Bürgermeister Korte kritisiert Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr

Kahlschlag an der Bundesstraße

Baumstämme liegen neben einer Straße.
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Noch ungewohnt sieht die Bundesstraße 6 in Brinkum nach den Grünarbeiten aus. Bürger und Gemeinde kritisieren die zuständige Landesbehörde.

Der Stuhrer Bürgermeister Stephan Korte ist nicht gut auf die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Nienburg zu sprechen. Die hat entlang der Bundesstraße 6 in Brinkum zahlreiche Bäume und Büsche entfernen lassen – zum Ärger der Anwohner. Bei Korte gingen zahlreiche Beschwerden ein.

  • Bürgermeister ärgert sich über die Straßenbaubehörde.
  • Stuhrer Bürger empört über radikalen Baumschnitt an der Bundestraße 6.
  • Korte: Manchmal keine Alternative zum Fällen.

Der Stuhrer Bürgermeister Stephan Korte versucht erst gar nicht, seinen Unmut über Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zu verbergen. Mitarbeiter des Amtes haben in den vergangenen Tagen zahlreiche Bäume und Grün entlang der Bundesstraße 6 in Brinkum entfernt oder zurückgeschnitten. Zu radikal, meinen viele Bürgerinnen und Bürger aus Stuhr.

Sie wendeten sich mit Beschwerden und Nachfragen an das Rathaus. Bürgermeister Korte stellt klar: Die Baumpflege entlang der Bundesstraße ist Aufgabe der Landesbehörde. „Aber natürlich sind wir als Gemeinde betroffen und hätten uns eine bessere Kommunikation vor Beginn der Arbeiten gewünscht“, sagt Korte. Die Gemeinde habe das Amt aufgefordert, die Arbeiten vorerst einzustellen.

Behörde betont „Verkehrssicherungspflicht“

Mittlerweile habe die Behörde in Nienburg reagiert, bestätigt deren Leiter Uwe Schindler. Eine Mitarbeiterin habe sich gemeinsam mit zwei Fachleuten der Gemeinde Stuhr die Situation an der Bundesstraße angeschaut. Das Ergebnis: In Richtung der Wohnbebauung wolle das Amt kaum mehr Bäume entfernen oder drastisch stutzen, kündigt Schindler an. Er macht aber auch klar: Zur Fahrbahn hin mussten die Gehölze weichen oder gestutzt werden und verweist auf die „Verkehrssicherungspflicht“ – „da können wir nichts anderes machen“, betont der Behördenleiter.

Marc Plitzko, Umweltbeauftragter der Gemeinde Stuhr, begrüßt den Kompromiss mit der Landesbehörde. Plitzko weist darauf hin, dass entlang der B 6 künftig dennoch einige Bäume und Büsche verschwinden oder zurückgeschnitten werden müssten, auch in Richtung Wohnbebauung. Einige wüchsen viel zu dicht. Der Rückschnitt ermögliche, dass gesunde Bäume künftig mehr Licht bekämen und so stabiler gedeihen könnten. Und: Viele der jetzt gestutzten Gehölze würden in ein, zwei Jahren wieder austreiben.

Der Ärger in Stuhr ist noch nicht verflogen. „Es kommt ein Gefühl von Hilflosigkeit auf, gegenüber einer Behörde, die weder die Gemeinde rechtzeitig und umfänglich informiert und Anliegern gegenüber jede Kritik von sich weist“, sagt Bernhard Helmerichs, Ratsherr der Grünen in Stuhr. Ein Vertreter dieser Behörde solle Anliegern in „arroganter Weise“ gesagt haben: „Ich bin das Land Niedersachsen“, schildert Helmerichs einen Vorfall.

Verstoß gegen die Baumschutzsatzung?

Es bietet sich ein trauriges Bild, wenn man entlang der Ortsumgehung Brinkum die bis auf den Stubben abgesägten Bäume sieht, die, sofern noch nicht geschehen, von riesigen Häckselmaschinen zu Kleinholz gemacht würden. „Es hinterbleibt eine kahlrasierte Strecke an der bis vor Kurzem noch gesunde Bäume standen und im Sommer ein grünes Band durch die Gemeinde zogen und den Anwohnern und auch den Autofahrern ein angenehmes Bild boten. Das ist nun vorbei“, bedauert der Kommunalpolitiker. Die Gemeinde solle prüfen, ob die Nienburger Behörde mit der Abholzung gegen die Stuhrer Baumschutzsatzung verstieß, fordert Helmerichs.

Nicht nur entlang der Bundesstraße, sondern an anderen Stellen in der Gemeinde werfen Baumpflegearbeiten Fragen auf. Zahlreiche Bürger hätten ihn darauf angesprochen, berichtet Alexander Carapinha Hesse, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Stuhrer Gemeinderat. Bürger beklagten, dass auch optisch gesunde Bäume ohne Schäden an Wurzeln, Stamm oder Krone gefällt worden sein sollen, schildert Hesse.

Dem widerspricht Bürgermeister Stephan Korte. Tatsächlich habe die Gemeinde aber viele Baumpflegerarbeiten in Auftrag gegeben, bestätigt er und nennt einen Grund dafür: den Klimawandel. Der gehe an Stuhr nicht vorbei. Die Dürre der vergangenen drei Jahre habe viele Bäume massiv geschädigt, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht zu sehen sei. Korte berichtet von Pilzbefall und vermehrt auftretenden Krankheiten an einigen Gehölzen. Er beruhigt: Nicht alle Bäume, die die Gemeinde derzeit markiert habe, würden gefällt. Die meisten seien nur für einen Rückschnitt gekennzeichnet.

Von Burkhard Peters

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