Christoph Richter tritt Anfang Januar die Stelle als Kämmerer der Gemeinde Stuhr an

„Ich kann mich hier weiterentwickeln“

Begrüßt Christoph Richter (r.) in der Gemeinde: Bürgermeister Stephan Korte.
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Begrüßt Christoph Richter (r.) in der Gemeinde: Bürgermeister Stephan Korte.

Stuhr – Dass Christoph Richter beruflich irgendetwas mit Finanzen zu tun hat, schimmert manchmal auch dann durch, wenn er über Privates spricht. „Ich bin brutto zwei Jahre verheiratet, netto sind es eineinhalb“, sagt er. Grund: Wegen Corona habe er seine aus Bangladesch stammende Frau zwischendurch ein halbes Jahr nicht gesehen. Die Rückreise vom gemeinsamen Urlaub in Bangladesch habe er eine Woche früher angetreten. „Und meine Frau saß dann dort fest“, berichtet er. Seitdem hat sich einiges geändert: Seine Frau ist wieder da, sein Job bald weg. Anfang Januar tritt Richter seine neue Stelle als Kämmerer der Gemeinde Stuhr an (wir berichteten).

Nach dem Abitur in seinem Heimatort Emstek (Landkreis Cloppenburg) sah es noch nicht danach aus, als sollte der 34-Jährige einmal als Kämmerer in einer kommunalen Verwaltung landen. Richter, der nach eigener Auskunft in der Schule kein Faible für Zahlen hatte, zog es nach Kiel, wo er ein Studium der Volkswirtschaftslehre begann. Lehrreich war das Studium insofern, als er nach zwei Jahren wusste, dass er diesen Weg nicht weiter verfolgen wollte. Er entschied sich gegen die freie Wirtschaft, schwenkte um auf den Bachelor-Studiengang Öffentliche Verwaltung und schloss diesen 2012 ab. „Eigentlich bin ich ja auch ein Kind der Verwaltung“, sagt Richter und lacht. „Meine Eltern waren beide im öffentlichen Dienst tätig.“ Im Nachhinein sei das auch der richtige Schritt für ihn gewesen.

Sein erster Job führte ihn in den Landkreis Jerichower Land, wo er in der Stabsstelle „Doppik“ an der Umstellung des Haushalts von der Kameralistik auf die doppelte Buchführung in Konten mitarbeitete. Letztere verpflichtet die Gemeinden unter anderem dazu, ihre Investitionen in Straßen und Gebäude abzuschreiben, so wie dies private Unternehmen schon immer tun mussten.

Zwei Jahre später nutzte Richter die Chance, in seine Heimat zurückzukehren, und begann beim Landkreis Cloppenburg in der Abteilung Finanzen. Die folgenden sechs Jahre seien von einem „stetig wachsenden Aufgabenbereich“ geprägt gewesen. Erst habe er es mit dem Haushalt zu tun gehabt, später seien das Controlling und die Systemadministration hinzugekommen. Den neuen Paragraf 2b des Umsatzsteuergesetzes, wonach Kommunen künftig umsatzsteuerpflichtig werden wie Unternehmen – abgesehen von ihren hoheitlichen Aufgaben – habe er nicht mehr vollenden können.

Der Wechsel von Cloppenburg nach Stuhr bedeutet auch den Wechsel von einer Kommune mit 1 000 Mitarbeitern in eine mit 600 Mitarbeitern, von einem Haushalt mit einem Volumen von 300 Millionen Euro zu einem mit 80 Millionen Euro. Trotzdem spricht Richter von einer Herausforderung: „Weil ich hier Kämmerer werde. Ich bin eine Schnittstelle zwischen Rat, Verwaltung und meinen Mitarbeitern. Es ist meine erste Leitungsfunktion.“ Darüber hinaus lerne er neue Aspekte kennen, etwa den Bereich Liegenschaften. Und dass Stuhr eine Menge vorhat, hat er schon beim Besuch der jüngsten Ratssitzung kennengelernt: Investitionen in die Schulen, ins Hallenbad, in die Feuerwehr, in den Brinkumer Ortskern. „Ich kann mich hier weiterentwickeln“, sagt Richter. „Und vielleicht bringe ich ja auch die Gemeinde Stuhr nach vorne.“

Er sei nicht auf dem Sprung gewesen, betont Richter. Er fühle sich wohl im Landkreis Cloppenburg. Sein Job habe ihm viel Spaß bereitet. Was ihm besonders daran gefällt? „Ich mag es, neue Dinge einzuführen“, sagt er und nennt das Beispiel Digitalisierung. Bürger müssten viel mehr in die Lage versetzt werden, ihre Verwaltungsangelegenheiten online zu erledigen – auch, um den hohen Papieraufwand zu vermeiden. Ihm schwebt die Digitalisierung des Rechnungswesens vor. „Corona hat gezeigt, dass mit der Digitalisierung vieles möglich ist. Auch Stuhr hat viele Mitarbeiter im Homeoffice.“

In Cloppenburg habe ihm der Bereich Systemadministration besonders zugesagt. Generell finde er das Finanzwesen einer Kommune enorm spannend und bedeutsam: „Jede Dienstleistung bringt Geld. Vom Personal her sind wir die Schnittstelle für das ganze Haus. Wir erfahren immer früh, was wo passiert, welche neuen Entwicklungen es gibt.“

In die Aufstellung des neuen Haushalts wird Richter noch nicht komplett eingebunden sein, wohl aber in die Klausurtagung aller Fachbereiche, die Bürgermeister Stephan Korte dafür noch in diesem Jahr einberufen möchte. Den Ratsbeschluss über den Etat stellt er für Februar in Aussicht.

Knapp 20 Bewerbungen hat es nach Auskunft Kortes auf den Posten des Kämmerers gegeben. Sie war in den lokalen Medien ausgeschrieben sowie bundesweit in den elektronischen Stellenportalen. Erfahren aber hat Richter dies von seinem Bruder, der mit Frau und Kind in Stuhr wohnt. „Hier lässt es sich gut leben“, zitiert er seinen Bruder.

Gleichwohl wird er ab Januar von Emstek aus nach Stuhr pendeln. „Wir haben gerade erst ein Haus gebaut“, sagt Richter. „Aber beide Orte liegen an der A 1 und nicht so weit auseinander. Bislang war die Strecke immer gut zu fahren. Und für den Fall, dass es mal später werden sollte, hat mir meine Schwägerin schon eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten.“

Bis zum Dienstbeginn in Stuhr will sich Richter aber noch voll in Cloppenburg reinhängen. „Ich werde da bis zum 30. Dezember arbeiten“, kündigt er an. Brutto wären das, heute eingerechnet, noch 44 Tage, netto 30 – wenn man denn Arbeitstage so berechnen möchte.

Von Andreas Hapke

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