Vor 25 Jahren kam der erste Stipendiat in die Künstlerstätte

Stempelkreuz und Skulpturen im Mühlenteich

Edgar Wöltje (l.) und Hermann Rendigs vor dem Stempelkreuz des ersten Bildhauerstipendiaten Siegfried Pietrusky.
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Edgar Wöltje (l.) und Hermann Rendigs vor dem Stempelkreuz des ersten Bildhauerstipendiaten Siegfried Pietrusky.

Heiligenrode - Von Sandra Bischoff. Über 40 Maler und Bildhauer haben in der Künstlerstätte bisher gelebt und gearbeitet. In diesem Jahr feiert die Einrichtung ihr 25-jähriges Bestehen. Der ehemalige Gemeindedirektor Hermann Rendigs hatte den Kauf der Wassermühle und ihrer Nebengebäude forciert.

Nach und nach kaufte die Gemeinde zwischen 1977 bis 1979 der Besitzerfamilie Steffens das Ensemble ab. „Es war wichtig, diesen historischen Teil Stuhrs zu erhalten“, sagt Rendigs. Allerdings sei anfangs noch gar nicht klar gewesen, was damit geschehen sollte.

Die Politik habe damals dem Schulen- und Sportstättenbau eine höhere Priorität eingeräumt. Aber nach und nach fand die Idee der Verwaltung, Heiligenrode künstlerisch aufzuwerten, auch bei den größten Kritikern Anklang. Aus Heiligenrode sollte ein kleines Worpswede werden.

1980 war das Ensemble unter Denkmalschutz gestellt worden. Die Verwaltung erarbeitete ein Nutzungskonzept, das der Rat am 1. September 1981 absegnete. „Bis dahin hatte es lebhafte Diskussionen gegeben“, sagt Rendigs.

Das Konzept sah vor, im Müllerwohnhaus Atelierwohnungen für Künstler einzurichten. Im Haus gegenüber entstanden zudem zwei Werkstätten und eine weitere Wohnung.

„Uns war schnell klar, dass wir die Bildende Kunst fördern wollten, wir fanden Literatur oder Musik nicht passend für Heiligenrode“, sagt Rendigs. Im Bereich der Malerei fehlte damals noch eine Nachwuchs-Förderschiene, und Stuhr sprang auf den Zug auf. Die Bedingung war jedoch, dass die Gemeinde Künstler nur förderte, wenn das Land die Kommune unterstützte.

Zuerst sanierte die Kommune das Müllerwohnhaus und baute den Dachboden aus, in dem sich seitdem zwei Wohnungen befinden. Das Untergeschoss wird für Ausstellungen genutzt. 1985 wurde das Haus der Öffentlichkeit übergeben. Es folgten die Sanierung der Mühle, dann der Umbau des alten Müller- und Schäferwohnhauses. Insgesamt 3,4 Millionen Mark ließ sich die Gemeinde die aufwendigen Arbeiten kosten.

Mit Hermann Sommerhage zog im Juli 1989 der erste Stipendiat der Malerei ein. 1000 DM erhielt er pro Monat und durfte ein Jahr lang kostenlos in der Künstlerstätte wohnen. Mittlerweile bekommen die Nachwuchskünstler 1400 Euro pro Monat und sind nur noch zehn Monate zu Gast in Stuhr. Seit 1991 vergibt die Gemeinde zusätzlich ein Stipendium für Bildhauerei. Siegfried Pietrusky war der erste, der das Angebot in Anspruch nahm. Heute erinnert das Stempelkreuz vor dem Rathaus an ihn.

Anfangs förderte das Land ein Stipendium zur Hälfte, seit 2001 finanziert es eins der beiden Stipendien komplett.

Von jedem Künstler versucht die Kommune ein Objekt zu erwerben. „Das ist bei Konzeptkunst aber manchmal schwierig“, sagt der Kulturbeauftragte Edgar Wöltje. Die fünf wasserspeienden Figuren im Mühlenteich sind das Werk von Petra Förster aus dem Jahr 1995. Damit zeigten sich die Anwohner anfangs gar nicht einverstanden, erinnert sich Rendigs. „Die Schützen und der Heimatverein wollten die Skulpturen partout nicht, diese würden die Dorfidylle stören, hieß es.“ Heute seien sie ortsbildprägend.

Besonders zu den ersten Stipendiaten habe er eine enge Beziehung gehabt, sagt Wöltje. Mit einigen, wie zum Beispiel Alexander Kühn, von dem ein Werk in Wöltjes Büro hängt, sei er mittlerweile gut befreundet. Auch heute noch ist der Kulturbeauftragte Ansprechpartner, zum Beispiel wenn es um die Beschaffung von Material geht. Aber auch bei Lebenskrisen und Liebeskummer lieh Wöltje dem künstlerischen Nachwuchs sein Ohr. Schöne Ereignisse hat es ebenfalls gegeben: So brachte Elisabeth Stumpf während ihrer Zeit in Heiligenrode vor wenigen Monaten ihr Baby zur Welt.

Das Stipendium habe einen guten Ruf, sagt Wöltje. Die Bewerbungen seien in jedem Jahr zahlreich, auch wenn nicht jeder Betrachter etwas mit zeitgenössischer Kunst anfangen könne.

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