Christian Seevers schrieb seiner Frau täglich eine Postkarte

Mit dem Trekker durch Europa 

Fahrenhorst und seine Familie haben ihn wieder: Christian Seevers war fast ein halbes Jahr lang mit Traktor und angehängtem Bauwagen auf „Tournee“. - Foto: Büntemeyer

Fahrenhorst - Anfang April tuckerte Christian Seevers mit seinem MAN-„Ackerdiesel“-Oldtimer in Fahrenhorst los, um sich seinen Jugendtraum zu erfüllen: einmal Deutschland umrunden und dabei die Nachbarländer besuchen, alle neun. Es wurden allerdings zehn Staaten, denn auch dem Fürstentum Liechtenstein stattete der Abenteurer einen Besuch ab.

Als geprüfter Gästeführer legte er natürlich viel Wert auf Sehenswürdigkeiten entlang seiner Route. Außerdem wollte er den „Zipfelpass“ erwerben, den nur der erhält, wer in den nördlichsten (List auf Sylt), westlichsten (Selfkant), südlichsten (Oberstdorf), östlichsten (Görlitz), höchsten (Zugspitze) und tiefsten (auf einer Wiese irgendwo in Schleswig-Holstein) Punkten Deutschlands gewesen ist.

Planung muss sein

Das setzte eine gründliche Planung voraus, denn auf Autobahnen durfte er nicht fahren, und viel befahrene Bundesstraßen mied er, auch weil er unterwegs die landschaftlichen Schönheiten genießen wollte. Seinen Traktor hatte Seevers gemeinsam mit seinen Söhnen Gerrit und Guido grundüberholt, das Verdeck hatte der Nachwuchs sogar kurzfristig noch wind- und regensicher verklebt. Zwei Eckdaten waren bei der Planung zu berücksichtigen: eine Werksführung beim Traktoren- und Landmaschinenhersteller Fendt am 22. Juni und das  Fahrenhorster Schützenfest vom 16. bis 20. Juni – schließlich ist er Vorsitzender des Vereins.

In den Jahren zuvor hatte Seevers schon Erfahrungen mit Langstreckenfahrten gesammelt: 2007 war er in Amsterdam, 2009 in Berlin und 2014 in Thüringen.

Es gibt nur schlechte Kleidung

Die ersten Wochen seiner Deutschland-Zipfeltour waren von schlechtem Wetter begleitet. Auf mehreren seiner insgesamt 90 angesteuerten Campingplätze war der Fahrenhorster der einzige Gast, gleichwohl spulte er sein Programm wie geplant ab. Er hatte 92 Fahr- und 79 Ruhetage, an denen er sich Land und Leute anschaute und Sehenswertes besichtigte. Er lernte viele freundliche, aufgeschlossene und hilfsbereite Menschen kennen.

Söhne retten Tour

Nicht eingeplant war, dass sein alter MAN in der Nähe von Fürstenwalde mit einem defekten Zylinderkopf schlapp machte. Seine Söhne kamen, um das Dieselross zu reparieren, kehrten aber erfolglos zurück nach Fahrenhorst. Dort luden sie den zweiten Oldtimer, einen Hanomag R 19, auf einen Trailer und transportierten diesen in die Mark Brandburg. Auf dem Rückweg nahmen sie den MAN mit. Wegen der Panne musste Christian Seevers die geplante Route verändern. Immerhin herrschte herrlichstes Sommerwetter, nachdem er die Traktoren getauscht hatte.

Auf dem Hanomag erlebte er keinen einzigen Tropfen Regen mehr. Das war auch gut so, denn der Traktor hatte kein Verdeck. Nachdem der MAN bereits 4 310 Kilometer zurückgelegt hatte, musste der Hanomag noch 1 152 Kilometer schaffen, bis Fahrenhorst wieder erreicht war. Auf seinem Fahrrad legte er noch weitere 1 392 Kilometer zurück, was allerdings nur bis Niebüll möglich war, denn dort wurde ihm sein Drahtesel gestohlen.

In seiner angehängten, sieben Quadratmeter großen „Eigentumswohnung“ zieren die Wappen der vielen Städte, die er besucht hat, die rechte Wand. Darunter hängt eine Landkarte mit der säuberlich eingezeichneten Reiseroute. Seevers hat auch Tagebuch geführt: Unter www.man.mein-verein.de lassen sich viele Ereignisse und Erlebnisse nachlesen.

Dass dort nur Bruchteile des Erlebten aufgeführt sind, wird deutlich, wenn Seevers ganz persönliche Eindrücke schildert, die er nach eigener Auskunft „niemals vergessen“ wird.

Immer an die Ehefrau gedacht

Er hat einen Ratschlag für alle, die sich mit dem Gedanken an ein ähnliches Abenteuer tragen: „Du musst offen für andere Menschen sein und eine Frau haben, die damit einverstanden ist. – Ich habe vor 33 Jahren wohl doch die Richtige geheiratet.“ Allerdings hat er seiner Elke auch jeden Tag eine Postkarte geschrieben.

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