João Busch wird hiesige Kultur vermissen

„Ich komme ganz bestimmt nach Deutschland zurück“

Vertraut mit der Landwirtschaft: João Busch auf einem Traktor von Landwirt Jürgen Daneke sowie mit deutsch-brasilianischer Flagge. Sein Land kann noch Fußball-Weltmeister werden. - Foto: Ehlers

Seckenhausen - Von Andreas Hapke. Von der brasilianischen Metropole São Paulo mit ihren knapp 21 Millionen Einwohnern in den beschaulichen Stuhrer Ortsteil Seckenhausen – so etwas nennt man wohl Kulturschock. Der Brasilianer João Busch hat das vor gut einem Jahr durchgemacht und überlebt. Die eine oder andere Träne wird er wohl verdrücken, wenn er am Wochenende zurück in die Heimat fliegt. Und seiner Gastfamilie Daneke dürfte es nicht anders ergehen.

Keine Frage: Die Familie hat ihren brasilianischen Gast ins Herz geschlossen. „Das ist wirklich ein feiner Kerl“, sagt Landwirt Jürgen Daneke über den 18-Jährigen. Nach Auskunft seiner Ehefrau Meike ist ein Gegenbesuch bereits fest vereinbart, ebenso wie der Gegenbesuch des Gegenbesuchs: „Ich komme ganz bestimmt nach Deutschland zurück“, kündigt João an.

Die deutsch-brasilianische Freundschaft geht auf die guten Erfahrungen zurück, die Tochter Milena Daneke während ihres Auslandsaufenthalts in den USA gesammelt hatte. „Wir könnten doch auch mal jemanden bei uns aufnehmen“, sagte sie anschließend. Gesagt, getan. Milena Daneke wandte sich an die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF), die junge Menschen bei der Gestaltung eines Auslandsaufenthalts unterstützt. „Wir haben ihn uns dort ausgesucht“, erinnert sich Meike Daneke an das Studium der Profile bei ASF. „Er sollte schon ein bisschen Deutsch sprechen und Fahrrad fahren können, damit er sich auf dem Land verständigen und fortbewegen kann. Ich wollte ihn nicht täglich durch die Gegend fahren.“

Bei João war die sprachliche Hürde eher niedrig. Zum einen lag das an dem Besuch einer Schule in São Paulo, die Deutsch als Fremdsprache lehrte; zum anderem an seinem einmonatigen Aufenthalt in Berlin im Sommer 2014. Schon damals reifte in João der Entschluss, mehr über die deutsche Kultur in Erfahrung zu bringen.

Auch abseits von Sprache bereitete ihm die Umstellung auf Seckenhausen keine Probleme. Sogar mit der Landwirtschaft war João vertraut. „Wir haben eine Farm, 800 Kilometer von São Paulo entfernt. Sie wird von vier Familien betreut, mein Vater fliegt ein Mal im Monat hin“, erzählt er.

Nach eigener Auskunft ist João mit dem einen oder anderen Vorurteil über die Deutschen angereist. „Dass sie nicht so offen sind wie Brasilianer, das stimmt“, hat er festgestellt. Und dass alles perfekt sein müsse und strenger geregelt sei. „Aber die Menschen sind so freundlich und hilfsbereit wie wir. Und sie sind interessiert.“

Neben seiner Gastfamilie hatte es der Südamerikaner vor allem mit seinen Mitschülern an der KGS Brinkum zu tun. João besuchte den elften Jahrgang und lernte das Kurssystem kennen, dass es in dieser Form in Brasilien nicht gibt. „Auch die Seminararbeit war für mich neu“, berichtet er. Sein Thema: Die Auswirkungen des Brexit auf Irland.

„Ich musste sogar Schlager lernen“

In seiner Freizeit hat ihn die Tochter des Hauses zu allen möglichen Partys mitgenommen. „Dafür musste ich sogar Schlager lernen, Ballermann-Musik“, sagt João und lacht. Viel gefeiert habe er, aber auch hin und wieder ehrgeizig Sport getrieben. Er ist einen Halbmarathon am Timmendorfer Strand gelaufen und – als Mannschaft mit mehreren ASF-Schülern – den Burginsellauf in Delmenhorst. Bei einer Kursfahrt mit der KGS Brinkum hat er das Skifahren gelernt.

Nur Fußball, in der Heimat eine seiner großen Leidenschaften, hat João in Deutschland nicht gespielt. Dreimal war er im Wesersta dion, und auch die Weltmeisterschaft in Russland hat er aufmerksam verfolgt. Sein Favorit? „Frankreich oder Brasilien. Aber wir müssen uns steigern. In den Freundschaftsspielen waren wir besser.“

In all den Monaten habe er nur ein bisschen Heimweh gehabt sowie Familie und Freunde vermisst, erzählt João – auch weil er sich bei den von ASF organisierten Treffen hin und wieder mit gleichaltrigen Landsleuten getroffen hat. „Und die Zeit geht schnell um.“ Am Samstag geht es zurück in die Heimat, wo João Luftfahrtwissenschaften studieren und Pilot werden möchte.

„Für uns als Familie war es eine tolle und spannende Erfahrung, ihm die deutsche Kultur zu zeigen“, sagt Meike Daneke. Ausflüge zur Meyerwerft, ins Auswanderer- und ins Klimahaus, zum Deutschen Museum in Bonn, zu Burgen und Schlössern: „Das hat Spaß gemacht, weil er so interessiert war.“ Die Seckenhauser müssen einen guten Job gemacht haben, denn: „Ich werden die deutsche Kultur vermissen“, sagt João. Osterwiese, Freimarkt und Erntefest hat er auch kennen und lieben gelernt. Und echte Weihnachtsbäume. Die gebe es in Brasilien nur aus Plastik.

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