Rollenbilder aufbrechen

Genderparcours an der KGS: „Jungs mögen uns auch ungeschminkt“

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Sozialarbeiterin Ariane Vollmer (l.) und die Gleichstellungsbeauftragte Nicole Feldmann-Paske sammeln die vielen Erwartungen, von denen Mädchen glauben, dass andere diese an sie haben. Am Ende waren es 54 Äußerungen.

Brinkum - Von Andreas Hapke. Was erwarten die Jungen von den Mädchen, was die Mädchen von den Jungen? Was sind typische Männerjobs, welche Berufe üben die Frauen aus? Um das Aufbrechen von Rollenbildern geht es zurzeit im Genderparcours an der KGS Brinkum. Jeden Tag reflektiert eine andere Klasse des achten Jahrgangs die gängigen Klischees, und nicht selten sind die Schüler von den Ergebnissen überrascht.

„Wir glauben, dass die Jungs von uns erwarten, dass wir immer gut aussehen müssen. Doch das ist gar nicht so. Sie mögen auch, wenn wir schlau und ungeschminkt sind“, hat zum Beispiel die 15-jährige Kira festgestellt.

Zunächst haben Mädchen und Jungen getrennt gesammelt, wer welche Erwartungen an sie haben könnte. Bei den Mädchen zum Beispiel ging es nicht nur darum, was die Jungen sich wohl von ihnen wünschen würden. Es ging auch um die Erwartungen der Eltern, der anderen Mädchen und die Ansprüche an sich selbst. Später kam die Klasse zusammen und hat die Ergebnisse diskutiert.

Nicht immer förderte der Abgleich Überraschendes zutage. „Die Jungs glauben, wir mögen nicht, wenn sie albern sind“, erzählt die 14-jährige Lisa. Und? „Da haben sie recht“, sagt Kira. „Wir haben welche in der Klasse, die sich wie Vier- oder Sechsjährige benehmen. Ich bin selbst oft albern, aber nur, wenn ich mit meinen Freuden unterwegs bin.“

Christian Wille, Leiter des Hauses am Wall und gemeinsam mit der Sozialberaterin Ariane Vollmer sowie der Gleichstellungsbeauftragten Nicole Feldmann-Paske Betreuer des Genderparcours, kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: „Das widerspricht total den Erwartungen, die die Jungs voneinander haben: dass sie sich altersgerecht verhalten. Sie haben wohl andere Vorstellungen davon.“

Filme leiten Parcours ein

Angefangen hatte der Parcours mit Filmen unter anderem zum Thema Gleichberechtigung. Danach waren die Informationen bei einem Quiz gefragt. Dass Frauen erst seit 1918 wählen dürfen und sogar erst seit 1977 selbst bestimmen dürfen, ob sie arbeiten gehen, wunderte Lisa nicht: „Ich höre manchmal, dass Frauen heute noch benachteiligt sind. Eine Chefin verdient immer noch weniger Geld als ein Chef.“

Im letzten Teil ging es um die Rollenvielfalt im Beruf. Ist der Mann auf dem Foto Erzieher oder Disc-Jockey? Bezieht der 59-Jährige im Dortmund-Trikot Hartz IV oder arbeitet er als Steuerberater? Natürlich lauteten die Antworten Erzieher und Steuerberater. Schließlich sollten die Schüler von dem Tag mitnehmen, dass das Äußere keinerlei Rückschlüsse auf den Beruf zulässt.

Neue Ideen für Berufswahl

Ariane Vollmer hat Jugendliche erlebt, die es als „befreiend empfanden, über das eine oder andere mal zu reden. Andere waren erschrocken darüber, wie viel von ihnen erwartet wird. Und uns hat es gezeigt, was mit den Kindern los ist.“

Die Sozialarbeiterin glaubt, dass viele Schüler neue Ideen, Eindrücke und Gedanken im Hinblick auf ihre Berufswahl erhalten haben – rechtzeitig vor der Berufsorientierung in Klasse neun.

Dass Kira Tanzlehrerin und Lisa Laborantin werden möchten, sprengt die Rollenklischees (noch) nicht.

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