Gisela Hechler ist die Vorsitzende des Vereins Immobilienexperten im Nordkreis

„Ich habe immer Ideen“

Jetzt auch Vereinschefin: Gisela Hechler. Foto: Photogenica

Stuhr - Von Andreas Hapke. Gisela Hechler von der Firma Hechler & Twachtmann Immobilien ist Vorsitzende des Anfang Oktober gegründetetn Vereins Immobilienexperten im Nordkreis. Im Interview mit der Kreiszeitung spricht sie unter anderem über die Notwendigkeit eines solchen Zusammenschlusses und darüber, wie sie sich einbringen möchte.

Frau Hechler, Ihr Tag ist schon mit der Arbeit gut ausgefüllt. Warum tun sie sich noch den Job als Vorsitzende des Vereins Immobilienexperten im Nordkreis an?

Manchmal bringt man etwas in Bewegung und ist sich erst hinterher bewusst, was man in Bewegung gebracht hat. Dann muss man mit den Konsequenzen und der Arbeit, die man ja auch gerne macht, leben.

Schon Ende 2016 fanden sich renommierte Maklerbüros der Region zusammen, um als Netzwerk gemeinsame Sache zu machen. Wozu noch die Vereinsgründung?

Wir haben uns gut zusammengefunden und sagen: Das Ganze soll noch mehr in die Zukunft gehen. Dafür ist ein Verein verbindlicher, einerseits. Andererseits bildet der Verein einen Rahmen, um manche Dinge abrechnen zu können. Außerdem haben wir einen gemeinsamen Internetauftritt.

Was sind die Stärken des Vereins?

Wir sind alle schon lange vor Ort, kennen unsere Kunden und die Menschen. Die kennt eine Plattform wie zum Beispiel Immobilienscout nicht. Bei denen dreht sich nichts um die Menschen. Wir hingegen haben Tage, da kommen die Leute pausenlos in unser Büro rein, auch um mit uns über ihre Sorgen zu sprechen. Die Immobilienexperten sind ausschließlich für die Menschen in der Region da, wir wollen uns unabhängig machen, von teuren Portalen, man kennt uns. Das ist unsere Vision.

„Persönlich, regional, vertrauensvoll“ lautet die Maxime auf der Homepage. Muss man das in heutiger Zeit betonen?

Ja. Wenn ich in einer Region arbeite, in der ich auch zu Hause bin, dann möchte ich der Region etwas zurückgeben – und zwar das Persönliche und Vertrauensvolle.

Besonders das Online-Geschäft scheint Ihnen ein Dorn im Auge?

Nicht nur. Es gibt auch außerhalb des Internets genügend schwarze Schafe. Denen geht es nur darum, Geld zu verdienen. Uns geht es in erster Linie um die Menschen.

Der Austausch untereinander ist Ihnen wichtig. Besprechen Sie mit den Kollegen auch, wie die Geschäfte laufen?

Klar sprechen wir darüber, wie der Markt tickt; ob es ruhig ist oder ob es brummt. Wir unterhalten uns aber zum Beispiel auch über schwierige Immobilien, die man nicht so ohne Weiteres in den nächsten drei bis fünf Monaten verkauft, etwa eine Gastronomie im Außenbereich. Wir sprechen allgemein über Sorgen und Probleme.

Apropos Probleme: Wenn man im Internet „Probleme der Makler“ googelt, erhält man zuerst und fast ausschließlich Texte mit „Problemen mit Maklern“. Haben Sie denn keine Schwierigkeiten?

Eins ist sicher: Wir sind schnell in einer Haftung, die uns eventuell nicht zuzuschreiben ist. Die Menschen sind schwieriger geworden. Scheitert ein Geschäft, suchen sie einen Schuldigen und landen dann schnell beim Makler.

Das Google-Ergebnis spiegelt ein Stück weit auch den Ruf von Maklern und die weit verbreiteten Vorurteile wieder.

Die hat es immer schon gegeben. Früher konnte jeder Makler werden, niemand wurde kontrolliert. Da haben viele Bockmist gemacht, um schnelles Geld zu verdienen. Die Immobilienexperten bemühen sich um den Menschen hinter der Immobilie und ein solides Geschäft.

