„Moderna klar bester Impfstoff“

Impfen in Stuhr: Heiligenroder Hausarzt Piet Lueßen richtet eine Außenstelle ein

Arzt vor der Außenstelle seiner Praxis.
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Piet Lueßen freut sich ab Montag auf viele Impfwillige.

Der Heiligenroder Hausarzt Piet Lueßen impft und testet ab sofort nicht mehr in seiner Praxis. Eigens für diese Leistungen hat er eine Außenstelle an der Harpstedter Straße 83 eingerichtet. Der Startschuss fällt am Montag. Seine Praxis habe die Masse an Patienten nicht mehr aufnehmen können, sagt Lueßen.

Heiligenrode – In der Gemeinde Stuhr gibt es ab kommender Woche ein weiteres Impfangebot. Ein Team der Heiligenroder Hausarztpraxis von Piet Lueßen verabreicht den Impfstoff gegen das Coronavirus dann an der Harpstedter Straße 83. Es ist ein niedrigschwelliges Angebot, das sich an alle Bewohner richtet. „Sie müssen nicht Patienten unserer Praxis sein“, betont Lueßen. Gleichzeitig besteht dort die Möglichkeit, sich testen zu lassen.

Schon in den vergangenen Wochen hatte Lueßen es so gehandhabt, dass zum Impfen kommen konnte, wer wollte. „Das hat sich herumgesprochen. Von Tag zu Tag waren mehr Menschen da. Zuletzt haben wir täglich 100 Personen geimpft.“

Darunter habe jedoch die hausärztliche Betreuung gelitten. Nicht nur die Räume, auch die Parkplätze seien rappelvoll gewesen. „Wir strangulieren unsere Praxis“, dachte sich Lueßen und kam zu dem Entschluss, das Impfen auszulagern. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort stieß er auf das Gebäude an der Harpstedter Straße 83, direkt neben dem Fitnessstudio Neo Sports.

Lueßen spricht nicht von einem Impfzentrum. „Das klingt zu dramatisch.“ Es soll eine Außenstelle seiner Praxis sein, wo sich Bürger ohne Terminabsprache ihren Piks abholen können. „Wo man weiß: Da kann ich hingehen. Und das immer zur gleichen Zeit, von Montag bis Freitag zwischen 8 und 13 Uhr“, sagt Lueßen. „Natürlich nur, solange wir Impfstoff bekommen.“ Erst gestern habe es einen Engpass gegeben, weshalb es Montag knapp werden könnte. Spätestens Dienstag sollte das Problem laut Lueßen behoben sein. „Aber man weiß nie. Der Staat hat uns schon häufiger hängen lassen.“

Parkplätze gibt es genug an der Harpstedter Straße.

Lueßen erinnert an Wochen mit insgesamt 30 Dosen pro Hausarztpraxis. „Das ist eine homöopathische Versorgung bei gleichzeitiger Diskussion darüber, ob die Impfzentren wieder öffnen und die Apotheken mitimpfen sollen.“ Nun gebe es wieder einen Mangel an Impfstoffen bei exponentieller Verbreitung des Virus. Lueßen spricht von einem Déjà-vu.

Ein Arzt der Praxis sowie jeweils zwei Arzthelferinnen werden sich in der Außenstelle um die Bürger kümmern. Was das Testen angeht, bekommt die Praxis Unterstützung von Angestellten des Fitnessstudios. Dabei gehe es zum einen um verwaltungstechnische Aufgaben, zum anderen aber auch um den Abstrich für den Fall, dass das Lueßen-Team mit den Impfungen ausgelastet sei.

„Die Mitarbeiter werden für diese Aufgabe geschult. Wir wollen die Wartezeiten kurz halten“, erklärt Lueßen. In Zusammenarbeit mit dem Studio sei ohnehin eine Teststation geplant gewesen. „Das konnten wir bei uns nicht mehr leisten. Jetzt sprengt auch das Impfen den Rahmen.“

An Dezember-Samstagen Impfungen bei Ikea

Die Außenstelle an der Harpstedter Straße ist nur zwischen Weihnachten und Neujahr für das Impfen geschlossen und bleibt bis mindestens Mitte Januar geöffnet, getestet wird durchgehend. Damit nicht genug: In Absprache mit Ikea wird die Hausarztpraxis an den Dezember-Samstagen auch im Eingangsbereich des Möbelhauses impfen. Das Angebot am 4., 11. und 18. Dezember gilt zu den Öffnungszeiten des Geschäfts. Lueßen: „Viele Unentschlossene haben keinen Hausarzt. Man erreicht sie nicht anders.“

Trotz dieses zusätzlichen Aufwands könne er wirtschaftlich arbeiten, sagt Lueßen, wenngleich er die Leistungen nur zu einem Bruchteil dessen abrechnen könne, was ein Impfzentrum veranschlage. „Ich komme auch mit Überstunden und Sonderzulagen zurecht.“ Die Belastung für sein Personal hingegen sei enorm. „Ich musste eine Urlaubssperre verhängen. In einer Zeit, wo man vielleicht mal zwei Tage frei haben möchte, um Dinge vor Weihnachten zu erledigen.“ Gerade die Impfaktion bei Ikea bedeute ein großes Opfer für sein Team.

An Schwangere, Kinder und Männer unter 30 Jahren verimpft Lueßen Biontech. Grund: Moderna sei für Kinder nicht zugelassen, und jüngere Männer hätten damit statistisch ein höheres Risiko für Herzmuskelentzündungen. Bei Frauen unter 30 sei es eine Kann-Entscheidung. „Andere Patienten ermutigen wir zu Moderna, weil es einen besseren Schutz vor der Delta-Variante bietet. Für uns ist das klar der beste Impfstoff“, betont der Hausarzt. Leider habe Gesundheitsminister Jens Spahn den Eindruck erweckt, dass es sich um ein Medikament von der Resterampe handele. „Jetzt denken auch die Leute, dass Moderna B-Ware ist. Wir werden oft auf dieses Thema angesprochen.“

„Haben unsere Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht“

Drei Monate nach der Impfung schütze Moderna ersten Ergebnissen zufolge zu 70 Prozent vor Infektionen mit dem Delta-Virus, 42 Prozent seien es bei Biontech. „Gerade wer das Risiko hat, schwer zu erkranken, sollte lieber Moderna nehmen.“ Doch auch Astrazeneca sowie Johnson und Johnson seien gute Impfstoffe. „Je mehr Leute geimpft sind, desto geringer ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit“, so Lueßen.

Fast schon neidisch blickt er auf Portugal und Spanien: dramatische Zustände vor einem Jahr, jetzt Impfquoten von 95 und 90 Prozent. „Wir haben einfach unsere Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht.“ Bei 2Gplus, also Impfung und Test, spricht der Hausarzt sogar von einer Fehlentscheidung. „Wenn die geimpften Freunde sich auch testen lassen müssen, sehen die Unentschlossenen keine Notwendigkeit zum Impfen“, folgert Lueßen.

Der Besuch seiner Praxis ist mit keinerlei Auflagen verbunden. „Wir lassen jeden Patienten rein, der kommt. Schon aus ethischen Gründen. Alles andere wäre ja furchtbar“, betont der Mediziner. „Wer Erkältungssymptome hat, den bitten wir, im Auto zu warten. Denjenigen holen wir dann durch den Nebeneingang in die Praxis.“ Im Einzelfall gebe es die Möglichkeit von Hausbesuchen.

Von Andreas Hapke

Auf Einhaltung der Abstands- und Hygienevorschriften wird großer Wert gelegt.

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