Wie immer, und doch anders 

Interessengemeinschaft Stuhrer Unternehmen lädt zum Dämmershoppen

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Traditionelle Gäste der Isu sind Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier (l.) und Bürgermeister Niels Thomsen. In der Bildmitte Isu-Chef Werner Heinken.

Moordeich - Von Andreas Hapke. Murmeltiertag beim Dämmerschoppen der Interessengemeinschaft Stuhrer Unternehmen (Isu) im Moordeicher Gasthaus Nobel? Wenn Bürgermeister Niels Thomsen und Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier den Mitgliedern über kommunale Angelegenheiten berichten, dann sind es oft die selben Themen wie im Vorjahr. „Wann erzählt der mal etwas Neues?“, stellte Thomsen am Montagabend vorab die Frage, die er aus der Mitte der Gewerbetreibenden zu befürchten schien.

Und doch: In dem einen oder anderen Punkt gibt es Entwicklungen, hier und da rücken Entscheidungen näher. Außerdem geht es bei diesem Treffen zu Jahresbeginn immer auch darum, dass die Unternehmer ihrem Ärger mal an exponierter Stelle Luft machen können.

Über den Stand des Breitbandausbaus zwecks Versorgung der „unter 30-MBit/s-Stellen“ durch den Landkreis etwa berichtete Wimmelmeier. Die Ausschreibung erfolge im April, die Vergabe im Laufe des Jahres und der Start der Arbeiten im Herbst. Bewohner in den als „weiße Flecken“ bezeichneten Gebieten kämen mit Fördermitteln von Bund und Land in den Genuss von Glasfaser bis zur Haustür.

Am Beispiel des Breitbandausbaus kritisierte Thomsen die „Fördersystematik“ in Deutschland, die an der Lebenswirklichkeit vorbeigehe. Das unterversorgte Wagenfeld etwa erhalte 80 Prozent Glasfaseranschlüsse bis ins Haus. „Das haben wir nicht in Brinkum oder Moordeich.“ Wenn im Landkreis das Glasfasernetz liege, müssten auch in den verdichteten Gebieten die Anschlüsse bis ins Haus gelegt werden. „Das muss der zweite Schritt sein. Wir müssen aufpassen, dass die Infrastruktur an anderer Stelle nicht so viel besser ist, dass wir Nachteile erhalten.“

Was tun mit Betrieben, die sich erweitern wollen? Mit dieser Herausforderung hat es der Wirtschaftsförderer nach eigener Auskunft immer wieder zu tun - wobei sich die Beschaffung der Flächen immer schwieriger gestalte. „Die sind teuer, und viele Eigentümer wollen gar nicht verkaufen.“ Thomsen sprach von einer weiteren Steigerung der Bodenrichtwerte um 10 bis 20 Prozent. Gleichwohl sei es erst kürzlich gelungen, ein expandierendes Unternehmen in Stuhr zu halten, sagte Wimmelmeier. Details wollte er auf Nachfrage nicht nennen.

„Ausbildung in Stuhr“ wird neu aufgelegt

Für dieses Jahr kündigte er eine Neuauflage des Projekts „Ausbildung in Stuhr“ an. In Form eines Speeddatings hatten sich Neunt- und Zehntklässler im Dezember bei Firmen ihrer Wahl informiert. Die Gespräche waren in der KGS Brinkum über die Bühne gegangen. Alfred Cohrs vom gleichnamigen Zimmereibetrieb bedauerte, dass sein Gewerk beim Nachwuchs nicht gefragt war: „Betriebe, die kein gutes Standing haben, sind rausgefallen.“ Wimmelmeier entgegnete, dass auch manche kaufmännische Berufe nicht gefragt gewesen seien. Dies sei der Wettbewerb der Firmen.

Zum Dauerbrenner Straßenbahn sagte Thomsen: „Ich würde mich über eine richterliche Entscheidung freuen, die besagt, dass es weitergehen kann.“ Dann könne die Linie 8 in ungefähr drei Jahren von Huchting über Stuhr nach Weyhe fahren. Allein für die Umweltverträglichkeitsprüfung müsse man ein Jahr ansetzen. Zudem seien an der Trasse Stationen und Querungen einzurichten. Die Revision in Sachen Linie 8 ist zurzeit beim Bundesverwaltungsgericht anhängig. Auf Nachfrage teilte eine Sprecherin Dienstag mit, dass noch kein Termin für die Verhandlung vorliege. Vor dem Hintergrund der ständig verstopften Straßen in und um Stuhr herum ist die Bahn für Thomsen ein unerlässliches Transportmittel.

„Grausame Bremer Verkehrsplanung“

Dirk Witte, Chef einer Spedition in Groß Mackenstedt, kritisierte Bremen für die „grausame Verkehrsplanung. Es kann doch nicht so schwer sein, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, damit etwas funktioniert“. Er wolle, sagte Thomsen, nicht den Eindruck vermitteln, dass Stuhr in der Lage wäre, auf Bremen Einfluss zu nehmen. Der Austausch beschränke sich auf die untere Arbeitsebene, etwa was Absprachen über Umleitungen angehe.

Eingangs war Thomsen über die Entwicklung in der Kinderbetreuung eingegangen. Die nun bestehende Beitragsfreiheit belaste den Stuhrer Etat mit einem „niedrigen sechsstelligen Betrag“, da das Land den Gebührenausfall nicht vollständig kompensiere. Anders als vor drei Jahren bei einem Sonderdämmerschoppen der Isu schloss Thomsen eine Erhöhung der Gewerbesteuer diesmal aus.

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