Der Stuhrer Seniorenbeirat gestaltet eine Chronik zu seinem 40-jährigen Bestehen

Jubiläum eines „lebendigen Sprachrohrs“

Bald auch online einzusehen: Dagmar Bischof mit der Chronik des Seniorenbeirats, die die Gemeinde auf ihre Homepage www.stuhr.de stellen möchte. Foto: Andreas hapke

Stuhr - Von Andreas Hapke. Als „Frechheit“ bezeichnet Dagmar Bischof, Vorsitzende des Stuhrer Seniorenbeirats, die Diskussion darüber, ältere Menschen in Zeiten von Corona wegzusperren, um jüngeren mehr Freiheiten zu gestatten. „Das geht gar nicht.“ Mehr wolle sie dazu nicht sagen. Warum auch? Schließlich ging es ihr gestern um etwas ganz Anderes: um die Vorstellung der Chronik anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Seniorenbeirats.

Die Botschaft ist klar: Dieses Jubiläum soll nicht gänzlich untergehen, wenn schon der für Sonntag im Ratssaal geplante Festakt ins Wasser fällt. „Das ist sicherlich schade, aber es gibt Schlimmeres im Leben“, sagt Bischof. Sie wirkt seit 2007 in dem Gremium mit, seit 2012 als erste Vorsitzende. In dieser Funktion hat sie sich auch die Gestaltung der Chronik auf ihre Fahnen geschrieben. Die verwendeten Dokumente habe sie einst bei Aufräumarbeiten im Büro gefunden. Beim Durchblättern an Winter- und Regentagen habe sie die Lust gepackt, daraus einen Jubiläumsband zu stricken. „Was meine Vorgänger alles gemacht hatten, hat mich erstaunt und gefreut“, sagt sie.

Die Gründung des Beirats geht auf einen Antrag der FDP unter Federführung von Jürgen Timm im Jahr 1979 zurück. Bei der Gründungsversammlung im März 1980 wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Unter dem Namen „Seniorenbeirat der Großgemeinde Stuhr“ nahm das Gremium als kommunale Institution seine Arbeit auf – als damals erst vierter Seniorenbeirat in Niedersachsen, wie Bischof betont.

Er sollte die Interessen der älteren Bevölkerung gegenüber Politik und Verwaltung vertreten. Die von ihm eingebrachten Wünsche, bilanziert die Vorsitzende, seinen immer „gut und schnell“ umgesetzt worden.

Im Mai 2002 bezog der Beirat ein eigenes Büro im Rathaus an der Blockener Straße. „So haben wir Zugang zu allen behördlichen Stellen. Entweder kommt ein Mitarbeiter bei Bedarf in unsere Sprechstunde, oder wir können den Ratsuchenden in das jeweilige Büro begleiten“, benennt Bischof den Vorteil.

Zweimal pro Monat bietet der Beirat seine Beratungen in allen Angelegenheiten des Alters und Alterns an, etwa zu den Themen Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen. Die Mitglieder nehmen auch Missstände und Behinderungen auf Fußwegen und Straßen auf und leiten diese umgehend an die zuständigen Stellen im Rathaus weiter. In Informationsveranstaltungen ging es um kriminalpolizeiliche Prävention, Erben und Vererben, Rentenbesteuerung, Sucht im Alter oder Rechte der Verbraucher. Praktische Tipps gab es zum Beispiel beim Rollatorentraining in Zusammenarbeit mit der Landesverkehrswacht und dem Verein Pro Dem sowie im Ratgeber „Reif is Life“.

Im vergangenen Jahrzehnt wurde der Beirat politisch. Die Senioren veranstalteten Podiumsdiskussionen zu anstehenden Wahlen. „Senioren fragen – Politiker antworten“ hieß es zum Beispiel 2011 und 2013. Ein Jahr später ging es um generationsübergreifendes Wohnen, 2015 lautete das Motto „Gemeinsam sind wir Stuhr“. Doch stimmt der vom ehemaligen Bürgermeister Cord Bockhop geprägte Satz wirklich? Damit konfrontierte der Beirat Podiumsteilnehmer aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. „Das Fazit war, dass der Großteil der Besucher in Stuhr zufrieden ist“, erinnert sich Bischof.

Mit der Erörterung von gesellschaftspolitischen Themen habe sich der Seniorenbeirat zu einem lebendigen Sprachrohr entwickelt, schreibt Bürgermeister Stephan Korte in seinem Vorwort zur Chronik. Mit den vom Seniorenbeirat initiierten Projekten wie dem Mehrgenerationenspielplatz oder der Nummerierung von Parkbänken zur Identifikation von Standorten für die Rettungsdienste nannte er „nur einige Beispiele generationenübergreifender Vorhaben mit Außenwirkung“.

Nicht alles, was der Beirat anpackte, war von Erfolg gekrönt. Bischof nennt die Mitfahrerbänke als Beispiel: „Das wurde an uns herangetragen, doch am Ende hat keiner drauf gesessen.“

Auch der Rücktritt des kompletten Vorstands im Mai 2012 wegen Unstimmigkeiten in der Zusammenarbeit zählt nicht zu den Sternstunden des Gremiums. Die Neuwahl spülte Dagmar Bischof auf den Chefsessel.

Heute hat das Gremium ein anderes Problem: Es fehlt – wie andernorts in der ehrenamtlichen Arbeit – der Nachwuchs. Nachwuchs heißt in diesem Fall: „Es wäre schön, wenn sich einige 65- bis 75-Jährige einbringen würden“, sagt Bischof. Ihrer Auskunft nach zählt das Gremium aktuell gerade einmal sieben Mitglieder. Mindestens 16 sollten es sein, um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden und pro Ortsteil je einen Ansprechpartner und Stellvertreter benennen zu können. „Wir waren mal 25 bis 28 Leute“, sagt Bischof. Sie ist selbst schon 79 Jahre alt und fungiert seit vergangenem Jahr zusätzlich als stellvertretende Vorsitzende des Landesseniorenrats.

Am liebsten dürfte ihr bestimmt eine Rückkehr zu den paradiesischen Zuständen im Jahr 2007 sein: Wie aus einem Bericht der Kreiszeitung hervorgeht, kamen damals 250 Senioren ins überfüllte Rathaus, um den Beirat zu wählen. „Es wurden genügend Kandidaten nominiert und bei nur wenigen Enthaltungen gewählt. Zu den 14 Vertretern der Ortsteile kommen noch einmal zehn Vertreter der Verbände. Die Arbeit soll so auf viele Schultern verteilt werden.“ Davon kann Bischof heute nur träumen.

„Es ist wichtig, eine gewissen Größenordnung zu behalten, etwa um unsere Beratung zu gewährleisten“, stellt die Vorsitzende fest. Einen anderen Grund nannte der einstige Vorsitzende des Landesseniorenrats, Christoph Steinbach, bereits beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen: „Wir müssen eine Gesellschaft formen, in der alle Generationen ihren Platz haben.“ Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie ist diese Herausforderung aktueller und wichtiger denn je.

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