Stuhrs erste stellvertretende Bürgermeisterin tritt zurück

„Ich werde bis zur letzten Minute meinen Job machen“

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Doris Karin Hofmann im Garten ihres Hauses. Künftig wird sie mehr Zeit haben, sich dort zu entspannen. 

Brinkum - Von Andreas Hapke. Ob es der Empfang für Gäste aus den Partnergemeinden war, die Entlassung von Abiturienten oder das Jubiläum des Kleingartenvereins: Mit solchen Anlässen verbinden die Stuhrer das Gesicht „ihrer“ ersten stellvertretenden Bürgermeisterin Doris Karin Hofmann. Doch damit ist bald Schluss. Wenn die Bürger am 11. September an die Wahlurne treten, fehlt der Name Hofmann auf der Liste der CDU-Kandidaten. Nach 20 Jahren Kommunalpolitik zieht sich die Brinkumerin zurück.

„Lust hätte ich vielleicht noch gehabt, aber zu weiteren fünf Jahren hätte mir die Kraft gefehlt“, sagt die 74-Jährige. Sie höre lieber jetzt auf, um selbstbestimmt einen Schlussstrich ziehen zu können. Und zwei Jahre nach der Wahl abzutreten, komme für sie erst recht nicht infrage. „Das wäre nicht fair. Nicht gegenüber den Wählen, die erwarten, dass ich fünf Jahre für sie da bin. Und auch nicht gegenüber den Nachrückern aus der Partei.“

Die Entscheidung, dass es nun an der Zeit ist, dem Nachwuchs eine Chance zu geben, sei ihr Anfang des Jahres gekommen – als es darum ging, die Listen für die Kommunalwahlen zu erstellen. Bis dahin sei es ein „langer Prozess“ gewesen. „Man muss sich das vorstellen können, so ein Leben ohne die Kommunalpolitik. Da falle ich bestimmt erst einmal in ein Loch.“

Als Hofmann 1996 in die Stuhrer CDU eintritt, weist sie schon eine bewegte Vita auf: Die gelernte Verlagskauffrau hat es in einem technisch-wissenschaftlichen Zeitschriftenverlag in Wiesbaden von der Assistentin zur Chefsekretärin gebracht. Gleiches gelingt ihr nach dem heiratsbedingten Umzug in den Norden in einem großen Bremer Handelsunternehmen. Danach ist sie Inhaberin eines Antiquitätengeschäfts, später Direktionsbeauftragte einer Versicherungsgesellschaft und Angestellte einer Großbank, alles in der Hansestadt.

Ihr Interesse für die politische Arbeit geht auf das Jahr 1993 zurück. Damals begann sie, Veranstaltungen der Bremer CDU zu besuchen. Der Kontakt zu den Stuhrer Christdemokraten entstand über den ehemaligen und 2006 verstorbenen Fraktions- und Gemeindeverbandschef Jürgen von Weyhe.

Ihre Erfahrungen in den Bereichen Handel und Banken sollten sich später in ihrer politischen Tätigkeit niederschlagen. Seit ihrer Wahl in den Gemeinderat 1996 ist Doris Karin Hofmann Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Finanzen, ebenso im Kreistag, in den sie 2006 gewählt wurde. „Mit diesen Aufgaben konnte ich mich sehr gut identifizieren, Geld und Investitionen spielen eine große Rolle in der Politik“, sagt sie. Als Ausgleich zu den „sachlichen Themen“ habe ihr die Kultur immer sehr viel Spaß bereitet.

Im Laufe der 20 Jahre hat die in Breslau geborene und in München aufgewachsene Hofmann viele Aufgaben wahrgenommen und Posten bekleidet, sei es in der kommunalpolitischen Gremienarbeit oder als Mitglied der Gesellschafterversammlung der AWG sowie des Aufsichtsrates und Vorstands des Wasserbeschaffungsverbands Syker Vorgeest. Und natürlich seit 2001 als stellvertretende Bürgermeisterin Stuhrs.

Diese Funktion sei eine große Bereicherung für ihr Leben gewesen, sagt Hofmann. „Ich konnte die Gemeinde so darstellen, wie sich sich selbst sieht.“ Und sie habe „unendlich viele Menschen, Vereine und Institutionen kennengelernt, die ich sonst nicht kennengelernt hätte“. Die damit verbundenen Erlebnisse und Erfahrungen sowie die Anerkennung der Bevölkerung seien der Lohn gewesen für eine Tätigkeit, die sie oft abends und an Wochenenden ausgeübt habe.

Fragt man sie nach den politischen Errungenschaften in den vergangenen zwei Jahrzehnten, dann fällt ihr, der Finanzexpertin, sofort der kontinuierliche Schuldenabbau ein. Und dass die Gemeinde trotzdem kein Sanierungsstau plage, sondern in Schulen und Kitas investiert habe. Sie hätte allerdings die Straßenbahnlinie 8 gerne früher gesehen in Stuhr und bedauert, dass die Nordumgehung gescheitert sei. Als ihre persönlichen Erfolge verbucht sie die Stimmen, die sie bei den Wahlen für die CDU gewonnen hat.

„Ich bin rundum zufrieden“, sagt Hofmann. Was Partei und Fraktion angehe, sei ihr für die Zukunft nicht bange. Sie selbst möchte die nächsten Jahre mit spontanen Reisen und Besuchen der Verwandschaft in München verbringen. Und damit, ihr Handicap auf dem Golfplatz zu verbessern. Aber noch ist sie nicht von der politischen Bildfläche verschwunden. Sie werde „bis zur letzten Minute“ ihren Job in Gemeinderat und Kreistag machen. Dafür hätten sie die Menschen schließlich gewählt.

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