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Jägerschaft erhält Zuschuss für Feuchtbiotop in Stuhr-Heiligenrode

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Von: Andreas Hapke

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Kooperation in Sachen Biotop: (v.l.) Die Jagdpächter Frank Bielefeld und Hayo Wilken (Projektleiter), Hannes Göttsching (Pressebeauftragter Jägerschaft Syke), Nabu-Vorsitzender Jörg Böttcher und Stuhrs Umweltbeauftragter Marc Plitzko stehen 50 Meter vor dem künftigen Gewässer am Bruchdamm.
Kooperation in Sachen Biotop: (v.l.) Die Jagdpächter Frank Bielefeld und Hayo Wilken (Projektleiter), Hannes Göttsching (Pressebeauftragter Jägerschaft Syke), Nabu-Vorsitzender Jörg Böttcher und Stuhrs Umweltbeauftragter Marc Plitzko stehen 50 Meter vor dem künftigen Gewässer am Bruchdamm. © Marten Vorwerk

Die Jägerschaft erhält einen Zuschuss für ein Feuchtbiotop im Stuhrer Ortsteil Heiligenrode. Fliegende und wandernde Tiere profitieren. Sie können dort künftig einen Zwischenstopp einlegen.

Stuhr – Die Gemeinde ist ihrem Vorhaben, am Heiligenroder Bruchdamm ein sogenanntes Trittbrettbiotop anzulegen, einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Nach einem erfolgreichen Förderantrag der Jägerschaft bei der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung steht nun das dafür erforderliche Geld zur Verfügung. Der Zuschuss beläuft sich auf 21900 Euro.

„Wenn man bedenkt, dass das gesamte Projekt um die 26 000 oder 27 000 Euro kostet, dann ist der Zuschuss schon eine große Nummer“, sagt Hayo Wilken, der sich für die Projektgruppe Heiligenrode der Jägerschaft Syke um die Antragstellung gekümmert hat. Das Feuchtbiotop soll einen neuen Lebensraum für Tiere wie Brachvogel und Austernfischer schaffen. Laut dem Umweltbeauftragten Marc Plitzko profitieren „alle möglichen Arten“ von dem Gewässer und den vorgesehenen Anpflanzungen. Er spricht von einem wichtigen Nahrungshabitat für die Insekten, speziell Libellen würden sich dort wohlfühlen. Amphibien wie Frösche, Molche und Kröten könnten zu dem Gewässer wandern und dort laichen.

Die Fläche befindet sich zwischen der Delmenhorster Straße (B 322) im Norden und der Neukruger Straße im Süden. Sie liegt somit zwischen den zwei vorhandenen Biotopen auf der anderen Straßenseite der B 322 und dem Henkenmoor – ein idelaer Zwischenstopp für wandernde und fliegende Tiere.

Jäger sind nicht nur Beutemacher, sondern auch Tier- und Naturschützer.

Hayo Wilken

Der Rückgang von Tier- und Pflanzenarten mache sich auch in Stuhr bemerkbar, heißt es in einer Mitteilung. In den vergangenen Jahrzehnten seien viele landwirtschaftliche Flächen trockengelegt sowie Hecken und Gehölze entfernt worden, um Monokulturen wie Mais anzubauen. Die Jägerschaft Syke wolle dem ein Projekt entgegensetzen und Lebensräume im Sinne der Artenvielfalt zurückerobern. „Jäger sind nicht nur Beutemacher, sondern auch Tier- und Naturschützer“, betont Wilken.

Bei Plitzko rannte er mit der Idee offene Türen ein. „Aus kommunaler Sicht ist das ein Beitrag zum Biotopverbund. Eine passende Ergänzung zu den Ausgleichsmaßnahmen der Gemeinde“, sagt der Umweltbeauftragte. Am Bruchdamm sehen die beiden herausragende Voraussetzungen für das Vorhaben. „Die Fläche gehört der Gemeinde. Sie liegt im Landschaftsschutzgebiet und dort in einer Senke, die sich mit Wasser füllt“, erklärt Wilken.

Bei einem Vor-Ort-Termin mit der Kreiszeitung im Oktober 2020 verwies Plitzko zudem auf die vorhandenen Wildpflanzen wie Spitzwegerich, Hahnenfuß, Klee, Wicke, Wiesenschaumkraut und Löwenzahn. Gehölze wie die Erle finden sich dort ebenfalls. Dadurch, dass die Kommune die ursprünglich landwirtschaftlich genutzte Fläche wieder verpachtet hat, wird regelmäßig gemäht. Das schafft Platz für die Wildpflanzenvielfalt.

Größe der Gesamtfläche steht noch nicht fest

Für das Vorhaben hat sich die Verwaltung bei der Unteren Wasserbehörde die Erlaubnis geholt. „Man kann ja nicht einfach im Landschaftsschutzgebiet tätig werden“, sagt Wilken. Seiner Auskunft nach handelt es sich bei dem geplanten Gewässer um ein 50 bis 60 Meter langes Oval, die Größe der Gesamtfläche stehe noch nicht endgültig fest. „Wir müssen noch die eine oder andere Anpflanzung abstimmen. Zwischen 2500 und 3000 Quadratmeter dürften es aber werden.“

Laut Wilken hat der Kampfmittelräumdienst die Fläche bereits inspiziert und nichts Verdächtiges gefunden. Im nächsten Schritt werde das Areal abgesteckt, und eine Heiligenroder Firma rücke mit „großem Gerät“ für die Erdarbeiten an. Die sollen möglichst Anfang April abgeschlossen sein. „Dann beginnt die Brut- und Setzzeit, an die wir als Gemeinde uns natürlich auch halten wollen.“ Auszuschließen sei aber nicht, „dass wir noch zwei Wochen in den Zeitraum reinrutschen“. Die Fertigstellung des Gewässers ist für Ende Mai geplant. „Das“, sagt Wilken, „steht auch so als Auflage im Bewilligungsbescheid.“ Ein Schild werde die Spaziergänger darauf aufmerksam machen, was entsteht und wie es dazu kam.

Bei dem Projekt kooperieren die Jägerschaft Syke als Antragstellerin, der Nabu als Ratgeber und die Gemeinde als Eigentümerin der Fläche, um gemeinsam die Biotopentwicklung- und -vernetzung im Landkreis Diepholz voranzutreiben. Die Kommune kommt außerdem für den Eigenanteil der Investition auf. Laut Mitteilung ist die Maßnahme durch die Einbettung in das schon vorhandene Landschaftsschutzgebiet langfristig gesichert.

Ein Projekt der Win-Region

Das Biotopverbundnetz ist ursprünglich als Projekt der Win-Region entstanden – jener Zusammenschluss der Nordkreisgemeinden, dem Stuhr und Weyhe nun den Rücken kehren. „Es wird aber definitiv weitergeführt, unabhängig von der institutionellen Seite“, versichert Marc Plitzko.

Der Biotopverbund ziele auf Verknüpfungen über die Gemeindegrenzen hinweg ab. „Auch die Kontakte auf fachlicher Ebene werden erhalten bleiben.“ So sieht es auch Bürgermeister Stephan Korte. Der Gedanken hinter dem Biotopverbundkonzept hänge nicht am Fortbestand der Win-Region. „Dies ist allein schon durch das Fachplanungsrecht vorgegeben. Das ist für uns eine Richtschnur.“

Von Andreas Hapke

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