Großer Müllhaufen „Spitze des Eisbergs“

Janosch Nolte kümmert sich um Unrat in Steller Heide

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Janosch Nolte inmitten des von ihm und seinen beiden Kindern zusammengetragenen Müllbergs aus dem Tümpel hinter ihm.

Groß   Mackenstedt - Von Andreas Hapke. In der Landwirtschaft ist wegen der über Monate anhaltenden Dürre von schlechten Erträgen die Rede. Der Groß Mackenstedter Janosch Nolte hingegen meldet aus dem selben Grund eine „Rekordernte“: Gemeinsam mit seinen beiden Kindern, sechs und neun Jahre alt, hat er einen kunterbunten Haufen Müll aus einem fast ausgetrockneten Tümpel in der Steller Heide zusammgetragen. Doch wohin damit? Bis Nolte bei der richtigen Adresse landete, hatte er nach eigener Auskunft „15, 17 Telefongespräche“ geführt.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Nolte um den Unrat aus dem Gewässer in der Nähe der Kreuzung Kronschlatt/Am Großen Heerweg kümmert. „Ich habe schon mal einen Haufen Reifen an die Straße gestellt, und irgendwann hat der Bauhof sie abgeholt“, berichtet er.

Den jüngsten Müllstapel allerdings wollte er nicht aus dem Wald an die Straße schleppen. Auch diesmal waren diverse Reifen dabei, aber unter anderem auch Töpfe, Flaschen, ein Auspuff, Rohre, Felgen, Stühle, eine Granate ohne Zünder, das Rücklicht eines Mofas, eine Wasserpfeife und Leitpfosten, die von der Straße in den Wald geschleppt und im Teich versenkt wurden. „Das passiert häufiger“, sagt Nolte. Er hebt eine Bierdose auf, die seiner Meinung nach „etwas fürs Becks-Museum wäre, so alt wie die ist.“ Hinzu kommen schätzungsweise zehn Liter Altöl in Kanistern, die Nolte selbst schon als Sondermüll zur AWG in Melchiorshausen gebracht hat.

Nach diversen Regenfällen ist der Teich inzwischen wieder mehr als Gewässer denn als Müllhalde zu erkennen. Einzig eine Achse oder Deichsel ragt aus dem Wasser heraus und lässt auf einen eingesunkenen Anhänger schließen. In dem Morast vermutet Nolte aber noch viel mehr Müll. Seinen Fund bezeichnet er sogar nur als die „Spitze des Eisbergs“.

Das Gelände ist Übungsplatz für die Bereitschaftspolizei . . .

Der Tümpel liegt in einem Areal, das der Stadt Bremen gehört. Sie nutzt das Gelände hin und wieder zu Übungszwecken ihrer Bereitschaftspolizei. Gleichzeitig handelt es sich um ein Naturschutzgebiet, das die Bewohner Groß Mackenstedts gerne für die Naherholung nutzen. Das dürfen sie nur dann nicht, wenn rote Flaggen vor einer Übung warnen. Auch Janosch Nolte geht gerne dort spazieren und will es nicht hinnehmen, dass der Unrat das Gebiet verschandelt. „Das hier liegt mir am Herzen.“

Da die Hansestadt auf einem Schild als Eigentümer ausgewiesen ist, hat sich Nolte bis zum Dienstleister Immobilien Bremen durchgefragt. Der ist – als Anstalt öffentlichen Rechts geführt – für die meisten öffentlich genutzten Grundstücke und Gebäude der Freien Hansestadt zuständig. Dort habe er erfahren, dass man sich gegen Jahresende um die Angelegenheit kümmern wolle, berichtet Nolte.

 . . . und Landschaftsschutzgebiet zugleich.

Notwendig ist das aber nicht, wie Mareike Gebenus vom Team Abfall- und Bodenschutz des Landkreises erklärt: „Wir behandeln das als wilde Müllablagerung im Außenbereich. Dort ist es schwierig, dies einem Verursacher oder dem Eigentümer zuzuordnen.“ Der Landkreis als Untere Abfallbehörde beauftrage in der Regel die AWG mit der Beseitigung des Unrats. „Aber manchmal ist das Gelände so verwinkelt, dass man mit den Fahrzeugen da nicht rankommt. Dann übernimmt das der Bauhof der betreffenden Gemeinde, und die stellt uns den Einsatz in Rechnung.“ Geregelt ist das in Paragraf 10 des Niedersächsischen Abfallgesetzes, das sich mit verbotswidrig lagernden Abfällen beschäftigt.

Tatsächlich hat inzwischen ein Mitarbeiter des Bauhofs den Müll abgeholt. Nolte führt das auch auf ein Telefonat dieser Zeitung mit dem Stuhrer Umweltbeauftragten Marc Plitzko zurück, der wiederum umgehend den Landkreis informierte. Nolte: „Es ist schon erstaunlich, wie schnell das auf einmal ging.“ Laut Plitzko kommt es nicht so selten vor, dass Schlatts und Tümpel im ländlichen Raum als wilde Müllkippen dienen. Eine Statistik darüber, wie oft ein Verstoß ans Tageslicht gelangt, gebe es nicht, sagt Gebenus. Es sei aber in den vergangenen Jahren seltener geworden.

In der Steller Heide jedenfalls werden Nolte und sein Nachwuchs weiterhin die Augen offenhalten. „Mein Sohn fand das richtig spannend“, sagt er. „Der wollte das Gebiet hier direkt mit einem Detektor absuchen. Aber wer weiß, worauf wir dann noch gestoßen wären.“

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