9. Akkordeonale

Intensive und virtuose Klangerlebnisse auf Gut Varrel

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Die Russin Alevtina Nikitina am Bayan.

Varrel - Von Uwe Goldschmidt. Bereits zum neunten Mal hat der Holländer Servais Haanen sein Akkordeonfestival auf die Bühne der Gutsscheune Varrel gezaubert.

Unter dem Titel Akkordeonale lieferten Künstler mehrerer Nationen am Freitagabend den Beweis, dass aus dem heute eher ein Nischendasein fristenden Instrument mehr herauszuholen ist, als es Onkel Fritz zu später Stunde auf der Familienfeier auf dem Schifferklavier oder der Quetschkommode vermochte.

Das Konzert lebte vom Wechsel zwischen Soli und Ensemblestücken, so wie es Haanen auch nach dem ersten gemeinsamen Stück aller Musiker „Fliegende Wechsel“ ankündigte. Für den solistischen Auftakt war der aus Madagaskar stammende Rinah Rakotovao zuständig, der barfuß in Schlappen und mit Strohhut das Folkelement verkörperte und sein Spiel mit Gesang anreicherte.

Das Kontrastprogramm dazu bot die junge Russin Alevtina Nikitina, die sich Moderator Haanen vor dem ersten Treffen „in einem Schlitten mit drei Pferden, Troika nennt man das, ganz in weißem Pelz“, vorgestellt hatte. Auf ihrem schweren Bayan (die osteuropäische Form des Chromatischen Knopfakkordeons) ließ sie das Rondo Capriccioso von Vladimir Zolotaryov so intensiv und virtuos ertönen, dass die Gutscheue die Klangfülle und Komplexität ihrer Spielweise kaum fassen konnte und dass die Zuhörer in Staunen versetzt wurden. 

Dabei hatte sie fast durchgehend die Augen geschlossen und verschmolz förmlich mit ihrem Instrument. Die erst 24-Jährige kommt aus dem Nordwesten Russlands, aus Pskov an der Grenze zu Estland, spielt seit ihrem achten Lebensjahr Akkordeon und hat ihr Studium in Sankt Petersburg am Rimsky-Korsakov-Konservatorium erst 2014 abgeschlossen.

Bayrische Grooves

Bayrische Grooves sollte Stephan Staubinger, der eigentlich einmal Architekt werden wollte, auf dem Bandoneon mitbringen. Er präsentierte zunächst seinen Faschingswalzer, den er als Filmmusik für einen Krimi komponiert hatte. Dazu bediente er sich thematisch bei den bekannten Zitherklängen von Anton Karas‘ „Harry-Lime-Thema“. Seinen folgenden „Jazz-Landler“ ergänzte er eindrucksvoll mit Bebop-Gesang.

Nur als Begleitmusikerinnen wurden Catriona Price (Geige) und Esther Swift (Harfe) aus Schottland angekündigt. Doch als Duo „Twelfth Day“ boten die jungen Künstlerinnen deutlich mehr. Ihre Freundschaft und gemeinsamer Humor schienen offensichtlich, als sie ihre Inspiration aus traditionellem Folk, klassischen Elementen, Pop und Minimal-Music bei der „Ode an die Seemöwen“ zu Gehör brachten und dafür viel Beifall bekamen.

Vervollständigt wurde die „Artistenriege“ durch Laurent Derache. Seine Ausbildung als Akkordeonist/Musiker führte ihn durch zahlreiche Konservatorien und Akademien. Der Franzose widmete sich in Stuhr zunächst der traditionellen Ball-Musette-Tradition, bevor auch er brillant und leidenschaftlich seine ausgefeilten und teils improvisierten Jazzkompositionen darbot, zum Beispiel in dem Stück „Escape“, welches sich um die immer verrückter werdende Welt dreht.

Zum Abschluss des Konzerts versammelten sich noch einmal alle Aktiven auf der Bühne und verabschiedeten sich vom begeisterten Publikum mit russischen Volksweisen, wie dem sentimentalen Lied der Wolgaschlepper.

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