Individuelle Lösungen für anspruchsvolle Bewohner

Von hoch bis hell: Der Nabu hängt neue Nistkästen für Vögel in Moordeich auf

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Rita Wolff (l.) und Lore Friedrichs mit einem der 13 neuen Nistkästen. Gut zu erkennen der „Vorplatz“ hinter der Klappe. Er verhindert, dass Fressfeinde wie Katzen in das Nest greifen können. 

Moordeich - Von Andreas Hapke. Naturschutz fängt bei einem selbst an. „Zum Beispiel wenn man seinen Garten naturnah anlegt“, sagt Rita Wolff. Ihr Engagement und das von Lore Friedrichs geht einen Schritt weiter. Als Mitglieder des örtlichen Naturschutzbunds (Nabu) setzen sich die beiden für die heimische Vogelwelt ein. Sie betreuen die Nistkästen am Gut Varrel, im Heiligenroder Wald, im Bradenholz in Fahrenhorst und im Biotop in Moordeich. Dort haben Wolff, Friedrichs und ihre Mitstreiter jetzt 13 neue Häuschen aufgehängt.

Lore Friedrichs (l.) und Rita Wolff präsentieren Nester aus gereinigten Nistkästen. Ergebnis: in beiden Fälle eine gesunde Brut. 

Die Nisthilfenbetreuung für Singvögel, Fledermäuse und Insekten ist ein eigener Fachbereich des Nabu Stuhr. Dessen Mitglieder fertigen die Unterkünfte an, halten sie instand, säubern sie und protokollieren das Geschehen. Insgesamt hängen in den vier Gebieten rund 300 Nisthilfen, davon mehr als 200 für Vögel. Im Moordeicher Biotop haben die Naturschützer bislang insgesamt 21 Kästen aufgehängt. „Wir haben hier erst vor eineinhalb Jahren angefangen“, begründet Wolff. Die Wohnungsnot sei groß, da die Bäume noch nicht sehr alt seien und kaum über Höhlen verfügten, in denen sich die gefiederten Freunde gerne einrichten würden. „Es sind viele Höhlenbrüter wie Meisen hier unterwegs“, sagt Wolff.

Im Zuge der jüngsten Nistkastenoffensive haben die Frauen den Bestand bereits gereinigt. „Normalerweise machen wir das erst nach der Brutsaison im Herbst, aber in diesem Fall hat das sogar den Vorteil, dass zum Beispiel die Blaumeise bei einer weiteren Brut nicht noch ein Nest auf das vorhandene baut“, sagt Friedrichs.

Anhand der verlassenen Nester können Wolff und Friedrichs mit Bestimmtheit sagen: „Es waren erfolgreiche Bruten, es gab keine toten Tiere.“ Wichtig vor der Säuberung laut Wolff: „Vorher anklopfen. Man weiß nie, wer einen anfaucht. Einmal hatte es sich eine Fledermaus in einem Häuschen gemütlich gemacht.“

Mit dem Aufhängen der 13 neuen Nistkästen waren die Frauen nach eigener Auskunft zwar spät dran, „doch so können die Vögel schon früh ein Winterquartier beziehen“, sagt Wolff.

Wer nun denkt, Nistkasten ist gleich Nistkasten, der irrt. Vögel sind auf ihrer Wohnungsuche wählerisch. Wer welche Unterkunft mag, weiß Lore Friedrichs aus ihrer langjährigen Erfahrung. Ihrer Auskunft nach mag es die Blaumeise hell, weshalb ihr Haus drei Löcher mit einem Durchmesser von jeweils 27 Zentimetern erhält. Kohlmeise und Sperling schlüpfen durch ein 32 Zentimeter großes, der Star durch ein 45 Zentimeter großes Loch in den Kasten. Halbhöhlenbrüter wie das Rotkehlchen, die Bachstelze und der Grauschnäpper bevorzugen große, ovale Eingänge.

Die besten Chancen für den Nachwuchs

Die gleiche gilt für den Anspruch an die Inneneinrichtung. „Die Blaumeise nimmt feines Material, sie mag weiße Federn“, sagt Friedrichs. Anders die Kohlmeise, die eine grobere Unterlage bevorzuge, etwa aus Heidekraut, während der Kleiber Rinde benötigt. Ein Kauz würde sich niemals in einer Höhe unterhalb von sechs Metern einrichten. Friedrichs könne 99 Prozent der Nester bestimmen, sagt Wolff. „Die Nesterkunde hat sie mir beigebracht.“

Die Nistkästen stellt die Gruppe selbst her, wobei den Männern die Aufgaben des Sägens und Schraubens zukommen. Der Clou: Hinter der Klappe eines jeden Kastens haben die Häuslebauer einen kleinen „Vorplatz“ eingerichtet. „Damit die großen Vögel nicht auf ihren Nachwuchs springen und kein Regen ins Nest kommt. Denn dann könnte das Fell der Kleinen klamm werden, und sie erfrieren“, erklärt Wolff. Weil die Tiere nicht auf dem Vorplatz brüten würden, hätten zudem Fressfeinde wie Katzen keine Chance, ans Nest zu gelangen. „Die Vögel sollen die besten Chancen haben, ihren Nachwuchs großzuziehen.“

Das Engagement des Fachbereichs lobt der Stuhrer Umweltbeauftragte Marc Plitzko in höchsten Tönen. Bares gab es dafür mal von einer Dohle: Sie hatte ein Geldstück in ihrem Kasten hinterlassen.

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