Jens Isensee ist der neue Stipendiat für bildende Kunst in Heiligenrode

Die Form folgt dem Inhalt

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„Fingerübungen“ nennt Jens Isensee das Ausschäumen der eigentlich zweidimensionalen Häuserfassaden. Was aus dieser bereits in Heiligenrode entstandenen Siedlung werden soll, weiß der Künstler noch nicht.

Heiligenrode - Von Andreas Hapke. Jens Isensee hat ein Faible für das Programmieren von Computerspielen. Mehr noch: Bislang war das Erzeugen virtueller Welten sogar sein Broterwerb. Was liegt da näher, als den Umgang mit neuen Medien in das künstlerische Schaffen einfließen zu lassen? Seit Anfang August ist Isensee Stipendiat für bildende Kunst in der Künstlerstätte Heiligenrode.

Interaktive, dreidimensionale Installationen nehmen in der Arbeit des 34-Jährigen einen großen Raum ein. Der Betrachter steht zum Beispiel vor einem Videoterminal, dessen Kamera ihn aufnimmt. Auf diese Weise taucht er in eine virtuelle Welt ein und kann – je nach Bewegung des Kopfes – rechts oder links um einen Baum herumgehen oder sich davon entfernen. In Heiligenrode möchte Isensee diese Technik dahingehend weiterentwickeln, dass die Betrachter via Internet selbst die Gestaltung von 3-D-Strukturen übernehmen. Ein Beamer projiziert diese Schritte fortwährend auf eine Wand des Heiligenroder Galerieraums. „Das sieht dann so aus, als ob eine Struktur aus dieser Wand herauswächst“, erklärt Isensee.

Neben diesem Hauptprojekt sollen während seines zehnmonatigen Stipendiums noch einige andere Objekte entstehen. Denn ebenso gerne wie 3-D-Strukturen gestaltet der gebürtige Braunschweiger Plastiken aus Pappe, Heißkleber und Acrylfarben. Die beiden Arbeitsweisen unterliegen einer strikten zeitlichen und räumlichen Trennung. „Manchmal ist es eine Erlösung, nach stundenlanger Computerarbeit ins Atelier zu gehen und rumzubasteln“, sagt Isensee.

Auf diese Weise entstand zum Beispiel der „Aufstieg“ – eine zwei Meter hohe Treppe aus Pappe und Holz, die zu einem Häuschen führt, in dem Schützenfest- oder Karnevalsmusik spielt. Für den Betrachter bleibt das Haus unerreichbar. „Man ist außen vor und kann nicht mitfeiern.“ Isensee spricht vom „Reiz verborgener Orte“.

Welche Technik, welches Medium zum Einsatz kommt, macht der Künstler vom Inhalt abhängig. „Der Kern einer Sache sucht sich die adäquate Form der Darstellung“, sagt Isensee. Diesen Konzeptkunstgedanken versteht er auch als Kritik an der Haltung, „dass es immer um die Form geht und das Inhaltliche lediglich Füllmasse ist“.

Isensee hat parallel Design und Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studiert, Heiligenrode ist sein erstes Stipendium. Entsprechend aufgeregt sei er. Von den Möglichkeiten der Künstlerstätte zeigt er sich bereits jetzt angetan: „Hier gibt es so viel Platz, dass man einfach zum nächsten Objekt rüberhüpfen kann, wenn man an einem anderen nicht weiterkommt.“ Außerdem freue er sich auf „besinnliche Arbeitspausen in einer schönen Gegend“, wenn es das Wetter erlaube.

Wen die Arbeit Isensees an seinen Vorgänger in Heiligenrode, Sebastian Neubauer, erinnert, liegt so falsch nicht: Die beiden kennen sich vom Hochschulstudium und haben schon gemeinsam an einem Projekt gearbeitet.

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