Finn Kortkamp (CDU) befürchtet, die im Rat geführte Ortskern-Debatte schrecke Investoren ab

„Ich empfehle uns allen, uns etwas zu mäßigen“

Noch gehen dieser Zeitung die Fotomotive zum Thema Ortskern nicht aus, auch wenn es langsam schwierig wird. Hier der Blick vom Brinkumer Zob in Richtung Restaurant „El Mexicano“ und Hotel „Bremer Tor“. Foto: Andreas Hapke

Stuhr - Von Andreas Hapke. Whistleblower, Geheimsitzung, Gemauschel – an die Ohren des CDU-Ratsherrn Finn Kortkamp drangen am Mittwoch in der Ratssitzung Worte, die er gar nicht hören wollte. „Besser“-Ratsherr Gerd-W. Bode hatte sie in der Diskussion über den Brinkumer Ortskern in den Mund genommen. Kortkamp dachte an die möglichen Konsequenzen: „Wir wollen alle ein gutes Ergebnis für Brinkum erreichen. Doch wenn sich Investoren das anhören, dann denken sie auch darüber nach, ob sie hier richtig aufgehoben sind. Ich empfehle uns allen, uns etwas zu mäßigen.“ Dafür erhielt er den Beifall der meisten Ratsmitglieder.

Zu diesem Zeitpunkt wussste Bode bereits, dass die Gemeinde mit der Kreissparkasse (KSK) eine Vertriebsvereinbarung geschlossen hatte, die das Kreditinstitut befugt, auf die Suche nach Investoren zu gehen (wir berichteten). Dennoch ließ seine Fraktion nicht von dem Bestreben ab, die Gestaltung des Ortskerns über einen städtebaulichen Wettbewerb zu regeln. Mit dem Flächenkauf und den Ideenwerkstätten habe die Gemeinde schon zwei Schritte auf diesem Weg zurückgelegt, stellte Bode fest. Ab jetzt würde der Wettbewerb nur noch ein halbes Jahr dauern. Doch der Antrag scheiterte bei drei „Besser“-Stimmen und einer Enthaltung.

„Ich verstehe die Hektik nicht, hinter verschlossen Türen mit der KSK zu arbeiten“, so Bode. Er sprach von einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ und davon, dass die KSK daran einen sechsstelligen Betrag verdiene. „Den hätten wir auch gebrauchen können.“ Ein weiterer Vorwurf Bodes betraf die „Zerschlagung der Flächen“. Hintergrund: Die KSK zieht auch eine separate Vermarktung der drei Teilbereiche in Erwägung. Nach dem gescheiterten Investorenwettbewerb vergebe sich Stuhr die Chance, „das selbst in die Hand zu nehmen. Wir wollen einen Ort in Brinkum, wo man gerne ist. Den gibt es nicht.“

In der Folge musste sich Bode den Vorwurf gefallen lassen, an den Fakten vorbei zu argumentieren. Die Grünen-Fraktionschefin Kristine Helmerichs etwa sprach von einem „Konstrukt aus Halbwahrheiten, ein bisschen Lüge und viel Vergesslichkeit“. Ihrer Ansicht nach war die Investorensuche nicht gescheitert, sondern lediglich nicht erfolgreich. Tatsächlich machte sie darin einen Unterschied aus: „Die Investoren wollten nur nicht so verfahren wie wir. Sie wollten zum Beispiel einen großen Supermarkt im Ortskern. Aber wir werden schon etwas finden. Die KSK ist ein hervorragender Partner.“ Zudem verdiene die Bank keinen sechsstelligen Betrag, und der städtebauliche Wettbewerb dauere nicht sechs Monate, sondern eher drei Jahre. „Wir wollen zügig eine interessante Innenstadt schaffen.“

Bode ließ Zahlen sprechen und verwies auf vier nicht-öffentliche Beschlüsse im Verwaltungsausschuss (VA) zwischen dem 8. Mai und dem 24. Juli. „Ich habe im VA gesagt, wir müssen an die Öffentlichkeit gehen.“ Damit plauderte er selbst aus dem nicht-öffentlichen Gremium – wie schon CDU-Mann Frank Schröder, dem im Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt der KSK-Deal herausgerutscht war. Deshalb nannte ihn Bode am Mittwoch Whistleblower. „Und Frau Helmerichs fällt nach sieben Jahren ein, dass sie zügig etwas schaffen möchte.“

Der FDP-Ratsherr Jan-Alfred Meyer-Diekena fand, dass es Zeit für eine Zäsur sei: „Wir haben in der Vergangenheit Fehler gemacht. Wir müssen Brinkum neu planen, die Bürger wieder mitnehmen.“ Ralph Ahrens (CDU) hob hervor, dass es mehrere schöne Plätze in Brinkum gebe. Es gehe darum, einen schöneren zu finden. „Man kann dem Rat nicht unterstellen, dass er das nicht macht.“ Doch nicht mit einem städtebaulichen Wettbewerb, wie die SPD-Fraktionschefin Susanne Cohrs findet: „Was nützt mir der, wenn ich keinen Investor habe?“ Für die Bürgerinitiative „Brinkum in Fahrt“ kündigte Heinz Kolata an, am Ball zu bleiben: „Wir haben die ganze Zeit versucht, Vorschläge zu unterbreiten. Keine Resonanz. Wir bieten unsere Zusammenarbeit weiter an.“

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