„Ich wollte Inhalte hören und keine Rumlaberei“

Ehrung für Eckehard Pöppel für sein Engagement in der Gärtner-Ausbildung

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Eckehard Pöppel mit (v.l.) der Auszubildenden Antonella Corrias, Mitarbeiterin Sandra Felix und Tochter Minte Pöppel.

Seckenhausen - Von Andreas Hapke. Bei den Stauden ist es wie im richtigen Leben. Es gibt Allrounder wie den Frauenmantel, der überall wächst. Und es gibt Mimosen wie die Orchidee, die sich gerne im Halbschatten aufhält, aber bitte mit durchlässigem Boden. Das und vieles mehr musste wissen, wer bei Eckehard Pöppel seine Prüfung zum Gärtner bestehen wollte.

Für sein Engagement in der Ausbildung des Gärtnerei-Nachwuchses hat der Chef der Firma Pöppel-Stauden kürzlich den Bildungspreis der Initiative Topausbildung Gartenbau (TAG) erhalten. Aus Altersgründen hat er diese Tätigkeit inzwischen aufgegeben.

33 Jahre hat Pöppel in diversen Ausschüssen mit der Fachrichtung Stauden Prüfungen abgenommen. Rund 200 Anwärter müssen es gewesen sein, denen er in Theorie und Praxis auf den Zahn gefühlt hat, überschlägt der 61-Jährige, Meister- und Gesellenprüfungen zusammengenommen. „Ich galt als strenger Prüfer, aber auch als sehr fair“, sagt Pöppel. 

„Ich wollte Inhalte hören, keine Rumlaberei, insbesondere in den Meisterprüfungen. Schließlich bekommen die Leute bescheinigt, dass sie etwas können.“ Da habe er auch manchmal gefestigt und mutig sein müssen, um zu sagen: „Es reicht nicht.“ Auf der anderen Seite habe er fünf gerade sein lassen und ein „sehr gut“ gegeben, wenn beim Prüfling „alles da war“. Andere hätten da noch ein Haar in der Suppe gesucht.

Gute Noten für die Azubis

Im eigenen Betrieb an der Hauptstraße in Seckenhausen hat Pöppel sogar 36 Jahre lang ausgebildet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Nach eigener Auskunft haben 60 Prozent der insgesamt 41 Azubis mit der Note zwei oder besser abgeschlossen. Inzwischen hat Tochter Minte diese Aufgabe in seinem Sinn übernommen. Soll heißen: „In unserem Betrieb herrscht der Geist, dass Lehrlinge nicht lästig sind, sondern wichtig für den Berufsstand“, sagt Pöppel. 

Deshalb zählt seine Firma auch zur TAG. Dort haben sich Betriebe zusammengetan, die sich einer qualitativ hochwertigen Ausbildung verschrieben haben. Pöppel: „Bei uns lernen die Azubis umfangreich, vom Samenkorn bis zur fertigen Pflanze.“

Mangel an Bewerbern

Im Gartenbau ist es wie in vielen Unternehmen anderer Branchen: Zurzeit mangelt es an Bewerbern. „Es gibt insgesamt zu wenige Schulabgänger, und Gartenbau steht nicht an erster Stelle, was den Berufswunsch angeht“, sagt Pöppel und fügt hinzu: „Für manch einen ist das aber ein Traumjob. Und der macht auch einen guten Abschluss.“ Leidenschaft spiele eine große Rolle.

Als Pöppel Anfang der 1970er-Jahre seine Ausbildung begann, wollte auch kaum jemand Gärtner werden. „Das war nicht beliebt“, erinnert er sich. Pöppel aber hat dafür gebrannt. „Die Landwirtschaftskammer hat mir sechs Betriebe vorgeschlagen, ich konnte mir praktisch einen aussuchen.“ Am Ende wurde es Stauden-Siebler, wo Ausbildung ebenfalls ein selbstverständlicher Teil der Arbeitsabläufe war.

30 Prozent der Azubis sind Abiturienten

Noch heute leide der Beruf unter dem Vorurteil, dass jeder Gärtner werden könne, erzählt Pöppel. Dabei beträgt die Abiturientenquote in seinem Betrieb 30 Prozent. Viele nähmen die Ausbildung als Basis für ein Studium, zwei Abiturienten seien aber in Seckenhausen geblieben. „Eine ist seit 30 Jahren bei uns. Die kann sich gar nichts anderes vorstellen.“

Ein „Mega-Interesse“ könne schulische Defizite wettmachen. Trotzdem waren bislang kaum Hauptschüler unter den Lehrlingen, denn der Weg zum Gärtner ist laut Pöppel anspruchsvoll. Die Azubis müssten 800 bis 1 000 verschiedene Pflanzennamen kennen, wie sie kultiviert und wo sie angepflanzt werden können. Dazu lernen sie in der Berufsschule technische, botanische und chemische Zusammenhänge. „Die Bewerber sollten den mittleren Schulabschluss mitbringen“, sagt Pöppel.

Immer noch viel Handarbeit

Verändert habe sich die Ausbildung in den vergangenen Jahrzehnten wenig. Es habe zwar eine Technisierung eingesetzt, doch es gebe immer noch viel Handarbeit. Am Ende müsse der Gärtner nach wie vor alles über seine Pflanzen und deren Qualität für den Verkauf wissen – und auch, wie er Arbeitsabläufe plant und die Mitarbeiter anleitet.

„Gärtner ist ein wahnsinnig lebendiger Beruf, und durch die sich ändernden Sortimente und Trends sehr vielseitig“, wirbt Pöppel für seine Zunft. „Man muss ständig umlernen, denn es gibt immer neue Züchtungen und Verbesserungen. Und man arbeitet in der Natur.“

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