesetzt. Zahlreiche Bäume des Bestands an der Wildeshauser Straße sind umgestürzt und haben Nistkästen unter sich begraben. Also haben sich die Nabu-Miglieder mit einer Schubkarre voller kleiner Holzhäuschen auf den Weg in den Wald gemacht.

„Wir richten die Nistkästen immer nach Südost aus“, erklärt Gerd Hoppe, unter dessen Leitung der Nabu die Nisthilfen fertigt. Da die Sonne im Osten aufgeht, werde der Unterschlupf bereits früh erwärmt, während er zur Mittagzeit nicht so sehr der Hitze ausgeliefert sei. Doch genau in Südost-Richtung sind die Bäume umgekippt. „Wir konnten die Kästen nicht mehr retten“, stellt Hoppe fest. 15 Nisthilfen seien zerstört worden. Zudem nahmen die Nabu-Mitglieder die Holzhäuschen von einigen allein stehenden Bäumen ab und brachten sie an anderer Stelle wieder an.

Meisen beginnen schon mit dem Nestbau

Die Aktion duldete keinen Aufschub, denn: „Die Meisen bauen jetzt schon ihre Nester“, begründet Hoppe. „Wir haben viele Tannenmeisen und Haubenmeisen hier in der Gegend.“

Laut Revierförster Heinz-Dieter Tegtmeier hat der Fichtenbestand am meisten gelitten, gefolgt von der Tanne und der Kiefer. An der Wildeshauser Straße seien auch bei kleineren Stürmen „ab und zu“ mal Bäume herausgebrochen. Doch diesmal spricht Tegtmeier bei der Fichte von einem „Flächenwurf“. In den von der Kiefer geprägten Bereichen hingegen habe es auch diesmal nur einzelne Bäume erwischt. Der Experte bemüht die Formulierung „selektiver Knockout“. Umgeworfen hat es laut Hoppe zum Beispiel eine „riesendicke Lärche“ in der Nähe eines Hochsitzes.

Ähnlich überschaubar gestaltet sich die Situation bei den Laubbäumen. Zwar zähle auch mal eine Buche zu den Verlusten, sagt Tegtmeier. Doch die sei meist dann umgestürzt, wenn sie bereits unter Wurzel- oder Stammfäule gelitten habe. „Da zeigt der Sturm die Schwächen auf und schmeißt diese Bäume raus.“

Auch ein „statisches Ungleichgewicht in der Krone“, etwa eine Verzweigung, begünstige die Entwurzelung eigentlich stabiler Bäume.

„Das bereitet uns aber kein Kopfzerbrechen“, sagt Tegtmeier. Im Gegenteil: Abgebrochene Laubbäume würden einen Beitrag zum Naturhaushalt leisten, „damit schaffen wir Brutmöglichkeiten. Da sind wir beim Aufräumen nicht so pingelig.“

Die Schäden bei den Nadelhölzern müssen wir zeitnah beseitigen.

Heinz-Dieter Tegtmeier, Revierförster

Die Fichte indes sei definitiv „die Verliererin des ganzen Geschehens“. Sie habe in den vergangenen Jahren bereits sehr unter der Dürre und dem Borkenkäfer gelitten. Tegtmeier: „Die Schäden bei den Nadelhölzern müssen wir zeitnah beseitigen.“ Ansonsten werde der Borkenkäfer die herumliegenden Stämme besiedeln.

Die Erneuerung des Fahrenhorster Waldes soll nicht auf einen reinen Nadelbaumbestand hinauslaufen. Tegtmeier nennt Eiche, Buche, Ahorn, Kastanie und Ulme als Beispiele. Zurzeit würden im gesamten Revier 25 000 kleine Bäume darauf warten, gepflanzt zu werden. Dies sei von langer Hand geplant gewesen. „Wir müssen das zwei bis drei Wochen schieben und erst die Flächen wieder freiräumen.“ Nächstes Jahr stehe ein „umfangreiches Erneuerungsprogramm“ an.

Kahlschlag im Fahrenhorster Wald: Besonders die Fichten haben gelitten.
Kahlschlag im Fahrenhorster Wald: Besonders die Fichten haben gelitten. © Ehlers, Jantje

Laut Tegtmeier handelt es sich bei den jüngsten Sturmschäden um die schwersten seit 1972, als das Orkantief Quimburga in Norddeutschland wütete. Der Revierförster schätzt, dass allein auf dem Areal an der Wildeshauser Straße rund 500 Festmeter beschädigt wurden, was einer Waldfläche von etwa einem Hektar entspricht. Im gesamten Syker Revier seien es auf 1600 Hektar 15 000 Festmeter und somit 10 000 bis 12 000 Bäume gewesen.

Für das Ausmaß des Schadens seien der lang anhaltende, hohe Winddruck sowie „extreme“ Windgeschwindigkeiten von 140 bis 150 Kilometer pro Stunde verantwortlich gewesen. Zum ersten Mal seit der Walderneuerung nach Quimburga weisen nun diese 50-jährigen Waldbestände Schäden auf. „Das bringt uns dahin zu denken, dass allein der Laubholzbestand noch widerstandsfähig ist“, sagt Tegtmeier.

Die Gefahr durch schief stehende Bäume sei schnell beseitigt worden. „Wir entdecken aber nicht jeden Baum sofort, sondern kommen erst nach und nach in die Waldgebiete.“ Viele Wege seien nach den Stürmen ein paar Tage nicht begehbar gewesen. Priorität habe die Räumung öffentlicher Straßen gehabt, gefolgt von befahrbaren Forstwegen.

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