Sie wollen sich untereinander über neue Regelungen austauschen: Welche Entwicklung macht Ihnen zu schaffen?

Ich finde Regelungen wie das Geldwäschegesetz und das Widerrufsrecht im Internet in Ordnung, auch die Reform des Bestellerprinzips, wo Verkäufer und Käufer zu jeweils 50 Prozent den Makler bezahlen. Ein faires Geschäft ist das, wo beide Seiten glücklich vom Notar rausgehen. Ich sehe mich als Vermittlerin und freue mich, wenn die Leute am Tisch sitzen und sich verstehen. Nein, es gibt aktuell keine Entwicklungen, die uns zu schaffen machen.

Auch nicht die – wie allgemein bezeichnet – überzogenen Immobilienpreise?

Viele kennen nur, was durch die Medien geht, deshalb sind die Vorstellungen oft überzogen. Dass auch der Käufer beim Hauskauf investieren muss und noch Handwerkerleistungen einfließen, verdrängen sie. Dass der Nachbar der Meinung sei, man könne einen höheren Preis erzielen, höre ich auch manchmal. Aber hat der Nachbar schon mal ein Haus verkauft? Nein. Das ist aber unser täglich Brot.

Ist die Arbeit in Bremen, wo Sie auch ein Büro haben, anders als in Stuhr?

Bremen ist anonymer. Ich freue mich, wenn ich beim Verkauf eines Mehrfamilienhauses bekannte Gesichter sehe. Das ist in Stuhr eher der Fall. Außerdem ist die Nachfrage nach Mehrfamilien- und Einfamilienhäusern in Bremen immer noch größer als hier – vorausgesetzt, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Neben der Immobilienvermittlung ist die Projektierung von Neubauten das Tagesgeschäft Ihres Büros. Inwiefern behindert Sie die städtebauliche Entwicklung der Kommune? Beispiel B-Pläne, die den Bau von Mehrfamilienhäusern ausschließen.

Der demografische Wandel ist längst in Stuhr angekommen. Ich zum Beispiel habe viele reizende, ältere Nachbarn. Wo sollen wir später mal wohnen? – Diese Frage höre ich häufig. Die Immobilienexperten sind an der Basis, sprechen mit ihren Kunden und wissen, was gesucht wird. Es wäre schön, wenn die Kommune sich vorher mal mit den Experten vor Ort unterhält. Die könnten ihr Fachwissen einbringen. Stattdessen wird ein Büro aus Köln geholt.

Womit wir beim Thema Ortskern Brinkum wären.

Ich kann nicht verstehen, dass dafür Leute aus Köln beschäftigt wurden. Jetzt ist die letzte Gelegenheit, die Entwicklung von Brinkum noch einmal zu drehen. Sich zum Beispiel einzugestehen, dass es eine Fehlentscheidung war, den Busbahnhof am Hotel Bremer Tor zu planen.

Geht es Ihren Vereinskollegen in den anderen Kommunen besser?

Nehmen wir ruhig das Beispiel Weyhe: Dort wurde mit Marktplatz und Theater eine hohe Aufenthaltsqualität geschaffen. Einen Ortskern, der junge Leute Mitte 30 in Brinkum hält, den brauchen wir auch. Wo sollen die Menschen in Stuhr hingehen?

Wie wollen Sie Ihre Rolle als Vereinsvorsitzende ausfüllen?

Indem ich meine Ideen einbringe. Ich habe immer Ideen und kann Menschen begeistern. Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, bekomme ich das meistens auch umgesetzt. Ich würde mich freuen, wenn der Verein etwas für die Region bewegen könnte.

Wie könnte das denn aussehen? Können Sie ein Beispiel geben?

Ich denke da zum Beispiel an einen Vorstoß mit unserer Homepage. Die könnten wir zu einer eigenen Plattform ausbauen, auf der wir unsere Projekte präsentieren. Ob wir das schaffen, weiß ich aber nicht.

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