Gemeindejugendfeuerwehrwartin hört auf 

Nach 18 Jahren: Anja Kalusche gibt ihr Amt ab

Die Ausrüstung von Anja Kalusche befindet sich nach wie vor im Heiligenroder Feuerwehrgerätehaus. Privat ist sie inzwischen nach Seckenhausen umgezogen. - Foto: Jantje Ehlers

Heiligenrode - Von Andreas Hapke. Nach 18 Jahren gibt es ein neues Gesicht an der Spitze der Gemeindejugendfeuerwehr. Grund: Anja Kalusche rückt auf ins Kreiskommando, wo sie als stellvertretende Kreisjugendfeuerwehrwartin fungiert. Ihr Nachfolger heißt Cord Tinnemeyer, einst Ortsbrandmeister in Brinkum. Übergangsweise hatte die Seckenhauserin für ein Jahr beide Posten bekleidet. „Doch das Arbeitsaufkommen ist zu groß“, sagt sie. „Und es ist besser, Kreis und Gemeinde zu trennen.“

Als Anja Kalusche, damals noch Wilken, im April 1999 das Amt der Gemeindejugendfeuerwehrwartin übernahm, gab es nur die Jugendfeuerwehr Stuhr, das Eintrittsalter betrug zwölf Jahre. Noch im Herbst des selben Jahres durften auch Zehnjährige mitmachen, die Zahl der Mädchen und Jungen verdoppelte sich schlagartig. Deshalb beschloss das Gemeindekommando, zum April 2000 drei Gruppen für den Nachwuchs einzurichten. Fortan gab es die Jugendfeuerwehren Brinkum-Stuhr, Fahrenhorst-Seckenhausen und Groß Mackenstedt-Heiligenrode. „Das war mein erstes ganz großes Highlight“, sagt Kalusche. Das zweite sollte 2012 mit der Ausrichtung des Kreisjugendfeuerwehr-Zeltlagers folgen. „Viel Arbeit“ sei das gewesen, doch es habe sich gelohnt. „Jugendfeuerwehr heißt auch: Urlaub machen für das Kreiszeltlager im Sommer. Das muss man wissen, wenn man sich für die Kinder engagiert.“ Zumal die Zahl der Teilnehmer von anfangs 700 bis 800 auf jetzt mehr als 2 000 gewachsen ist.

Das Engagement für die Brandschützer ist ihr gewissermaßen in die Wiege gelegt worden. „Wir sind eine feuerwehrgeschädigte Familie“, sagt Kalusche und lacht. Papa, Bruder, Neffe, Mann, Schwiegervater – alles Feuerwehrmänner. Entsprechend früh wusste Anja Kalusche, dass sie zur Feuerwehr wollte. „Ich bin mit Jungs groß geworden, aber durfte als Mädchen noch nicht aufgenommen werden.“ Das änderte sich erst Anfang 1988, als das Gemeindekommando grünes Licht für Frauen gab. Gemeinsam mit zwei anderen Mädchen trat Kalusche bei, beim Übergang zur aktiven Truppe in Heiligenrode im Jahr 1992 war sie sogar die einzige Frau.

„Damals war ich ganz schön aufgeregt“, erinnert sie sich. Nicht wegen ihrer Sonderstellung, sondern wegen des Respekts vor dem Dienst. Nicht ein einziges Mal sei sie als Frau in der Truppe belächelt worden. „Mich haben immer alle so behandelt, wie sie auch Männer behandeln.“

An ihren ersten Einsatz erinnert sich die Feuerwehrfrau noch genau: „Wir haben an einem Freitagabend vergebens einen vermissten Mann im Wald in Fahrenhorst gesucht. Erst ein Pilzsammler hat ihn vier Wochen später tot aufgefunden.“ Sehr präsent ist auch noch der Doppelbrand des Holzhandels Wittenberg in Neukrug und des Baustoffhandels Leymann in Brinkum in der Nacht zum 1. Mai 2011.

Schon ab 1993, lange vor ihrer Wahl zur Gemeindejugendfeuerwehrwartin, brachte sich Kalusche in der Betreuung des Stuhrer Nachwuchses ein. In ihrer neuen Funktion auf Kreisebene ist sie für die Ausbildung zuständig. „Ich kann meine Leidenschaft für die Jugendfeuerwehr weiter ausleben“, sagt sie. Mit dem Unterschied, dass die Fahrtwege länger geworden sind, zum Beispiel zu den Seminaren der niedersächsischen Brandschutzakademie in Celle oder zu Bezirkssitzungen in Northeim und Hameln.

Wie viel Zeit sie insgesamt für ihr Ehrenamt aufwendet, weiß Kalusche nicht. „Ich habe nicht die Stechuhr dabei. Das alles geht ohnehin nur, wenn der Partner mitspielt.“ Da sie mit Gemeindebrandmeister Michael Kalusche verheiratet ist, stellt das kein Problem dar. Im Gegenteil: „Es war schon praktisch, dass wir uns bei der Planung des Zeltlagers in Brinkum am Schreibtisch gegenüber gesessen haben.“ Der Weg der gemeinsamen Tochter, gerade einmal 17 Monate alt, in die Feuerwehr scheint bei diesen Eltern vorgezeichnet. „Doch das soll sie später selbst entscheiden“, betont Kalusche, der natürlich nur Vorteile einer Mitgliedschaft einfallen: „Die Jugendlichen setzen ja nicht nur Schläuche zusammen, sondern spielen Volleyball, schwimmen, fahren zu Freizeiten, haben das Zeltlager. Die Gemeinschaft wird groß geschrieben.“

Die Kleine ist der Grund, weshalb Anja Kalusche zurzeit noch etwas kürzer tritt, was den aktiven Dienst und ihre weiteren Ehrenämter angeht. Sie ist noch Mitglied der technischen Einsatzleitung und des Festausschusses der Ortswehr Heiligenrode sowie Gemeindefrauensprecherin. In letzterer Funktion musste sie aber noch nie eingreifen. „In Stuhr läuft das so gut, dass die Frauen keine Probleme haben. Letztendlich ist jede selbst dafür verantwortlich, was sie aus diesem Ehrenamt macht.“ Anja Kalusche, so viel steht fest, hat eine Menge daraus gemacht.

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