„Ich merke das richtig doll“

Geschäftsleute stellen sich auf die Sanierung der Stuhrer Landstraße ein

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Eine von drei Zufahrtskarten, die Anita Schmücker auf ihrer Homepage zur Verfügung stellt. 

Birgit Engel zwängt sich mit ihrem Lastenfahrrad durch eine kleine Lücke in der Absperrung auf der Stuhrer Landstraße. „Das Rad wiegt 200 Kilogramm. Und dann ist an der Stelle noch ein Erdloch“, schimpft sie. Die Postbotin hat eine Sendung für die Boutique „Lieblingsteil“. Diese liegt genau in der Kurve am Schützenweg, die im Zuge der Sanierung des Bereichs Haferflockenkreuzung / Stuhrer Landstraße entschärft werden soll.

Stuhr - Aus Richtung Blocken / Rathaus beginnt dieSperrung hinter dem Restaurant Hacienda und damit unmittelbar vor der Boutique. Wer den Verkehr beobachtet, stellt fest, dass einige Autofahrer bis zum Zaun vorfahren und dann wieder umkehren. Nicht nur „Lieblingsteil“-Inhaberin Birte Kehl befürchtet, dass auf diese Weise Kunden verloren gehen.

Durchwachsene Zeiten für Gastronomie und Gewerbe 

Knapp eine Woche nach Einrichtung der Baustelle am Schützenweg und auf der Haferflockenkreuzung in Moordeich ist die Stimmung unter den Gewerbetreibenden und den Gastronomen durchwachsen. „Das belastet mich stark“, sagt Birte Kehl, die zurzeit im Urlaub weilt. Den hätte sie gar nicht genommen, wenn sie im Vorfeld rechtzeitig über den Bauzeitenplan informiert gewesen wäre. „Und wir hätten anders reagieren können.“ Täglich stehe sie mit ihrer Mitarbeiterin Christiane Blume in telefonischem Kontakt, um der Herausforderung zu begegnen. „Wir machen Aktionen und reduzieren. Die Kunden kommen noch“, sagt sie.

Wie in einem Käfig: das abgeschnittene Restaurant Babas, das sich an der voll gesperrten Haferflockenkreuzung in Moordeich befindet. 

Blume hat allerdings festgestellt, dass die Laufkundschaft fernbleibt. „Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickelt. Wie laut wird es, wenn erst mal der Baustellenlärm einsetzt?“, fragt sie. Bislang war davon nichts zu vernehmen. Postbotin Engel weiß, warum: „Ich habe hier seit drei Tagen keinen Bauarbeiter gesehen. Immerhin liegen jetzt Kabel herum.“

„Es sieht wirklich blöd aus, wenn sich nichts tut“, sagt Friedrich Schröder von der Straßenmeisterei Bassum. Er hat die örtliche Bauaufsicht und kündigt an, dass der Versorger am kommenden Montag damit beginne, Leitungen zu erneuern. Für die Sorgen der Gewerbetreibenden hat Friedrichs vollstes Verständnis. „Die Leute können bis zur Sperrung fahren und dort am Straßenrand parken“, schlägt er vor. Kehl begrüßt die Empfehlung, „die Kunden müssen es nur wissen“.

Laufkundschaft bleibt fern

Mit fehlender Laufkundschaft hat auch Mirijam Butzke zu tun, deren Studio „Cosmetics“ sich schräg gegenüber vom „Lieblingsteil“ befindet. „Sonst kommen Leute vorbei, die sich zwischendurch mal Produkte rausholen“, sagt sie. „Es ist sehr ruhig geworden. Ich merke das richtig doll.“ Im Gegensatz zu Kehls Boutique ist ihr Studio immerhin noch aus Richtung Moordeich anzufahren, und die meisten Kunden würden ihre Termine nach wie vor wahrnehmen.

So wie Gabriele S., die eigens aus Oyten gekommen ist und anschließend noch in der Boutique „Lieblingsteil“ stöbert. Sie habe einfach außerhalb der Baustelle geparkt und sei ‘rübergelaufen, erzählt sie. „Ich versuche, meine Kunden vor ihren Terminen anzurufen und ihnen zu erklären, wie sie herkommen können“, sagt Mirijam Butzke. Nur einige ältere Personen, die nicht mehr so gut zu Fuß seien, hätten abgesagt.

Mitten in der Sperrung: Die Boutique „Lieblingsteil“ von Birte Kehl liegt wegen der Kurvenentschärfung in Höhe Schützenweg in der Baustelle. 

Knapp einen Kilometer weiter Richtung Haferflockenkreuzung, an der Stuhrer Landstraße 17, zeigt sich Anita Schmücker, Inhaberin der gleichnamigen Teestube, von der bisherigen Baustellensituation positiv überrascht. „Ich bin erstaunt, wie gut es geht“, sagt sie. Allerdings lebe sie nicht von Laufkundschaft, sondern von Beerdigungsgesellschaften (der Moordeicher Friedhof befindet sich gegenüber, die Red.) und anderweitigen Reservierungen. „Heute waren Leute auf ihrem Weg von Elmshorn nach Esens hier. Sie haben gegoogelt, wo sie frühstücken können.“ Trotz Baustelle habe das Navi das Auto problemlos ans Ziel geführt.

Teestube zeigt Umleitungen auf

Wenn die Stuhrer Landstraße gefräst wird, erwartet Anita Schmücker mehr Probleme. „Auch wenn die Sperrung dann nur halbseitig sein soll.“ Für alle Fälle habe ihr Lebenspartner auf der Homepage teestube-stuhr.de drei Karten mit Zufahrtswegen zur Stuhrer Landstraße hochgeladen: aus Richtung Bremen-Huchting und B 75, aus Richtung Brinkum, Weyhe, Syke, A 1 und B 6 sowie aus Richtung Delmenhorst, A 1 und A 28. „Die können sich alle Geschäftsleute herunterladen und für ihre Zwecke nutzen“, bietet Schmücker an.

Nuran Cavus findet das toll. Sie betreibt mit ihrem Ehemann Hayri das anatolische Restaurant Babas, das mitten in der Baustelle Haferflockenkreuzung liegt. Dort sind die Sanierungsarbeiten längst voll im Gang. „Sie hätten die Straße auch einseitig machen können, aber so befinden wir uns in einem Käfig“, sagt Nuran Cavus. Für Stuhrer Kunden sei das kein Problem, die kämen mit dem Rad. „Doch wir merken, dass es weniger geworden ist. Auswärtige sowie ältere, nicht mehr so mobile Leute kommen nicht mehr so gut her. Wir stecken den Kopf aber nicht in den Sand.“ Hier Angebote auf beliebte Gerichte, dort mal ein Freigetränk – das Ehepaar Cavus hat auf die neue Situation reagiert. Ende August wollen sie unbedingt den dritten Geburtstag ihres Restaurants feiern. Zumindest die Kreuzung soll dann wieder frei sein.

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