Idealisten müssen einen langen Atem haben

Windenergieanlage ist Ausflugsziel am Tag der Regionen

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Peter Hake-Söhle macht an der Info-Tafel zum ersten Stuhrer Windrad auf eine damalige Besonderheit aufmerksam: Die Enercon-Anlage arbeitet getriebelos. Heute setzen mehrere Hersteller auf diese Technik. 

Gr. Mackenstedt - Von Andreas Hapke. „Der Tag ist hell, die Winde wehn, von Kernkraft ist nichts mehr zu sehen“ – so steht es geschrieben auf einem Schild, das Peter Hake-Söhle vor 22 Jahren geschenkt bekam.

Damals, als er mit seiner Familie die erste Stuhrer Windenergieanlage am Grünen Weg in Groß Mackenstedt gebaut hatte. Der fast schon romantisch anmutende Spruch spiegelt viel von dem Idealismus wider, mit dem der Landwirt zu Werke ging.

„Das war damals ein Wagnis“, erinnert sich der Groß Mackenstedter. „Viele haben uns doch als Spinner abgetan.“ Die Anlage mit einer Nennleistung von 500 Kilowatt (kW) sollte einen Ertrag von bis zu 800. 000 Kilowattstunden (kWh) im Jahr bringen, hieß es seitens des Herstellers Enercon. „Er hat sich nicht geirrt. Die Anlage hat sofort geliefert und tut das auch heute noch“, sagt Hake-Söhle. Eigentlich nur für die Dauer von 20 Jahren ausgelegt, dreht sie sich dank einer Nachgenehmigung immer noch. „Vielleicht haben wir auch ein bisschen Glück gehabt. Die Anlage hätte ja auch kaputt gehen können und die Firma pleite.“

Heute stehen auf dem Acker Hake-Söhles insgesamt vier Windräder. Zwei kamen zur Jahrtausendwende hinzu, das letzte im Jahr 2002. Mit einer Gesamtgröße von 100 Metern ist es das größte im Quartett. Außerdem ist Hake-Söhle Mitgesellschafter eines weiteren Windparks mit drei Anlagen, „da sind unsere langjährigen Erfahrungen mit eingeflossen“, sagt er. Dort, an der Siekstraße, steht auch das mit 150 Meter größte Windrad der Gemeinde Stuhr. Morgen ist es eines der zahlreichen Ausflugsziele im Programm zum Tag der Regionen (wir berichteten). Gemeinsam mit seinen Mitstreitern informiert Hake-Söhle von 12 bis 16 Uhr über die Windenergie.

Infos morgen an der Siekstraße

Der Park der Betreibergesellschaft bringt es zusammen auf einen Ertrag von 9 bis 10 Millionen kWh. „Und selbst die Anlagen sind heute klein. Bei einem einzigen, 200 Meter hohen Windrad sind es inzwischen 12 bis 14 Millionen kWh.“ Laut Hake-Söhle sind solche Anlagen in Groß Mackenstedt nicht möglich. Nur allzu gerne würde er in seinem eigenen Windpark repowern, also kleinere gegen größere Windräder tauschen. Doch das scheitere an den Bestimmungen der Deutschen Flugsicherung.

„Die Behörde sagt, dass auf einem 1 000 Meter breiten Streifen rechts und links der Autobahn nicht aufgerüstet werden darf, um radarfreie Flüge zu ermöglichen“. Rein rechnerisch bedeutet dies, dass 2022 auch die jüngste Anlage am Grünen Weg vom Netz geht. Sie wäre dann 20 Jahre alt.

Die erste Stuhrer Windenergieanlage ist 22 Jahre alt. - Foto: ah

„Ich war damals überzeugt von der Idee der regenerativen Energie. Nach Tschernobyl mussten wir etwas machen. Außerdem hatte ich einen landwirtschaftlichen Betrieb, der viel Strom verbrauchte“, erklärt Hake-Söhle. „Wir hatten die Flächen für ein solches Vorhaben.“ Die im Energieeinspeisegesetz vorgesehene Vergütung von 17 Pfennig pro Kilowattstunde tat ihr Übriges.

Damals kannte man sich als Windenergiebetreiber in Norddeutschland. Peter Ahmels, seinerzeit Präsident des Bundesverbands Windenergie, hatte Hake-Söhle höchstpersönlich in Groß Mackenstedt besucht und ihm das Schild mit dem Hohelied auf die Windkraft übergeben. Es rechnet nicht nur mit der Kernkraft ab. „Auch das Werk mit Kohlekraft, hat man dereinst abgeschafft. Dafür gab es einen Grund, Windkraft hält die Welt gesund“, heißt es in dem Spruch weiter.

Spätestens seit dem Bekenntnis von FDP-Chef Christian Lindner zur Braunkohle und der möglichen Beteiligung der Liberalen an einem Regierungsbündnis ist klar: Idealisten müssen einen langen Atem haben. „Wir müssen die Weichen umstellen“, sagt Hake-Söhle, „wenn die nachfolgenden Generationen profitieren sollen.“

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