John von Düffel hat seinen neunten Radio-Tatort nach Fahrenhorst verlegt

Panik und Paranoia in der Familienidylle Warwer Sand

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„Es passiert nur in der Fiktion etwas“, beruhigt John von Düffel die Bewohner Fahrenhorsts.

Fahrenhorst/Berlin - Der Dramaturg und Schriftsteller John von Düffel hat seinen neunten Radio-Tatort geschrieben. Diesmal ermittelt die Bremer Polizei im Naherholungsgebiet Warwer Sand in Fahrenhorst, wo augenscheinlich ein Mädchen verschleppt wird. Unser Redakteur Andreas Hapke sprach mit dem in Postdam lebenden Autor über den Schauplatz „Warwer Sand“ im Speziellen und über Tatorte im Allgemeinen.

Herr von Düffel, in Ihrem neuen Radio-Bremen-Hörspiel verschwindet ein Kind im Warwer Sand. Warum dieser Tatort?

Es ist ein schöner Ort mit einer großen Sandkuhle, er steht für Familienidylle und unbeschwerte Kindheitsmomente. Der Kindergarten verbringt dort seine Waldtage. Natürlich hoffen die Eltern, dass nichts geschehen möge. Aber gerade diese Unbeschwertheit lässt einen manchmal Schlimmes befürchten. Wie könnte der worst case, der schlimmste Fall, in einer solchen Idylle aussehen? Die Geschichte ist angelehnt an das Verschwinden des kleinen Elias aus einem Wohngebiet in Potsdam. Ich habe das unmittelbar mitbekommen. Die Paranoia, die entsteht, wenn danach jemand mit einem Kind in den Wald geht. Derjenige ist direkt ein Entführer. Die gute Nachricht für den Warwer Sand lautet: Es passiert nur in der Fiktion etwas.

Was verbindet Sie selbst mit dem Gebiet?

Ich habe von 2000 bis 2009 in Bremen gelebt, daher kenne ich den Warwer Sand. Da fährt man als Familie hin und geht dort spazieren. Auch wenn es sich abgedroschen anhört: Das ist Naherholung.

Ist es eine Voraussetzung für ihre Erzählungen, dass Sie die Tatorte kennen?

Gewissermaßen ja, auch wenn ich nie mit der Tatortperspektive den Warwer Sand besucht habe. Wenn man den Tatort kennt, inspiriert er. Wir sind bislang immer von realen Fällen und gelebten Kulissen ausgegangen. Man muss Land und Leute kennen, ein Gespür dafür haben. Ich denke, dass ich das habe, denn es gibt etwas, was ich als norddeutsch bezeichnen würde.

Gibt es einen Grund dafür, weshalb „Warwer Sand“ ihr erster Radio-Bremen-Tatort ist, der nicht in der Hansestadt spielt?

Streng genommen verletzt er damit die Regularien, die für die lokalen Tatort-Krimis gelten. Aber man muss auch mal über die Stadtgrenzen hinausgehen, wenn es die Fantasie hergibt. Beim „Warwer Sand“ war das so. Ich hoffe, da dreht uns keiner einen Strick draus.

Radio Bremen hat also keinen Einfluss darauf genommen? Wäre ja denkbar, so nach dem Motto „Wir brauchen mehr Quote im Speckgürtel“.

Nein. Es war ein Verstoß von mir, keine Aufforderung von Radio Bremen. Letztendlich darf man alles, es muss nur gut sein (lacht).

In Ihren Romanen haben Sie mehr Zeit, einen Handlungsort auszuschmücken. Wie funktioniert das in einem 55-Minuten-Hörspiel wie „Warwer Sand“?

Wie kriegt man die Realität ins Hörspiel übertragen? Das ist generell eine wichtige Frage. Man muss sich einiges einfallen lassen, es soll ja kein amputierter Fernseh-Tatort werden. „Warwer Sand“ besteht zu 70 Prozent aus gegeneinander geschnittenen Verhören. Man muss sich in die Stimmen hineinhören.

Sie sind hauptberuflich als Dramaturg tätig. Welchen Stellenwert haben für Sie Hörspiele? Ist „Warwer Sand“ eine Auftragsarbeit oder Herzensangelegenheit?

Meine ersten Gehversuche waren im Hörspiel bei Radio Bremen, das ist 30 Jahre her. Das hat mich ermutigt, weiterzumachen. Das Hörspiel wird in der öffentlichen Wahrnehmung eher stiefmütterlich behandelt, weil man auf die Stimmen zurückgeworfen ist. Doch für mich entsteht dadurch eine Magie, ebenso durch die Reduktion auf einen Kreis von wenigen Personen. Mehr als sechs Stimmen kann sich ja niemand merken.

Anfangs gab es für Ihre Radio-Tatorte auch Kritik wegen ihrer offenen Ausgänge. Die Ermittler konnten die Fälle nicht lösen.

Das Ungelöste hat damit zu tun, dass Dinge auch in der Realität ungelöst bleiben. Wenn mir mal etwas passiert ist, etwa ein Einbruch, ist das nicht aufgeklärt worden. Da ist mein Eindruck von der Lösungsfähigkeit der Polizei ins Wanken geraten. Inzwischen haben meine Ermittler mehr Erfolg, damit die Bremer Polizei nicht schlechter dasteht als ihre Kollegen aus anderen Tatorten.

Der Warwer Sand ist also nach dem Hörspiel wieder sicher?

Die Hauptfragen werden beantwortet. Nicht alle, wir müssen wie im Leben ein kleines bisschen offen sein. Doch niemand muss Angst haben. Man wird Personen habhaft, und der Warwer Sand wird wieder als sicheres Gebiet übergeben.

• Zu hören ist der Radio-Tatort am Sonntag, 20. März, um 17.05 Uhr und am Montag, 21. März, 21.05 Uhr, auf Nordwestradio.

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