Der Franzose Eric Guinebert glaubt jedoch an einen Sieg Deutschlands

„Ich gönne beiden Teams den Einzug ins Finale“

Der Franzose Eric Guinebert sieht dem Fußballspiel heute entspannt entgegen, er drückt beiden Teams die Daumen. - Foto: sb

Stuhr - Von Sandra Bischoff. Rotwein statt Bier steht heute Abend im Hause Guinebert auf dem Tisch, wenn der italienische Schiedsrichter Nicola Rizzoli in Marseille das EM-Halbfinale Frankreich gegen Deutschland anpfeift. „Aber natürlich gibt es bei uns auch Chips“, sagt der Franzose Eric Guinebert, der mit einer Deutschen verheiratet ist.

„Ich hoffe, es wird eine spannende Partie“, sagt der hauptamtliche Streetworker der Gemeinde Stuhr, der von sich behauptet, nicht besonders viel für Fußball übrig zu haben. „Aber meine Frau verfolgt die Spiele, es entspannt sie.“ So hat er erst zwei Partien der Equipe Tricolore und das Auftaktspiel der Deutschen gegen die Ukraine verfolgt. Bis 1998, als die Franzosen Weltmeister wurden, war er begeisterter Fan, „aber irgendwann hat das Interesse einfach nachgelassen“.

Anders als sein Bruder und seine Mutter, die beide in Frankreich leben. „Mein Bruder schaut die Spiele im Trikot, und meine Mutter verfolgt jedes Championsleague-Spiel und sogar die deutsche Bundesliga“, sagt der 44-Jährige, der seit vier Jahren in Stuhr lebt. Seine Frau hatte damals eine Stelle an der Bremer Uni angetreten.

Auf den heutigen Abend freut sich Guinebert dennoch: „Unsere Nachbarn kommen zu Besuch, und wir schauen gemeinsam mit den Kindern.“ Aber für eine bestimmte Mannschaft will er sich nicht entscheiden. „Ich gönne beiden den Einzug ins Finale“, sagt er diplomatisch.

Nach seinem Tipp gefragt, zögert der Franzose jedoch nicht lange: „Ich glaube, Deutschland gewinnt im Elfmeterschießen.“ Er hoffe regelrecht auf diesen Nervenkitzel: „Denn erst dann wird es nochmal spannend, aber bis dahin müssen möglichst viele Tore fallen, das macht richtig Spaß. Wenn ich Fußball schaue, muss es schön sein.“

Seine Lieblingsspieler finden sich nicht etwa bei den Franzosen („Dort kenne ich nur wenige wie Paul Pogba, Hugo Lloris oder Moussa Sissoko“), sondern in der Elf von Joachim Löw. „Jerome Boateng ist toll, Mesut Özil führt den Ball mit solch einer Leichtigkeit und ist dabei so wendig und schnell, das ist großartig. Und über Manuel Neuer müssen wir nicht reden, der ist ohne Frage der weltbeste Torhüter.“

Bei den Deutschen beeindrucke ihn das disziplinierte, aber auch sehr kraftvolle und energiegeladene Spiel. „Bei den Franzosen geht es manchmal etwas mehr durcheinander, ich finde sie technisch ein bisschen besser. Aber ich bin wie gesagt kein Kenner“, sagt der Streetworker schmunzelnd.

Beim 5:2 gegen Island im Viertelfinale am Sonntag habe das Team von Nationaltrainer Didier Deschamps gezeigt, was es kann, findet der Franzose.

Als die Europameisterschaft vor fast vier Wochen begann, habe er keine Lust auf das Turnier verspürt. „Aber dann habe ich gemerkt, dass es den Leuten Freude macht und sie viel öfter lächeln. Und deshalb möchte ich nicht, dass Deutschland ausscheidet. Schließlich lebe ich hier.“

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