„Jeder nimmt was mit“

Spieletreff im Mehrgenerationenhaus Brinkum verbindet Menschen und erleichtert Integration

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Die Teilnehmer des Spieletreffs können bei steigenden Temperaturen endlich auch draußen spielen – und zum Beispiel Pins unter freiem Himmel umkegeln.

Brinkum - Von Katharina Schmidt. Der Junge klopft auf den Stuhl neben ihm. „Mein rechter, rechter Platz ist frei. Ich wünsche mir den Nour herbei... als Känguru!“, sagt er grinsend. Nour Alothman steht auf und überlegt kurz. Dann fasst der 19-Jährige an den unteren Saum seines T-Shirts, klappt den Stoff zu einer Art Beutel hoch und hüpft quer durch den Stuhlkreis.

Amüsiert beobachten ihn ein paar Teilnehmer des Spieletreffs für Kinder aus aller Welt im Brinkumer Mehrgenerationenhaus (MGH). Nach und nach wechseln sie ebenfalls ihre Plätze – mal stampfend, mal leichtfüßig und zwitschernd.

Treffen erfreuen sich seit fünf Wochen großer Beliebtheit

Jeden Freitag können Jungen und Mädchen von 14.30 bis 16 Uhr in den Räumen an der Bremer Straße 9 zusammen spielen. Die Herkunft spielt keine Rolle bei den Treffen, zu denen das MGH-Team und die Gemeinde seit fünf Wochen einladen. „Das Angebot wird gut angenommen“, zieht Integrationsbeauftragter Hussein Moubarak bei der jüngsten Veranstaltung eine erste Bilanz. Bisher hätten pro Treffen stets 15 bis 20 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren Brettspiele gespielt, sportliche Partien gestartet oder gekegelt – um nur einige Aktivitäten zu nennen. „Die haben hier viel Spaß“, so Moubaraks Eindruck.

Die Sonne scheint an diesem Freitag durch eine geöffnete Tür in den Raum, in der ehrenamtliche Helfer Nour Alothman mit den Kindern „Mein rechter, rechter Platz ist frei“ spielt. Von draußen erklingt Gelächter. An diesem Tag ist es beim Spieletreff zum ersten Mal so warm, dass Teilnehmer draußen herumtollen können. Zwei Jungen kicken einen Ball über den Hinterhof, andere Kinder bemalen das Pflaster mit Kreide.

Spielerisch lernen, statt nur auf Bücher angewiesen zu sein

Lisa Abraham schaut auf die bunten Steine und lächelt: „Die Kinder bringen Farbe ins Mehrgenerationenhaus.“ Die 19-Jährige absolviert derzeit ihren Bundesfreiwilligendienst im Mehrgenerationenhaus und hat den Spieletreff ins Leben gerufen. Eines ihrer Ziele: jungen Flüchtlingen helfen, Deutsch zu lernen. „Mir ist aufgefallen, dass es gar nicht so einfach ist, immer nur über Büchern zu hängen“, erläutert sie. Der Treff ermögliche einen spielerischen Zugang zur Sprache. Aber auch Deutsche könnten etwas lernen. „Mir wurde heute schon das arabische Wort für ,Hund‘ beigebracht“, erzählt sie. „Jeder nimmt ein bisschen was mit.“

Zwischendurch stärken sich die Kinder mit Weintrauben und Salzstangen, zur Erfrischung stehen Getränke bereit. Die Snacks, ebenso wie einige Spiele, verdankt das MGH-Team laut Lisa Abraham Spenden. Sie bedankt sich für das Geld und freut sich über die dadurch entstandenen Möglichkeiten. Woran es derzeit noch mangele, seien Outdoor-Spielzeuge wie Springseile oder Bälle.

„Kinder glücklich machen“

Einige Kinder haben sich mittlerweile ein großes Mikadospiel auf dem Rasen ausgebreitet. Diana Tozo, ebenfalls ehrenamtliche Helferin, achtet darauf, dass keiner schummelt. „Ich mag es, mit den Kindern zu spielen“, begründet sie ihr Engagement bei dem Spieletreff. Der Traumjob der Zehntklässlerin: Lehrerin. Tozo kann deutsch, arabisch und kurdisch sprechen – ein Vorteil bei der Arbeit mit Kindern aus aller Welt. „Ich komme aus Syrien“, erzählt sie. Vor drei Jahren und sechs Monaten ist sie wegen des Krieges nach Deutschland gezogen. Aus eigener Erfahrung weiß sie: In ungezwungener Atmosphäre mit Einheimischen zu sprechen hilft, eine Sprache zu lernen.

Die Gruppe, die anfangs im Stuhlkreis saß, stürmt nach draußen. Die Kinder spielen Fangen. Nour Alothman versucht, vor der Meute zu entkommen – vergeblich. Er helfe „einfach, um die Kinder glücklich zu machen“, meint der ehrenamtliche Helfer, noch etwas aus der Puste von der Flucht.

Die Kinder spielen und lachen. Darunter auch die elfjährige Haliema, die vor einem Jahr und neun Monaten von Libyen nach Deutschland gekommen ist. Wenn nichts dazwischenkommt, will sie am nächsten Freitag auf jeden Fall wieder zum Spieletreff für Kinder aus aller Welt kommen – „weil es einfach Spaß macht.“

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