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Schuldnerberatung in Stuhr: Susan Behnken bietet im Rathaus wieder Sprechstunden an

Schuldnerberaterin Susan Behnken.
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Möchte Ratsuchenden aus der Schuldenfalle helfen: Susan Behnken.

Susan Behnken ist als Schuldnerberaterin zuständig für Hilfesuchende aus der Gemeinde Stuhr. Immer mehr verschuldete Stuhrer suchen ihren professionellen Rat. Sie bietet wieder Sprechstunden im Rathaus an.

Stuhr – „Das Thema Schulden ist sehr privat und schambehaftet. Die Menschen tun sich schwer, darüber zu sprechen“, sagt jemand, der es wissen muss. Susan Behnken arbeitet für die Soziale Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes Diepholz–Syke–Hoya und ist unter anderem für die Gemeinde Stuhr zuständig. Ab dem 27. August und von da an jeden zweiten und vierten Freitag im Monat steht sie den Ratsuchenden wieder „in Präsenz“ zur Verfügung.

Schuldnerberatung in Stuhr: Viele Verschuldete bitten zu spät um Hilfe

Es sind verzweifelte Anrufe, die Susan Behnken mitunter ereilen. „Ich kann meine Briefe nicht mehr öffnen, weil ich so viele Schulden habe“, heiße es dann beispielsweise. In diesem und in vielen anderen Fällen sei klar: Die oder der Betroffene suche mit dem Problem viel zu spät um Hilfe. Im Schnitt warteten Frauen acht, Männer sogar zehn Jahre damit.

„Zum Teil sind die Schulden so alt, dass es noch um D-Mark-Beträge geht; oder es gibt gar keinen Ansprechpartner mehr, etwa weil Firmen die Besitzer gewechselt haben und das nicht mehr nachzuvollziehen ist.“ Das ist ein großes, weites Feld“, stellt Behnken fest. „Dass man das als Otto-Normalverbraucher nicht nachvollziehen kann, kann ich verstehen.“

Seit mehr als zehn Jahren gehört die Schuldnerberatung zum Service des Rathauses. „Sie war ein Modellversuch und hat sich verstetigt“, sagt Lars Janßen, Fachdienstleitung Sozialer Service und Senioren. „Schulden sind auch hier ein immer präsentes Thema.“

Zahl der Beratungen bei Susan Behnken verdoppelt sich innerhalb von vier Jahren

Tatsächlich könne sie nicht über mangelnde Arbeit klagen, sagt Susan Behnken, und unterfüttert das mit Zahlen: Im Jahr 2016 kamen 24 der 214 Haushalte, die sie insgesamt beraten hatte, aus Stuhr. 2020 waren es schon doppelt so viele Beratungen, nämlich 48 von 502 – eine Tendenz, die sich 2021 fortsetzt: 422 Haushalte haben bis jetzt bereits um Hilfe gebeten, davon 37 aus Stuhr.

„Und kein Fall ist wie der andere. Schema F geht nicht“, berichtet Behnken. Sie hat es mit Vollstreckungs- und angehenden Insolvenzverfahren zu tun, mit der Überprüfung von Forderungen und der Entwicklung von Haushalts- und Entschuldungsplänen sowie mit Verhandlungen mit Gläubigern.

Ziel sei immer, die Lebenssituation der Ratsuchenden zu verbessern. „Die lassen sich häufig Ausreden einfallen, warum sie nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können“, weiß Susan Behnken – nach dem Motto: „Ich habe mir den Rücken verknackst, ich kann nicht mit ins Kino.“

Zusammenhang zwischen steigenden Fallzahlen und Coronavirus unklar

Ob die steigenden Fallzahlen mit der Pandemie zusammenhängen, könne sie (noch) nicht sagen. Zum Einen, weil die Menschen sie erst spät aufsuchen würden. „Corona macht sich deshalb auch später bemerkbar. Doch ich bin sicher, dass es so kommt.“ Zum anderen gibt es seit Anfang dieses Jahres eine echte Novelle des Insolvenzrechts. Unter anderem erlaubt sie die Restschuldbefreiung bereits nach drei statt wie zuvor nach sechs Jahren. „Vielen war das früher zu lang, aber jetzt denken sie sich: Drei Jahre schaffe ich“, erklärt Behnken.

Generell gilt: Je eher sich der Verschuldete erklärt, desto besser sind die Aussichten, aus der Misere herauszukommen. „Bei ein, zwei Schulden oder Gläubigern kann man schnell etwas bewirken“, sagt Susan Behnken. „Am meisten erreicht man, wenn man merkt: Diesen Monat wird es knapp, in zwei Monaten kann ich meinen Kredit nicht mehr bezahlen.“ Sie betont aber auch, dass es „nie zu spät“ sei, zu ihr und zu ihren Kollegen zu kommen. „Das Schlimmste ist, wenn man es unterlässt. Ich beiße nicht.“

Die Zahl ihrer Sprechstunden in Stuhr habe vor Corona bei 22 gelegen, 2020 nur noch bei zwei und in diesem Jahr bei null, rechnet Susan Behnken vor. Was nicht heißt, dass sie keine Arbeit gehabt hätte. Während der Pandemie war sie am Telefon und online für ihr Klientel da. Vorteil: „Die Menschen waren zuhause in ihrem Wohlfühlbereich.“ Zu ihrer großen Überraschung habe das vor allem mit den Senioren gut geklappt. „Die Jüngeren wären lieber vorbeigekommen.“

Alter der Verschuldeten spielt bei Herangehensweise eine Rolle

Der Altersunterschied spiele auch für die Herangehensweise eine Rolle: „Jüngere Menschen, zum Beispiel Auszubildende, versuche ich, in Richtung Regulierung zu schubsen. „Warum sollten die schon mit jungen Jahren in die Insolvenz gehen?“ Letztere sei eher für Ältere angemessener. „Da gucken wir, dass die Kinder später keine Schulden erben.“ Der Erfolg ihrer Arbeit sei schwer messbar, sagt Susan Behnken. Sie könne jedoch sagen, dass die Zahl der Abbrüche geringer sei als die Zahl der Insolvenzen und Regulierungen.

Susan Behnken kam nach ihrem Studium der Sozialen Arbeit und einer anschließenden Beschäftigung in der Flüchtlingsarbeit zur Schuldnerberatung. Einen Sprechstunden-Termin kann man mit ihr unter 04242/168 70 oder per E-Mail an schuldnerberatung.dw.syke@evlka.de abmachen.

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