Ortsteil feiert besonderen Geburtstag

400 Jahre von Eggese in Stein gemeißelt

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Am 30. September feiern die Eggeser das 400-jährige Bestehen ihres Dorfes am Gedenkstein. 

Eggese - Von Ulf Kaack. Vier Jahrhunderte ist es her, dass das Örtchen Eggese gegründet wurde. So steht es in Stein gemeißelt auf einem Findling. Das wollen die Einwohner am 30. September in kleinem, aber angemessenen Rahmen feiern.

Denn exakt vor 15 Jahren wurde in der Siekstraße im Beisein des damaligen Bürgermeisters und heutigem Landrats Cord Bockhop ein fünfeinhalb Tonnen schwerer Findling aufgestellt und feierlich eingeweiht. Der rotfarbene Stein trägt die Inschrift „Eggese seit 1617“. Zwei Bänke stehen rechts und links, ein paar Pfähle davor. Eine Art Freiluft-Dorfgemeinschaftshaus, wo die Eggeser oft und gerne zusammenkommen.

Dem voran gingen umfangreiche Recherchearbeiten engagierter Heimatforscher. Und die waren nicht ganz einfach zu bewerkstelligen. Bei der Erkundung der Dorfgeschichte gingen die Informationen und Zeitangaben in Urkunden und Dokumenten oftmals weit auseinander. „Ein konkretes Gründungsdatum gibt es für Eggese nicht“, sagt Thomas Türke, der hier seit 21 Jahren lebt und damals den Findling organisiert hat. „Aufgrund der vorliegenden Daten hat man das Jahr 1617 vielmehr eingekreist.“

Geprägt von der Landwirtschaft 

Bis heute ist Eggese von der Landwirtschaft geprägt. Und auf die geht auch der Name des Ortes zurück. Er leitet sich ab aus der Tätigkeit des Eggens, einer Form der Bodenbearbeitung.

Der erste Hof, der hier errichtet wurde, war der des Bauern Diedrich Mahlstedt. Er richtete „im Holze, die Egge genannt eine harpstedtliche Köthnerstelle ein“, notierte der Schreiber des Amts Harpstedt, in dessen Verwaltungsbezirk das Gebiet seinerzeit fiel. Eine verbindliche Zeitangabe gibt es dazu aber nicht, zumal die Originalurkunde bei einem Luftangriff auf Hannover im Landesarchiv ein Opfer der Flammen wurde.

Überliefert ist ein langjähriger Streit zwischen dem Amt Harpstedt und dem Heiligenroder Kloster um die Hofstelle des Bauern Mahlstedt. Das hemmte offensichtlich die weitere Entwicklung, denn erst 1650 entstand das zweite Haus in Eggese. Kirchlich und wirtschaftlich waren die hier lebenden Menschen mit dem Kloster in Heiligenrode verbunden. Sie waren dem Kirchspiel zugeordnet und die Bauern hatten dem Kloster Dienste und Abgaben zu leisten.

Keine Infrastruktur 

Eggese ist ein beschaulicher Ort, an dem die großen Ereignisse der Weltgeschichte vorbeirauschten. Infrastruktur in Form von Handel, Industrie und Gewerbe gab‘s und gibt’s hier nicht. Alles Lebensnotwendige hat man in Heiligenrode, Groß Mackenstedt und Bremen ja direkt vor der Haustür.

Nur während des Zweiten Weltkriegs ging es in Eggese aufgeregt und kriegerisch zu. Die Flak-Gruppe Bremen-Süd eine Batterie mit großkalibrigen Luftabwehrgeschützen. Bei den zahlreichen Bombenangriffen auf die Hansestadt rumste es regelmäßig gewaltig im Dorf. Am 26. November 1943 stürzte ein amerikanischer B-17-Bomber in Eggese ab. Drei Männer der Besatzung kamen ums Leben, fünf wurden gefangengenommen. Mehrere Scheunen brannten nieder.

Nach dem Kriegsende wurden die gemauerten Baracken der Flak-Stellung von Flüchtlingen bezogen. Heute dienen sie als Schrauberwerkstätten oder werden landwirtschaftlich genutzt.

Hervorragende Zusammenhalt im Dorf

Was Eggese auszeichnet, ist der hervorragende Zusammenhalt im Dorf. „Den Findling und den Transport hierher haben wir damals ohne Kosten organisiert, für die Inschrift haben wir alle zusammengeschmissen, und die Bänke und Pfähle zur Abrundung des Ensembles hat die Gemeinde Stuhr spendiert“, erinnert sich Thomas Türke. „Seitdem gibt es die Steingemeinschaft, die sich hier trifft, alles schmuck und sauber hält. Wir haben eine gemeinsame Kasse, aus der wir regelmäßig Grillfeste finanzieren. Im Dezember steht hier ein Weihnachts- und im Frühjahr ein Pfingstbaum.“

Anlässlich der 400-Jahr-Feier wird die Steingemeinschaft etwas größer feiern, dabei aber keinesfalls zu dick auftragen.

Am 30. September um 17 Uhr geht’s los mit Grillen und Getränken. Festreden und Tanzmusik stehen dabei nicht auf dem Programm. „Angemessen soll es sein, schlicht und gemütlich“, lächelt Thomas Türke. „So wie Eggese und seine Einwohner halt sind seit vier Jahrhunderten.“

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