Was hat sich in den Einrichtungen seit Corona verändert?

Jugendtreff wird zur Beratungsstelle

Auf Abstand dürfen zehn Personen im Haus am Wall sein, erklärt Alexander Hohmann, Leiter der Einrichtung. Schilder sollen die Regeln verdeutlichen.
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Auf Abstand dürfen zehn Personen im Haus am Wall sein, erklärt Alexander Hohmann, Leiter der Einrichtung. Schilder sollen die Regeln verdeutlichen.
  • Lisa-Marie Rumann
    vonLisa-Marie Rumann
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Stuhr – Freunde treffen, Quatsch machen, aber auch ernste Gespräche führen – das funktioniert seit ein paar Wochen wieder im persönlichen Austausch in den Jugendhäusern. Dennoch muss noch immer der Abstand gewahrt werden und ein Hygienekonzept vorliegen. Wir haben in den Häusern nachgefragt, was sich seit Corona verändert hat und was Einrichtungen sich in der aktuellen Situation einfallen lassen haben.

Silke Amrhein, Leiterin des Jugendtreffs No Moor, beschreibt es so: „Wir sind mittlerweile eher zu einer Erziehungsberatungsstelle geworden.“ Das Jugendhaus sei hin und wieder zum Schlichten zwischen Eltern und ihren Kindern hinzugezogen worden. „Manchmal erzählen die Jugendlichen, dass ihre Eltern sich komisch verhalten, und fragen, ob wir da nicht was machen können“, fährt Amrhein fort. Die Erklärung sei meistens einfach gewesen: Corona und die mitschwingende Verunsicherung.

Die Jugendlichen seien letztendlich einfach nur froh gewesen, wieder zum Jugendtreff zu können. „Viele wollten uns einfach wieder in Echt sehen“, erzählt die Leiterin. Es sei gar nicht mehr primär um den Inhalt dort gegangen. Viel mehr habe man sich einfach über die Frage „Und, was hast du so in der letzten Zeit ohne uns gemacht?“ ausgetauscht.

Amrhein habe den Eindruck, dass viele Jugendliche durch die Corona-Zeit „durchgeschüttelt“ werden. Aber gar nicht im negativen Sinn, denn nun seien sie ihrer Einschätzung nach etwas tiefgründiger und nachdenklicher. Und vor allem würde die Krise entschleunigen.

Das No-Moor-Team hat zu Anfang der Corona-Zeit viele Aktivitäten online angeboten – so zum Beispiel ein Live-Quiz auf der Social-Media-Plattform Instagram, wo die Jugendlichen in den Bereichen Stars und Sternchen, Sport aber auch im Allgemeinwissen abgefragt wurden. „Die besten drei haben wir sogar prämiert“, erzählt Amrhein. Neben solchen Veranstaltungen wurden auch einfache Gruppen-Videochats über den Netzwerkdienst „Houseparty“ eröffnet, wo man sich virtuell austauschen konnte.

Aber auch das war laut Amrhein nicht die Lösung. Denn lange nicht jeder Jugendliche verfügt über ein eigenes mobiles Endgerät. Und wenn man sich eines mit beispielsweise fünf Geschwistern teilt, sei es schwer, das Gerät zu einer bestimmten Zeit nur für sich allein zu beanspruchen, um eben beim Gruppenchat dabei sein zu können.

No Moor macht aktuell mit verschiedenen Angeboten beim Ferienspaß der Gemeinde mit und öffnet wieder nach den Sommerferien. In welcher Form könne die Leiterin noch nicht sagen. „Wir haben aufgegeben, langfristig zu planen und arbeiten von Woche zu Woche. Wir lassen uns einfach mal überraschen.“

Alexander Hohmann, Leiter des Jugendhauses Haus am Wall, erzählt, dass das Corona-Angebot „relativ langsam und schleppend“ angelaufen ist. Mehr Werbung und das Suchen des „direkten Kontakts“ in Form von gemeinsamem Musizieren vor dem Haus hätten den Laden zum Laufen gebracht. Das Hygienekonzept gilt nach wie vor. Demnach seien maximal zehn Personen in den Räumen erlaubt.

Eine der Regeln schreibt vor, sich anzumelden – ganz egal, ob über Instagram, Whatsapp oder telefonisch. „Das haben wir zwei Wochen probiert“, sagt er und schmunzelt dabei. „Die sind den ganzen Tag am Handy“, doch die Anmeldung darüber habe einfach nicht geklappt. Die Jugendlichen seien immer wieder einfach so vorbei gekommen. „Die wollen, dass es so weiter läuft wie vorher.“ Spontan vorbei kommen und eine „offene Tür“ würden ein Jugendhaus eben ausmachen. Wegschicken würde er niemanden. Doch er sagt auch, dass Besucher mit Anmeldung Vorrang haben.

Dadurch, dass es nun einen anderen Betreuungsschlüssel gibt, sei ihm aufgefallen, dass manche Jugendliche das genießen und vielleicht sogar brauchen. Dem Eindruck von Silke Amrhein, dass die Jugendlichen „durchgeschüttelt“ werden, könne er sich nicht anschließen. In der nächsten Zeit will sich das Haus am Wall den künftigen fünften Klassen widmen. „Wir wollen die Kinder einladen, um das Team kennenzulernen“, erzählt der Leiter.

Von Lisa-marie Rumann

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